Über #Anreize und #Leistung

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Bild von sipa auf Pixabay

Ursprünglich wollte ich mit dem letzten Beitrag zu den Marktradikalen das Gelesene verarbeiten. Doch das Verknüpfen von Inhalten hatte letztendlich dazu geführt, dass unsere Exkursion etwas vom Weg abgekommen ist. Aber es ist immer gut, wenn man seine Reisebegleitung kennt. Zudem erhöhen kleine Umwege die Ortskenntnisse. Wir sind wieder auf Kurs.

Häufig wird uns eingeredet, dass der freie Markt alles regelt. Die Bedenken, dass sogenannte Spitzenführungskräfte zu viel verdienen, werden weggewischt. Die Aufsichtsräte kontrollieren die Zahlungen der Führungskräfte. Dass sie in vier Tagen so viel verdienen wie ein Durchschnittsverdiener sei das freie Walten der Kräfte. Die Unternehmen befinden sich in einem Konkurrenzkampf um die besten Führungskräfte. Die häufig angeprangerten Bonuszahlungen an Bankster werden ebenfalls belächelt. Diese Bonuszahlungen seien notwendig, damit sie gute Arbeit leisten würden. Was für ein Selbstbild mag dahinterstecken? Sollte auch ein Arzt oder eine Krankenschwester auch für erfolgreiche Operation eine Prämie erhalten? Arieley wollte genau das untersuchen und hat überprüft wie sich die Performanz von Probanden ändert, wenn die Bezahlung unterschiedlich ausfällt.

Da eine Führungskraft eher kreative statt mechanischer Arbeit vollbringt, sollten sechs Aufgaben gelöst werden, welche Flexibilität und Kreativität voraussetzen. Dazu wurden sie in drei Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe konnte bei sehr guter Leistung etwa einen Tageslohn verdienen, die zweite etwa einen Monatslohn und die letzte fünf Monatsgehälter. Für die tatsächliche Auszahlung das Honorars mussten die Studienteilnehmer gute oder sehr gute Ergebnisse erzielen. Aus sechs Teilhonoraren ergibt sich dann der Maximallohn. Für die tatsächliche Auszahlung das Honorars mussten die Studienteilnehmer gute oder sehr gute Ergebnisse erzielen. Aus sechs Teilhonoraren ergibt sich dann der Maximallohn. Da dies für das Forscherinstitut sehr teuer ist, wurden die Experimente in Indien durchgeführt. Was würdest du erwarten? Welche Gruppe würde die beste Leistung erzielen?

Tatsächlich unterschieden sich die beiden Gruppen mit den Tageslohn oder den Monatslohn nur geringfügig. Gut 40 % der Teilnehmer beider Gruppen konnten Gewinne erzielen. In der Gruppe mit der Maximalentlohnung von fünf Monaten erzielten nur etwa 30 % der Teilnehmer einen Gewinn. Wie ist das zu erklären?

Sowohl der Tageslohn wie auch der Monatslohn waren Motivation sich anzustrengen. Vermutlich wäre eine geringere Bezahlung nicht förderlich gewesen zur Motivationssteigerung. Wenn aber der Betrag zu groß wird, dann steigt auch der Leistungsdruck, weil das Geld unbedingt erarbeitet werden möchte. Die Aussicht auf den großen Betrag lenkt von der Leistung ab und ist kontraproduktiv. Ähnliches konnte auch bei Tierversuchen gezeigt werden. Yerkes und Dodson hatten 1908 gezeigt wie sich die Lernleistung von Ratten in Abhängigkeit von Stromstößen verändert.

Dazu wurden Ratten in ein Labyrinth gesteckt. Diese verschiedenen Labyrinthe waren jeweils in verschiedenfarbige Bereiche unterteilt. In den unterschiedlichen Labyrinthen erlitten die Ratten Stromschläge oder konnten gefahrlos passieren. Welchen Einfluss hat die Stromstärke auf die Ratten? Würden die Ratten unter schwachen, mittelstarken oder starken Stromschlägen am schnellsten lernen?

Die Antwort überrascht, ist aber nachvollziehbar. Bei schwachen Stromstößen war der Anreiz die Bereiche mit dem Strom zu meiden gering. Sie lernten nicht schneller. Doch wird der Stromstoß zu stark, dann nimmt die Lernleistung ebenfalls ab. Sie entwickeln Angst und können sich nicht mehr konzentrieren. Am schnellsten lernen die Ratten folglich bei einem mittleren Anreiz. Verhaltensökonomisch wird von einer inversen U-Kurve gesprochen. Wir lernen daraus, dass Übermotivation zu Fehlern führen kann. Wie wir die Erkenntnisse aus der Forschung für unsere Gesellschaft übertragen, sollten wir diskutieren. Du, als mein Wegbegleiter, reiche dir die Hand, genau das in den Kommentaren zu kommunizieren.

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