Laufen für die #Gerechtigkeit

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Ich hab geglaubt, dass ich es ändern kann.
Kein Weg sei mir zu lang.
Ich hab geglaubt, es gäb kein Ziel.
Das ich nicht erreichen kann.

Vor einigen Tagen hatte ich geglaubt, dass ich wenigstens zu meiner 11. Klasse ein gutes Verhältnis hätte. Vor einigen Tagen hatte ich eine Klausur mit meinen Schülern geschrieben. Sie haben sich jetzt bei der Schulleitung über mich beschwert. Zum einen sei meine Klausur zu kurz gewesen und zum anderen hätte es einige gestört, dass einige ihrer Mitschüler nach der Klausur zu laut Musik gehört hatten. Ich hatte gedacht, dass sie dann wenigstens sich ruhig verhalten würden. Das erwies sich allerdings als folgenschwerer Irrtum. Ich hatte zwar nichts gehört, aber ich habe schon wieder einen Fehler begangen. Ich fühle mich wie ein Fettnäpfchensuchgerät.

Glücklicherweise stehen meine Kollegen hinter mir. Sowohl mein Kollege, der den Parallelkurs unterrichtet, als auch die Fachleitung hatten meine Klausur gesehen. Sie fanden meine Klausur sehr gelungen. Aber wie kommen die Schüler dazu sich direkt beim Chef zu beschweren, dass sie zu viel Zeit hatten für eine Lernkontrolle? Der blanke Hohn ist es, dass sie das taten, obwohl ich eine Woche vorher mit ihnen eine sehr ähnliche Probeklausur geschrieben habe und sie dort um Hilfe baten.

Ich habe noch keinen großen Blick in die Klausur geworfen. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Schüler mit den Aufgaben überfordert waren und dann sehr viele Informationen weggelassen hatten, sodass sie viel zu viel Zeit hatten. Aber bei der Konzeption der Klassenarbeit ging es mir ja gerade darum, dass meine Schüler genug Zeit bekommen, dass sie auch über ihre Worte die sie zu Papier bringen nachdenken können. Eine Person hatte tatsächlich ein komplett leeres Blatt abgegeben. Auch als ich sie aufgefordert habe noch einmal nachzudenken, wollte sie abgeben. Was ist das für eine Welt, wo sich Schüler beschweren, dass sie zu viel Zeit in der Klausur hatten?

Ich schaue zurück in die Vergangenheit. Ich war einst eine erfolgreiche Dozentin an einer Volkshochschule gewesen. Dort hatte ich Schülern aus der Unterschicht geholfen ihre Probleme in Mathematik, Deutsch, Chemie und Physik zu minimieren. Sie waren so dankbar und ich wurde auch mit 30€ pro Stunde sehr gut bezahlt. Allerdings störte es mich, dass es nur auf Honorarbasis war. Wenn meine Schüler nicht da waren, dann gab es kein Geld. Was zuerst rein marktwirtschaftlich vollkommen in Ordnung klingt, bedeutet, dass bei nicht Erscheinen meiner Schüler oder in den Ferien es kein Geld gab. Auch wenn ich krank war, gab es kein Geld. Aber trotzdem musste ich ja in der Zeit etwas essen oder wohnen. Von den positiven Erlebnissen in der Volkshochschule bestärkt, hatte ich beschlossen wieder Lehrerin zu werden.

Ich wollte Menschen formen nach meinem Bilde, ein Geschlecht das mir gleich sei, zu denken, zu weinen, zu genießen und zu freuen sich und die Verhältnisse nicht zu achten. Wie ich! Ich habe eine lange Reise in die Großstadt auf mich genommen, um dieses Ziel zu erreichen. Ich wurde richtig getrieben von meinen Idealen und heute hole ich mich nicht mehr ein. In meiner Heimat hatte ich abgesehen von der Aussicht auf eine güldene Zukunft alles. Ich wurde richtig getrieben von meiner Angst. Mir fehlte nur ein kleiner Baustein zum Glück. Klar, hatte mich die Sorge über meine Zukunft aufgefressen.

Ich bin weit gelaufen. Und doch bin ich jetzt woanders als da, wo ich hinwollte. Meine Bedürfnispyramide liegt in Trümmern. Und doch hatte ich so viel Kraft daraus gezogen, dass ich diese eine elfte Klasse unterrichten durfte. Ich hatte mir Hoffnung gemacht, dass ich vielleicht besser mit älteren Schülern klarkomme. Ich hatte verstanden, dass junge Schüler mein großes Herz als Schwäche ansehen. Ich hatte verstanden, dass ich härter werden müsste. Aber das bin nicht ich. Dass sich jetzt auch die Oberstufenschüler über mich beschweren, stellt mir jetzt bei meinem langen Lauf nach Gerechtigkeit ein Bein.

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