Im Schlick

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Nachdem der Unterricht ich am Freitag auf Grund gelaufen bin, habe ich jetzt erste Elterngespräche geführt und wieder Tadel verteilt, um mich aus dem Schlick der Schande zu manövrieren. Und ich habe um Hilfe geschrien. Wie soll ich mich bei dem ganzen Wahnsinn verhalten? Nach welchen Kriterien wird eine Brennpunktschule abgestempelt?

Gut, an meiner Schule wird mit Drogen gehandelt. Als Verhaltensbiologin kann ich nur den Wunsch nur verstehen in die Drogen zu fliehen. Wer sich selbst nur schwer erträgt und auch niemanden zum sprechen hat, wird versuchen diesem Horror zu entkommen. Es ist schon heftig, dass bereits Schüler ab Klasse 7 sich per Knopfdruck Glücksgefühle durch Pillen erzeugen, aber dies ist auch eine Folge von gescheiterter Drogenpolitik und einem Ergebnis von schlechter Erziehung. Doch wenn Schüler zu beißen beginnen oder ihre Lehrer mit Brötchenkrümel zu bewerfen, dann ist es nicht nur verdammt erniedrigend, sondern es fragt sich auch, was als Nächstes passiert. Werden die Schüler um sich gegenseitig zu übertrumpfe nicht auch abgeneigt sein weitere Formen der Gewalt wählen, um die Ohnmacht der Leerkraft zu demonstrieren?  Juristisch darf ich Nothilfe, eine Form von Notwehr auf meine Schützlinge wirken, aber wie soll ich das ertragen können?

Ich habe jetzt die Klassenlehrerin informiert und um Hilfe gebeten. Wenn der Schüler den Gang in den Reflexionsraum verweigert, sollte ich mir Hilfe bei der Schulleitung holen. Vorletztes Mal hatte sie keine Zeit. Soll ich künftig die Polizei um Hilfe bitten? Die haben in meinem Brennpunktbezirk auch sicherlich andere Aufträge zu erledigen. Aber ich kann doch nicht einfach warten bis solche Schüler einen Schädel nach dem anderen spalten oder zumindest den Lernfortschritt meiner Schüler behindern.

Wenn ich bei meiner Unterrichtsplanung es in Erwägung ziehe die Polizei mit einzubeziehen, dann sollte das Kriterium erfüllt sein, dass ich meine Schule vollkommen zurecht mit dem Stempel Problem gebrandmarkt. Wenn ich bei einer Optimierung sagen würde, dass es besser wäre für die Schüler, wenn der Unterricht ausfällt und sie Aufgaben lieber zu Hause bearbeiten sollten, weil es da sicher und leiser und somit auch lernwirksamer ist, dann muss ich mir leider selbst ein Armutszeugnis ausstellen. Fragen zum Unterrichtsstoff könnte ich dann auch per Epost beantworten. Solche Selbstoffenbarungen schmerzen und zeigen wie weit meine Ideale durch die Notwendigkeit von Sicherheit und Gesundheit angefressen sind.

In meinen Händen zerrinnt das Ziel die Schüler politisch zu erziehen. Zwischen meinem Wunsch Menschen nach meinem Bilde zu formen, bleibt nur klebrig fauliger Schmutz. Meine Motivation die Verhältnisse zu verbessern, versumpft im Schlamm. Die Schüler rebellieren gegen die Verhältnisse. Sie rebellieren aber vor allem gegen mich.

3 Kommentare zu „Im Schlick

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