Der Hobel der Gesellschaft

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Fotomontage von Bärbel D. Weisshaupt aus Bildern von Free-Photos und succo auf Pixabay

Ein erholsames Wochenende liegt hinter mir nach dem Scheitern des Erstversuchs. Es fühlt sich komisch an jetzt weiter zu dieser Schule zu gehen, wo ich nichts gewinnen kann. Andererseits würde mir das auch nichts helfen einfach zu Hause zu bleiben und heimlich meine Wunden zu lecken. Ich will nach vorn schauen.

Ich werde Mittwoch mit meiner pädagogischen Ausbilderin sprechen. Gemeinsam werden wir entscheiden, wie es mit Frau Weisshaupt weitergeht. Dass ich meine Schule wechseln will, steht für mich außer Frage. Zwar sind meine Kollegen größtenteils sehr nett, aber die Last ist einfach zu groß. Mit einer neuen Schule könnte mir ein Neuanfang gelingen. Es könnte ein Befreiungsschlag werden. Ich habe häufig mit meiner Rolle als Lehrerin gehadert. Es hatte sich mir widerstrebt als autoritäre Ordnungshüterin aufzutreten. Ich wollte nicht führen. Ich wollte keine Puppenspielerin sein. Ich wollte die Schüler wie Menschen behandeln. Und gerade das wurde mir zum Verhängnis. Wenn man Menschen lange genug wie Bestien behandelt, dann werden sie zu welche. Sie verlernen es menschlich zu sein und empfinden den antiautoritären Führungsstil gar als Schwäche.

Auch wenn es sich mir widerstrebt, ich muss die Kinder als Hunde betrachten. Und Hunde gehören konditioniert. Dafür habe ich zum einem schon meine Glocke. Ich werde sie einsetzen, um den Phasenwechsel einzuläuten und sie sofort zur Ruhe zur bringen. Das spart die Stimme. Eine Konditionierung funktioniert nur mit Wiederholung und Übung. Und das werde ich sehr schnell und massiv einüben. Wer nach dem Klingeln noch spricht, bekommt die volle Härte von Frau Weisshaupt zu spüren. Dazu gehört neben dem Umsetzen, das Rausschicken auch das Absprechen mit dem Klassenlehrer und gar einem Elternanruf.

Bärbel hat nun die letzte Chance noch einmal sich neu zu erfinden. Sie findet es traurig, dass unsere Welt nur Machtstrukturen dominiert ist. Das Ideal, in welchem ein Schüler intrinsisch motiviert lernt, ist in die Ferne gerückt. Wieder gibt Bärbel einen Teil ihres Ichs auf. Sie war aus ganz besonderem Holz. Sie wollte, naiv wie sie war, die Welt verändern; ihr etwas hinterlassen: ein Vermächtnis. Sie hatte ihre Ecken und Kanten. Und die Gesellschaft setzt den Hobel an und hobelt alle gleich.

5 Kommentare zu „Der Hobel der Gesellschaft

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  1. Schlimm, das alles. Aber so ist es. Die müssen wissen, dass ein Alpha über ihnen steht, denn sie sind Welpen. Der Alpha ist wohlwollend und verteilt Lob und höhere Ränge, aber bei Zuwiderhandlungen verteilt er eben auch Strafen und Herabstufungen. Is normal. Bevor Kleinchen selbst ein Alpha werden kann, muss es lernen, was ein Alpha eben kann, im Fall deiner SchülerInnen eben z.B. Mathematik.

    Liken

  2. Nein,
    es sind keine Hunde, sondern wunderbare Pflanzen.
    Wenn du vom bloßen Konditionieren mal weggehst und dich als „Sport“-Trainer betrachtest oder eben als Gärtner, dann …
    Die andere Frage, die sich stellt ist: Hast du einen „grünen Daumen“ oder kannst du dir den aneignen?
    Und wenn es nur eine Rolle ist oder ein Broterwerb, eine Frage des Prestige gar, daß du Lehrerin sein möchtest, hmm, dann wirst du zum Teil deinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht, oder?
    Doch, du kannst etwas tun und auch den Schatz des vermeintlichen Scheiterns nutzen … – außer du läßt es so stehen oder du bleibst stehen, hmmm und

    Ist es eine Berufung… für dich??
    Was ruft denn da? Liebe, Vertrauen und Hingabe für und an den Kindern?
    oder ist dieser Blick zu „romantisch“, zu ideal oder doch die Voraussetzung, um Entwicklungsprozesse und Lernen auf Beine zu stellen, welche dann „abgehen wie Schmitz Katze“??

    Oder darfst du dich, mit dieser Erfahrung (und sie nutzend) auf deine Hinterbeine setzen und zum „Tigersprung“ ansetzen?

    Viel Erfolg beim Finden deiner Selbst, der „Motivation“ und der Kraft und Liebe in dir,

    Raffa.

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