Fressen Zombies faule Eier?

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Gestärkt, überzeugt und doch etwas unsicher bin ich heute wieder in die Schule gegangen. Auch wenn ich versuche die Verlängerung des Referendariats positiv zu sehen, fühle ich mich bisher noch nicht gut genug. Heute hatte ich Besuch in meiner ersten Stunde von meiner neuen Fachleiterin. Auch das ist positiv, dass sie möglichst schnell eingreifen kann, bevor sich noch einmal schlechte Verhaltensweisen einschleifen und doch fühlte es sich wieder wie eine Prüfungssituation an.

Bei meiner Unterrichtsstunde habe ich großen Wert daraufgelegt, dass die Schüler wissen, was mir wichtig ist und wie mein Unterricht sein wird. Das hatte sicherlich viel Zeit gekostet, aber mir war es wichtig, dass den Schülern die Spielregeln transparent gemacht werden. Was mich verunsichert ist, dass meine Fachleiterin mich zu ihr bat in meinem Unterricht. In meinem Material seien zwei fachliche Fehler gewesen.

In meinem Material hieß es: Eine Atombindung (Elektronenpaarbindung) ist eine Verbindung, die durch gemeinsame Elektronenpaare zwischen den Atomen bewirkt wird. Teilchen, die durch zwei oder mehr Atome fest mit einander verbunden sind, werden Moleküle genannt. Richtig wäre es so zu formulieren: Eine Atombindung (Elektronenpaarbindung) ist eine Art der chemischen Bindung, die durch gemeinsame Elektronenpaare zwischen den Atomen bewirkt wird. Teilchen, die aus zwei oder mehr fest miteinander verbundenen Atomen bestehen, werden Moleküle genannt.

Zwar habe ich Chemie studiert, aber ich sehe den Unterschied jetzt nicht. Für mich sind beide Definitionen identisch. Tut sich da jetzt etwa eine neue Baustelle auf? Sonst hatte ich große Probleme damit eine Klasse zu führen und heute wirkten die Schüler eingeschüchtert und wie Zombies. Sie warteten darauf, dass sie Hirn benutzen dürfen und waren so still, dass es mir schon fast unheimlich vorkam. Besonders gruselig war es als ich den Schülern die Hausaufgabe gegeben habe, dass sie sich in einen Steckbrief kurz vorstellen sollten. Dabei sollten sie drei Fragen beantworten: Was macht dich besonders? Wo sind deine Stärken? Was für Wünsche hast du für deinen Unterricht? Eine Schülerin fragte mich, was sie denn tun solle, wenn sie nicht besonders ist. Ich fragte sie, was denn bei ihr anders ist als bei anderen. Das wisse sie nicht. Was ist denn anders als bei deiner Nachbarin? Sie zuckt mit den Schultern. Was bist du denn für ein Mensch? Ich bin ein Mensch. Und da kam mir der Gedanke, dass es vielleicht doch nur ein Zombie ist, der sich als Mensch tarnt.

Als ich dann ins Lehrerzimmer ging, um mich mit meiner Fachleiterin zu treffen, fragte sie mich, was ich denn für einen Eindruck von ihren Schülern hätte. Da sagte ich ihr, dass ich es ungewöhnlich fand, dass die Schüler sich so wenig beteiligt haben. Sie entgegnete, dass sich die Schüler erst an mich gewöhnen müssten und dass ich aufpassen müsse die Schüler nicht zu unterfordern. Sie waren deutlich schon vor meinen Zeitangaben mit den Aufgaben fertig. Wenn das Mal passiere, ist das nicht schlimm, aber auf Dauer würde ich damit die Schüler verlieren. Wir vereinbarten den Mittwoch, um noch ausführlicher über die Stunde zu reflektieren.

Was mir allerdings Sorge bereitet ist, dass ich selbst beim Hinweis auf den fachlichen Fehler den Fehler nicht sehe. Was hätte ich denn sagen sollen, wenn mich einer der Schüler gefragt hätte, was der Unterschied beider Definitionen ist? Ich werde morgen meine Mitreferendare fragen. Vielleicht können sie mir helfen. Ebenfalls empfinde ich die Kollegen bisher als sehr distanziert. Ich werde gesiezt.

Was ich mir vornehme für die Woche ist, dass ich versuche noch bei einigen Kollegen zu hospitieren. Dann kann ich wieder meinen Unterrichtsstil anpassen und kann mir einige Methoden für den Unterricht abschauen. Ich werde definitiv mehr das Schulbuch einsetzen, schon, um solchen haarspalterischen Diskussionen aus dem Weg zu gehen. Zum anderen kostet es auch eine Menge Zeit solches Material zu entwerfen. Ich sollte mich lieber damit begnügen, was das Schulmaterial hergibt und mich dann bewusst gegen einige Aufgaben entscheiden und mir überlegen, wie ich unterrichten möchte und nicht mehr mit dem was mich so lange plagen.

Solche Fehler untergraben meine Autorität. Der fachliche Fehler wäre vermutlich meinen Schülern nicht aufgefallen, aber wenn ich da das eine Komma oder Wort vergesse, werden die Schüler vielleicht auch meinen ganzen Unterricht hinterfragen.

Auch wenn ich die Schüler bemitleide, die so abgerichtet auf Gehirn warten, ist es deutlich angenehmeres Unterrichten. Ich muss weiterführen, da sonst die Schüler möglicherweise immer mehr Freiräume sich erkämpfen würden und vielleicht hätte ich dann am Ende wieder Klassen, die nicht mehr zu bändigen sind. Meine künftigen Doppelstunden werde ich daher wie zwei Einzelstunden planen. Dies bereitet mehr Mühe, aber es ermöglicht eben auch ein schnelleres Vorgehen. Ich unterrichte jetzt an einem Gymnasium und nicht mehr an einer Gesamtschule. Zusätzlich werde ich mir kleinere Aufgaben ausdenken müssen, welche die Schüler lösen können, wenn sie bereits fertig sind. Ich denke dabei an kleine Lernspiele wie Suchsel, Kreuzworträtsel oder Dominos.

Alles in Allem war es ein angenehmer Tag, auch wenn ich mich etwas unwohl fühle wegen Mittwoch. Dass jetzt scheinbar meine Fachwissenschaftlichkeit angezweifelt wird, reißt an dem Teppich, auf dem ich bisher sicher stand. Vielleicht sehe ich das auch zu kritisch und die Person sieht, dass ich noch in der Ausbildung bin und Fehler mache. Aber eigentlich ist das Studium für den theoretischen Hintergrund gedacht. Die Praxisphase sollte dafür dienen den Umgang mit den Schülern zu erlernen. Ich habe Angst, dass meine Ausbilderin schon jetzt den Eindruck von mir hat, dass ich ein faules Ei bin, welches in ihr Nest gelegt wurde. Und wie werden die Zombies reagieren? Wird aus dem faulen Ei noch ein Vogel?

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