Von #Flugscheiße und fliegenden Tintenpatronen

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Heute hatte ich die Nachbesprechung mit meinem Schulleiter und meinem Ausbilder in Biologie. Ich versuchte die erreichten Lernziele aufzuzeigen, als er mich unterbrach. Die Schüler hätten gut mit gemacht, hätten bei den Rätsel zur Mitose hauptsächlich geraten, weil sie aufgrund fehlenden Wissens nicht systematisch vorgehen können.

Er hoffe, dass ich nicht meine, dass es eine gute Stunde gewesen sei. Natürlich war es unklug, aber ich möchte ehrlich kommunizieren und widersprach. Ob ich das Problem nicht sähe, wollte er wissen. Ob ich dann nicht anders handeln würde, wollte ich wissen. Ich denke zu sehr als Biologin. Ich müsse mehr denken wie eine Lehrerin. Aber die Schüler hätten doch gut mitgearbeitet. Sie haben mein Unterrichtsangebot angenommen. Davon dürfe ich mich nicht blenden lassen. Wenn die Schüler-Lehrer-Beziehung gut ist, dann würden die Schüler auch einen „Haufen Scheiße bearbeiten, den die Lehrkraft durch den Raum wirft.“ Das Barometer fällt auf 70%.

Nicht, dass mich die offene Direktheit stören würde, aber, was mich belastet, ist, dass aus den Gesprächen keine neuen Handlungsoptionen entstehen. Ich hatte gedacht, dass mir ein zweischneidiges Schwert überreicht wurde, dabei waren es nur Phrasen, die schmelzen wie weiches Blei. Ich hatte sehr viel Energie darein gesteckt, dass das Klassenklima wieder sonniger wird. Das hatte ich auch mit Erfolg getan. Ich erwarte jetzt keine große Anerkennung, weil eben dies ja meine Aufgabe als Lehrerin ist. Aber ich brauche neue Handlungsoptionen. Die erhalte ich aus meinen Gesprächen mit meinem Ausbilder der Biologie nur wenig. Ich werde künftig versuchen meine Stunden selbst noch einmal zu testen und versuchen gedanklich zu sabotieren. Ich werde bei meinen Gedankensprüngen dies nicht aus Bosheit tun, sondern aus Unfähigkeit. Dabei werde ich den dümmsten Schüler aller Zeiten annehmen. Wenn er motiviert ist, aber dumm, wo wird er meine Hilfe benötigen? Kann ich ihn mit Material unterstützen, oder muss ich in Einzelgespräche gehen, welches mich dann bindet und ich nicht mehr die Gruppe beobachten kann. Schüler nutzen das gern diese Ablenkung, um Blödsinn zu machen. Sie fühlen sich unbeobachtet und müllen dann den Klassenraum voll.

Ein Schüler hatte auch eine Tintenpatrone geworfen und vermutlich meine Lederjacke getroffen. Ich habe keine Beweise und ich weiß auch nicht wie lange der Tintenfleck schon auf der Jacke ist, sodass ich das nicht thematisieren kann. Ich habe versucht bereits mit einem Fleckenteufel diesen Schmutz zu entfernen, hat aber nur bedingt funktioniert.

Meine nächste Baustelle ist also die didaktische Rekonstruktion. Wie kann ich sehen, wann die Schüler ins Stolpern kommen. Doch dazu habe ich bisher zu wenig Unterstützung von  meinem Ausbilder. Ich werde mal mit meinem Ausbilder in Chemie sprechen. Von meinem Gefühl funktionieren Biologie und Chemie als Wissenschaften sehr ähnlich. Vielleicht weiß er Rat.

Problematisch finde ich an meiner einen Klasse, dass sie extrem ungern Arbeitsblätter lesen. Aber gerade in Biologie ist es schwierig anders Wissen zu vermitteln. Ich hatte es durch das Memory versucht, wobei dies zu unstrukturiert war laut meinem Ausbilder. Ich werde also Optionen der Wissensvermittlung suchen müssen, die unabhängig von Buchstaben sind. Aber ich bin nicht der Typ für Lehrervorträge, besonders nicht, wenn die Schüler diese nicht wertschätzen. Und ich kann nicht jede Stunde einen Film zeigen. Weiterhin werde ich meine Ausbilderin der Pädagogik um Rat fragen. Sie hatte mir ja bereits signalisiert, dass sie bereit ist mit mir zusammen zu arbeiten.

11 Kommentare zu „Von #Flugscheiße und fliegenden Tintenpatronen

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  1. Tja, gibt es sie doch wirklich – Menschen die Potenzial unterdrücken und ohne „neue“ Lösungsansätze einem im Regen stehen lassen.
    Die, welche die Hand reichen und animieren
    und einladen zu wachsen, die lassen wir dann gerne selbst „im Regen stehen“ – obwohl sie es uns wünschen, daß wir wachsen, unser Potenzial entwickeln… –
    doch mag das auch daran liegen, daß wir gerne im eigenen Saft schmoren …
    Hmm, manchmal haben wir uns aber auch seltsame Handlungsstrukturen angeeignet, bzw. überstülpen lassen…

    Alles Liebe,
    Kopf hoch, Rücken grade,

    Raffa.

    Gefällt 1 Person

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