Ein zu großes Herz

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Bild von TeroVesalainen auf Pixabay

Heute war ein sehr lehrreicher Tag. Ich hatte meine Ausbilderin in Pädagogik zu Besuch und ein Elterngespräch. Das Gespräch mit dem Elternvertreter verlief sehr positiv.

Wir hatten beide das Ziel, dass wir die Schüler möglichst gut unterrichtet werden und ich verwies gleich zu Beginn des Gesprächs darauf hin, dass die Schüler meistens das Informationsmonopol hätten, da meistens nur sie mit ihren Eltern über die Geschehnisse im Unterricht sprechen. Sie verzerren etwas und schaukeln sich zunächst nur untereinander hoch und werden danach noch von ihren Eltern bestätigt, welche sich auch gegenseitig anheizen. Ich bat also den Elternvertreter die Geschichte aus seiner berichteten Sicht zu erzählen. Als er mir seine Sicht erklärte, ergänzte ich schnell, dass es auch eine Wahlaufgabe gegeben hätte, welche die Schüler, statt menschenunwürdig die Mülltüten anzuziehen, erledigt hätten haben können.

Der Vater erkundigte sich nur, ob es noch eine Möglichkeit gäbe die sechs streichen zu lassen. Ich bot ihm an, dass sie es eine Berichtigung machen könnten, sodass sie das ungenügend ausgleichen könnten. Würden die Schüler ihre Aufgabe sehr gut machen, dann würde dann maximal noch eine knapp befriedigende Lösung herauskommen, aber ich bestand auf ein Foto mit angezogenem Müllsack. Das Gesicht könnten die Schüler ruhig verdecken oder ausschneiden.

Ebenfalls lehrreich war der Besuch meiner Ausbilderin. Sie sagte mir, dass ich ein zu großes Herz habe und dass dies leider von meinen Schülern als Schwäche ausgelegt wird. Es sei doch schrecklich wie die Schüler mich behandeln würden. Sie riet mir, dass ich hoffentlich nicht diese Klasse in meinem Staatsexamen zeigen wollen würde. Eigentlich hatte ich es vorgehabt, allerdings hat sie Recht, dass das Klima sehr gespalten ist. Aktuell würde ich die Klasse so beschreiben, dass einige Schüler mein Unterrichtsangebot annehmen und andere eher Interesse daran haben mir möglichst meinen Unterricht zu zerstören. Aus Gespräch mit den Klassensprechern und Kollegen habe ich entnommen, dass sie bereits einen Referendar vertrieben haben und auch schon ihre Klassenlehrerin „kaputt“ machen wollten. Aus Sorge um meinen weiteren beruflichen Werdegang habe ich beschlossen meine andere Klasse in Biologie im Examen zu zeigen.

Diesbezüglich habe ich auch meinen Ausbilder in Biologie angeschrieben und um weitere Unterrichtsbesuche gebeten, damit ich ihm die andere Klasse zeigen kann. Trotz aller Strapazen, die ich heute gemeistert habe, gehe gestärkt aus dem heutigen Tag. Ich habe wertvolle Hinweise für meine Ausbildung bekommen und schätze die Wahrscheinlichkeit durchzukommen auf 85 %. Ich bleibe handlungsfähig.

 

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