Schiffbrüchig auf dem #Fleischmarkt

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Bild von Travelmoments auf Pixabay

Im Gegensatz zu früher ist es heute durch aus üblich für seinen beruflichen Werdegang seine Heimat zu verlassen. Dabei werden wir von unseren alten Freundeskreisen entwurzelt. Zwar ist es auch mal wieder interessant in eine neue Stadt zu kommen, neue Erfahrungen zu machen, aber die Freundschaften werden brüchiger. Zwar können wir neue Bekanntschaften knüpfen, aber es schleicht sich eben auch das Gefühl ein ersetzbar zu sein. Aber letztendlich zahlt den Preis der beruflichen Mobilität auch die Liebe.

Früher stellte der Freundschaftskreis eine gute Gelegenheit dar neue Menschen und auch neue potenzielle Paarungspartner zu finden. Heute haben Partnerbörsen im Netz diese Aufgabe übernommen. In den künftigen Absätzen rechnet Haimart mit dem Fleischmarkt im Netz ab, und erklärt, wie Partnerbörsen verbessert werden könnten.

Dabei sind die Seiten immer gleich aufgebaut. Die Besucher laden Fotos hoch und füllen einen Steckbrief aus. Diese Steckbriefe eignen sich gut, um von einem Algorithmus durchsucht zu werden, aber was taugt dieser, um einen Partner zu finden? Wofür soll bitte die Augenfarbe oder das genaue Gewicht entscheidend sein? Diese Steckbriefe bieten eine gute Gelegenheit für einen Vergleich. Aber nach welchen Kriterien möchte man seinen Partner aussuchen? Wie sehr erfasst mein Steckbrief mich in allen meinen Facetten? Bin ich wirklich nur die Summe meiner Eigenschaften? Früher scheint ein Stelldichein dafür geeignet gewesen zu sein. Hierbei tauschte man auch nicht die Personalausweise aus oder ließ das Freundschaftsbuch ausfüllen, sodass wir in unseren Tabellen die möglichen Partner eintrugen und nach rationalen Kriterien verglichen. Bei einem Stelldichwar die Umgebung ein Katalysator. Ein gemeinsames Essen oder ein gemeinsamer Kinobesuch wirkten als Katalysator. Wie verhält sich mein Gegenüber in den Situationen? Und auch vorher bewegten sich die Interessenten auch nicht im luftleeren Raum. Sie konnten sich gegenseitig beobachten und starrten nicht auf Einträge in einer Tabelle.

Dass sich unser Suchen nach einem Traumpartner so gewechselt hat, spiegelt sich auch in der geringen Erfolgsquote aus. Wöchentlich verbringen Interessenten durchschnittlich siebenmal so viel Zeit vorm Rechner beim Durchstöbern von Profilen (etwa 5,2 Stunden) und dem Schreiben von Ebriefen (etwa 6,7 Stunden) als Treffen (etwa 1,8 Stunden) in der realen Welt. Und selbst wenn es zu einem Treffen kommt, ist das Risiko hoch sich doch nicht zu verstehen. Ariely wollte zusammen mit seinen Kollegen eine bessere Version von Partnerbörsen entwickeln. Dabei setzten sie die Interaktionen in den Mittelpunkt und versuchten mit möglichst einfachen Mitteln ein echtes Rendezvous nachzustellen. Es gab einen virtuellen Raum, welcher als Quadrat, Dreieck oder Kreis in verschiedenen Farben betreten werden konnte. Im Raum gab es noch andere Objekte, die betrachtet werden konnten. Diese sollten als Katalysator für Gesprächsanlässe sein. Dabei gaben die Probanden an, dass sie mit dieser Form des Kennenlernens mehr zufrieden waren als bei herkömmlichen Partnerbörsen. Du kannst jetzt nicht mehr an Arielys Studie teilnehmen, um dein Prinz oder deine Prinzessin zu finden, aber du kannst vielleicht Anlässe schaffen, um zu kommunizieren, wie zum Beispiel diesen Artikel. Du könntest auch auf anderen Plattformen mit deinem Gegenüber etwas spielen. Versuche deinen potenziellen Partner in seinem natürlichen Habitat kennenzulernen. Nur so kannst du wissen, ob es passt. Überlasse das Auswerten von Tabellen den Algorithmen und folge nicht blind den Roboten, die dir serviert werden.

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