Der Lernprozess und das Elternhaus

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Bild von Pexels auf Pixabay

Lernen ist es höchst komplexer Prozess, der viel Anstrengungen und Konzentration benötigt. Häufig führt dieser Prozess auf den Seiten der Lehrer und der Schüler zu Frustration. Was hilft ist Kommunikation und gegenseitige Rückmeldung. Zudem sollte ein Klima erzeugt werden, in welchem die Schüler keine Angst vor Fehlern haben. Zum Lernprozess gehört das Fehlermachen dazu.

Es das Laufen lernen. Nur wer Schritte macht, kann fallen und kann wieder aufstehen. Wer sich ständig am Geländer festhält, wird nie eigenständig lernen zu laufen. Manchmal müssen wir auch auf dem Glatteis rutschen, um einen sichereren Schritt zu lernen.

Was lernen so komplex macht, ist das Zusammenspielen von verschiedenen Faktoren (siehe Abb.1). In seiner Metametastudien hatte Hattie versucht die Einflüsse zu gruppieren. Der Lehrer kann nur Einfluss auf die rötlichen Bereiche übernehmen. Er kann seinen Unterricht anpassen und an seiner Lehrperson arbeiten. Insgesamt liegt der Einfluss des Lehrers etwa bei 39%. Der Schüler allerdings kann nur zu 17% seinen eigenen Lernprozess beeinflussen. Zusammen mit seinem Elternhaus kommt der außerschulische, hier grünlich dargestellte Bereich auf 31%. Die letzten 30 % sind hier bläulich dargestellt und teilen sich auf Lehrplan und Schule aus.

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Abb. 1: Lernerfolg als Zusammenspiel verschiedener Faktoren

Der bläuliche Bereich kann bedingt durch Lehrer und Schüler beeinflusst werden, indem sie eine Schule aussuchen, wo sie arbeiten wollen. Auch wenn die Zahlen einen eher ernüchtern als, dass sie einen bestärken, liegt in den Zahlen auch eine Kraft. Ich bin als Lehrerin nicht allein verantwortlich für den Lernerfolg meiner Schüler und auch als Schüler liegt alles an mir. Allein, dass der Einfluss des Elternhauses mit 14 % so stark ist, ist schon erschreckend, denn in einem gerechten Schulsystem sollte nur die Leistung der Schüler und die Leistung der Lehrer eine Rolle spielen. Diese ist sicherlich abhängig von der Schule oder des Lehrplans, aber das Elternhaus allein sollte nicht einen so großen Einfluss haben.

Deutschland ist ein Land, in dem der Bildungserfolg der Schüler, verglichen mit den anderen OECD-Staaten, der Bildungserfolg sehr stark vom Einkommen der Eltern abhängt. Damit dürfte der Einfluss des Elternhauses in Deutschland noch stärker sein.

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Abb. 2: Lernerfolg nach Klassenzugehörigkeit

Es wundert daher nicht, dass die Wahrscheinlichkeit auf Bildungserfolg auch vom Elternhaus abhängt. Von 100 Schülern aus der Arbeiterklasse bestehen nur 44% das Abitur, bei Kindern von Akademikern sind das 78% (siehe Abb. 2). Das allein mit Intelligenz zu begründen ist zynisch und unzutreffend. Zu einen sind die Faktoren der Intelligenz nur zum Teil genetisch, wie in Zwillingsstudien eindrucksvoll belegt werden kann.

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Abb. 3: Chance auf Übergang in Prozent nach Klassenzugehörigkeit

Auch diese Studien belegt, dass der Einfluss des Elternhauses noch über die Schule hinaus geht. Sollten die Kinder von Arbeitern tatsächlich dümmer sein, dann dürften die Gruppen Arbeiterkinder und Akademikerkinder nach dem Abitur nicht mehr unterscheiden (siehe Abb. 3). Insgesamt ist der Einfluss des Elternhauses in Deutschland so groß, dass von 100 Arbeiterkindern nur 1 den Bildungsweg mit einer Promotion abschließt, während es bei den Akademikerkindern 10 sind (siehe Abb. 2).

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