Die Kosten der #Ungleichheit

waage

In Deutschland leben etwa 20 Prozent unserer Gesellschaft trotz Arbeit in Armut. Deutschland ist führend in der Ungleichverteilung des Vermögens. Wilkinson und Pickett haben in ihrem Buch die Kosten der Ungleichheit untersucht.

Die ärmste Hälfte der deutschen Bevölkerung 2,23% des Gesamtvermögens. Das ist genauso viel wie die reichsten 45 Deutschen. In den letzten Jahren ist das Durchschnittsvermögen der Deutschen gestiegen. Durchschnittlich besitzt jeder Deutsche nach Abzug der Schulden 232.800 €. Falls du dich jetzt fragst, wo dein Geld ist, dann ist die Antwort ernüchternd: Wird die deutsche Bevölkerung in die arme und reiche Hälfte geteilt, so ist jemand mit einem Vermögen 70 800 in der Mitte, ist also quasi Mittelschicht.

Diese Ungleichheit lässt sich gut in einem Koordinatensystem veranschaulichen. Wird das Vermögen der ärmsten 95% auf einer DIN A4 Seite in einem Koordinatensystem aufgetragen befindet sich in der Ecke rechts Menschen mit einem Vermögen von etwa 1,5 Millionen Euro. Die untere Hälfte hat weniger als 17000€. Doch der reichste Deutsche fliegt mit einem Ballon etwa 6 km über dem Papier. Diese Entwicklung gefährdet unsere Demokratie.

Die Kosten für diese Ungleichheit trägt die Gesellschaft. So führen Einkommensunterschiede zu mehr Drogenkonsum und psychischen Erkrankungen, die dann schlussendlich auch zu einem verfrühten Tod führen. Armut verkürzt die durchschnittliche Lebenserwartung um 11 Jahre, Obdachlose sterben durchschnittlich sogar schon mit 49 Jahren. Die Menschen in Armut haben auch weniger zu verlieren und neigen dann zu mehr Kriminalität. Ihr Nachwuchs erreicht schlechtere Schulabschlüsse. Zudem häufen sich in der Unterschicht Mädchen, die schon als Jugendliche schwanger werden. Insgesamt haben Menschen in der Unterschicht nicht nur ein kürzeres, sondern auch ein stressigeres und härtes Leben.

Wilkinson und Pickett haben in ihren Studien herausgefunden, dass diese Effekte nicht das Resultat von absoluter Armut, sondern von relativer Armut waren. Dazu hatten sie die die Einkommensverteilung der 23 führenden Nationen verglichen und die Auswirkungen verglichen. Zwar steigt das Lebensglück mit mehr Vermögen und Einkommen, aber die Effekte in den oben genannten Untersuchungen korrelieren bei den führenden Ländern mit der Verteilung des Reichtums. Wenn die Grundbedürfnisse gestillt sind, dann folgt der Vergleich mit anderen. Interessanterweise sehnen sich Menschen nach einem hohen Status im Vergleich zu anderen statt zu materiellen Wohlstands. So bevorzugten etwa die Hälfte der Menschen eher eine Gesellschaft, in der sie weniger Geld haben, sofern sie dafür relativ in der Gesellschaft weiter oben wären. Außerhalb der Laborsituation lassen sich der Status und der materielle Wohlstand nicht trennen, da sie verknüpft sind. Es zeigt allerdings, dass viele Menschen bereit sind auf Vorteile zu verzichten, wenn andere noch mehr Nachteile bekommen.

Diese erschreckenden Erkenntnisse erklären auch, warum es für viele Menschen wohltuend ist, wenn sie auf andere hinunterblicken können und sie nicht bemerken, dass gemeinsam nach den Sternen gegriffen werden könnte, wenn sie sich nur nicht spalten ließen.

4 Kommentare zu „Die Kosten der #Ungleichheit

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  1. Kein Wunder, dass sich manche armen Jugendlichen zu Kiezbanden zusammenschließen (das Ansehen steigt). Nicht nur Armut macht krank, sondern auch die damit verknüpfte Zwangsarbeit (Hartz IV). Wollte da nicht mal neulich irgend’ne Partei Hartz IV abschaffen?

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