Die rote Königin

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Bild von JL G auf Pixabay

Was ich mich gerade frage, ist was hat das alles für einen Sinn? Was will ich erreichen? Wer will ich sein? Und dann möchte ich mich nicht mehr mit Gerechtigkeit auseinandersetzen müssen. Dann ist mir Politik egal. Ich bin eine verfluchte Idealistin, die an der Realität scheitert. Und das bei klarem Bewusstsein. Nur die Fragen bleiben in meinem Kopf und ich hoffe darauf eine Antwort zu finden. Und doch betäube ich mich mit Nichtigkeiten und Alkohol.

Fragt sich nur dann was ich dann mit meinem Leben anfange. Und bei solchen Fragen merke ich, dass ich immer noch die kindische naive Prinzessin bin. Das schlimme daran ist, dass ich es merke. Ich fühle mich wie in einem Wachtraum, nur andersrum. Ich fühle mich wie ein Zuschauer in dem Kino meiner Biografie. Und das Schlimme ist, dass ich bei den meisten Filmen weiß, wie es weiter geht. Nur bei mir selbst kommt es mir so vor, dass ich mir selbst hinterherlaufe, aber mich nie einhole.

Wenn ich mir überlege mit wieviel Pathos ich entschlossen hatte wieder Lehrerin zu werden und wie viel davon übrig geblieben ist. Klar, es geht immer auf und nieder, aber die Tendenz ist nicht zu übersehen. Heute hatte Moritz zu mir gesagt ich solle doch aufhören so zu tun als ob ich unterrichten könnte. Nun sitze ich nach einigen Bieren nach einem Treffen mit einer Kollegin vor meinem Rechner und weiß nicht, ob ich kotzen oder weinen soll. Mein rasendes Herz schreit, dass ich kämpfen muss, kämpfen muss für die Gerechtigkeit und dann meldet sich die Stimme. Bist du denn so anders als Moritz?  Er ist ein Systemsprenger. Ich bin eine Systemgesprengte. Er eskaliert. Er war schon in der Psychiatrie und wurde wegen Sicherheitsbedenken entlassen. Und im Deutschen Reich gibt es eine Schulpflicht. Also hat Bärbel ihn wieder an der Backe. Auch ich würde gern rebellieren. Eskalieren. Gegen das System. Und doch bin ich zu angepasst. Und dann laufe ich mir selbst davon, aber ich mir stets auf den Fersen.

Meine Gedanken sind so eindeutig uneindeutig. Immer wieder dreht es sich darum, dass ich ein zu großes Herz habe. Aber was ist die Konsequenz? Als Wissenschaftlerin zu schlecht als Lehrerin zu lieb. Ich habe schon immer überlegt was ich machen könnte. Mein Geist möchte benutzt werden. Und doch scheine ich in diese Welt nicht zu passen. Als Biologin zu schlecht, auf dem Gymnasium zu individuell und in der Gesamtschule zu schwach.

Wo sind meine Handlungsoptionen? Wo sind meine Visionen?

Seit kurzem sucht meine langjährige Exflamme Kontakt zu mir. Wir waren sieben Jahre zusammen. Ich frage mich wieso Kontakt zu mir gesucht wird. Ich frage mich, warum ich nicht frage. Ich verschicke manchmal die Verknüpfung zu diesem Blog, um meine Gefühle auszudrücken. Und dann ist die Antwort klar. Ich freue mich, wenn ich mal Aufmerksamkeit bekomme. Meine Kollegin meint ich könnte doch hin und wieder etwas Körperlichkeiten austauschen. Ich solle mal an mich denken, und dann kann ich später die Welt retten. Aber so bin ich nicht. Ich möchte mich nicht vor mir ekeln. Ich möchte selbst bewusst in den Spiegel schauen und sagen, so wie du bist, bist du gerecht. Du bist gut so wie du bist. Und doch schaut mich die Person im Spiegel nur mit einem leeren fragenden Gesicht an. Bärbel Dorothea, was soll das Ganze? Was bezweckst du? Kannst du den Kampf gewinnen? Das Referendariat? Nein, das Leben danach.

12 Kommentare zu „Die rote Königin

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      1. Auch gut. Immerhin, die Leuts, die da hinkommen, wollen etwas lernen und sitzen idR auch ruhig da😊Gibt’s bei euch so was wie einen Botanischen Garten mit „Grünem Klassenzimmer“? Kräuterkunde und Pilzkurs, Bienenwanderung und Schmetterlinge zeichnen mit den Kursteilnehmern. Oder zum BUND, die können auch manchmal Biolog*innen brauchen, Stichwort „Schmetterlingspfade anlegen“ oder „Fledermäuse kartieren“🙂

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  1. Du bist in Ordnung, so wie du bist. Scheißkerle und -karlinen begegnen einem leider in jedem Job. Und Moritz ist ein kleiner rotziger Junge, der seinen Status als Systemsprenger genießt („Boaaaah ey, sogar die Püschatrie hat Schiss vor mir!“) Du könntest ihm antworten, dass er sich nicht einbilden soll, er sei etwas Besonderes – er ist Schüler an dieser Schule und sonst nichts. Jetzt bist du mal ein paar Tage krank und dann gehst du mit frischen Kräften ans Werk. Gibt es bei euch an der Uni oder am Schulamt sowas wie Tutoren? Falls ja, frag die nach Tipps.

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    1. Ich sehe auch gar nicht ein mich zu ändern. Obwohl ich bei gelegenheit mir überlegen muss, wie ich noch strukturierter unterrichten kann. Das sollte mich auch abhärten gegen solche systemsprenger. Die wissen schnell die schwache Struktur zu nutzen. Und das wäre schlecht für meine Gesundheit und den Lernzuwachs der Schüler.

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  2. Mach doch einfach mal das Refrendariat zu Ende, dann hast du einen Abschluss und die bisherige Zeit war nicht umsonst.
    Danach kannst du eine Auszeit planen, vielleicht eine gro0e Reise machen, irgendwo in der Welt Jobben (zur Not gegen Kost und Logis irgenwas…) und hoffen, dass sich durch den Abstand und die neuen Eindrücke etwas verändert – vielleicht Wünsche und Optionen klarer werden.

    Da großer Lehrermangel herrscht, hast du ja den Vorteil, jederzeit einsteigen zu können, wenn sich nichts anderes findet. Evtl. auch mal in einer schulischen Umgebung, die für dich gut passt! Gibts ja alles!

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