Selbstoptmierung XII – Innere Haltung

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Bild von Michał Koper auf Pixabay

Eine gute Klassenführung ist nicht nur eine Frage bestimmter erlernter Techniken, sondern auch eine Frage der inneren Haltung der Lehrkräfte. In der Praxis hat es sich eine offene und aufmerksame Haltung erwiesen. Das bedeutet, dass Lehrkräfte im Unterricht permanent konzentriert und geistesgewärtig auf alle Vorkommnisse reagieren müssen.

Dazu gehört ebenfalls das sich die Lehrerkräfte eine emotionale Objektivität entwickeln. Dies soll nicht bedeuten, dass die Lehrer keine Gefühle in ihrem Unterricht zeigen sollten, sondern sie sollten sich dieser bewusst sein. Es geht darum, dass Lehrerkräfte ihre persönlichen Höhen und Tiefen reflektieren und dann im Unterricht angemessen statt überhastet emotional reagieren.

Bisher hatte ich immer Probleme meine Gefühle zu zeigen. Ich fand es als unprofessionell diese den Schülern zu zeigen. Allerdings wirkt das schnell entmenschlicht roboterhaft. Auch meine Kollegen vertreten eher den Standpunkt, dass die Schüler auch sehen müssen, dass ihre Handlungen gegenüber der Lehrkraft auch Gefühle auslösen. Es sei daher notwendig diese auch zu zeigen und je nach Intention der Lehrkraft zu verstärken. Du musst dich auch manchmal kunstvoll aufregen, damit die Schüler es lernen. Dazu gehört jetzt nicht, dass du deine Schüler zusammen schreist, aber die Schüler sollten wissen, wenn sie zu weit gehen. Auch mein Ausbilder in Biologie sagte einst zu mir, dass ich sonst ein sehr freundlicher Mensch bin, den er wertschätzt, aber vor der Klasse sei ich ein kalter Avatar, der fremdgesteuert scheint.

Trotzdem scheinen meine Schüler mich zu mögen und es fällt mir auch leichter jetzt Freude zu zeigen. Das Thema Emotionen ist ein sehr schwieriges Thema für mich. Generell würde ich mich als einen sehr rationalen Menschen beschreiben, der alles hinterfragt und sehr bedacht agiert. Doch tief innerlich bin ich sehr verletzlich. Mein Verstand ist zugleich meine schärfste Waffe, als auch meine stärkste Rüstung. Er zerlegt meine Umgebung und er schützt mich vor ihr. Und dann, wann ich allein bin, dann kann ich meine Rüstung zur Seite legen. Und wenn ich mein Schwert zur Seite lege, dann kommen meine Emotionen zurück. Zurück kommt das Gefühl, das all meine Handlungen sinnlos sind. Ich fühle mich wie ein zielloser Zellhaufen.

Was kann ich dagegen tun? Ich war schon bei einer Psychologin, die mir half, meine Schatten zu jagen. Aber generell, wenn es dunkler und kälter wird, dann verdunkelt sich auch meine Gedankenwelt. Besonders schlimm wird es um Weihnachten rum, dann wenn ich Bilanz ziehe von dem Jahr. Bin ich immer noch die Person, die ich war? Vielleicht ist das ganze nur ein Vitamin-D-Mangel. Allerdings widerlegte sie diesen Verdacht. Sie sagte mir, dass ich zu individuell für diese Gesellschaft bin und mit meiner Eigenart immer wieder auf Ablehnung treffe und versuche mich zu schützen. Dieser Baustein mit der inneren Haltung scheint mir wirklich schwer zu sein. Es trifft mich wirklich im Kern meiner Persönlichkeit.

Doch möchte ich nicht meinen Blick auf das richten, was ich wohl nicht ändern kann, sondern auf das wo ich noch handlungsfähig bin. Ich werde den Schülern klarer kommunizieren müssen, was ich fühle und was ich von ihnen erwarte. Dies hilft vermutlich ebenfalls die Beziehung zu den Schülern zu verbessern, weil sie dann ihre Biologie- und Chemielehrerin Fräulein Weisshaupt besser verstehen. Ganz konkret heißt es, dass ich in Gesprächen mit den Schülern bei Unterrichtsstörungen über diese Gefühle auch spreche. Auch im Unterricht werde ich bei gegeben Anlass sagen, dass mich eine Handlung von den Schülern schon wütend macht. Eigentlich macht mich das Verhalten meiner Schüler eher traurig. Darüber hatte ich mit meiner Ausbilderin der Pädagogik gesprochen, wobei diese mir sagte, dass ein solches offenes Ausdrücken solcher starken Emotionen nicht angemessen ist. Dies hemmt mich natürlich noch um so mehr, dass ich wieder nicht über meine Gefühle ehrlich sprechen kann. Hier muss ich noch weiter reflektieren.

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