@AfD- ein Erklärungsversuch

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Bild von Jonny Lindner auf Pixabay

In knapp zwei Wochen sind Wahlen Brandenburg und Sachsen. In zwei Monaten wird auch in Thüringen gewählt. Besonders an diesen Bundesländern ist, dass dort die AfD besonders großen Zuspruch genießt. Je nach Umfrageinstitut beabsichtigt jeder Fünfte bis Vierte diese Partei zu wählen. Was treibt Menschen an, eine solche neoliberale und fremdenfeindliche Partei zu wählen?

Sie gibt vor Deutschland wieder groß zu machen, aber beim genauen Betrachten wird offenkundig, dass die Ziele der AfD einen hohen Blutzoll erfordern. Ausgehend von einen Artikel in der taz stand die Frage im Raum warum ist die AfD so erfolgreich in Ostdeutschland? Zusammengefasst stand geschrieben, dass die AfD die Rhetorik der friedlichen Revolution gegen das SED Regime übernommen hat. Die Wiedervereinigung ist nun aber 30 Jahre her und eine solche Erklärung ist unzureichend, denn es müsste geklärt werden, ob es tatsächlich diese Rhetorik ist, warum Menschen sich davon angesprochen fühlen. Die Vermutung ist also nicht überprüfbar und selbst wenn sie stimmen sollte, verlagert sich die Frage nur um ein kleines Stück in der Kausalkette.

Leider ist die Datenlage zu der sozialen Zugehörigkeit zu den Parteien schlecht. Von daher wird auf die Analysen von der letzten Bundestagswahl von 2017 zurückgegriffen. Das Sinusinstitut teilt unsere Gesellschaft in Milieus ein. Dabei wird die soziale Lage gegen die Grundorientierung aufgetragen. Niedrige Y-Werte bedeuten eine schlechte soziale Lage. Niedrige X-Werte stehen für ein konservatives Weltbild. Mit einer Diagonalen wird die Gesellschaft in zwei Hälften aufgeteilt: Links die Modernisierungsskeptiker und rechts die Modernisierungsbefürworter. Während bei den etablierten Parteien überwiegend Befürworter stehen, sind 65% der AfD-Wähler als Skeptiker einzustufen.

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Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Sinus-Milieus

Bei der letzten Bundestagswahl hatte die AfD 12,6 % bekommen. In der Unterschicht waren es 16%. In der Mittelschicht erhielt sie 14% der Stimmen und in der Oberschicht 8%. Obwohl die AfD rein wirtschaftlich betrachtet ein sehr ähnliches Wahlprogramm wie die FDP hat, wurde die AfD auch von denen gewählt, gegen die sie wirtschaftlich Positionen bezieht. Das Klassenbewusstsein scheint bei den Wählern keine größere Bedeutung mehr zu haben. Im sozial prekären Milieu habe die AfD mit 28 Prozent ihr stärkstes Ergebnis erzielt. Sie wollen das jetzige System bewahren. Aber auch im bürgerlichen Milieu erzielte die AfD etwa 20%. Ebenfalls beachtlich waren die Erfolge der AfD bei ehemaligen Nichtwählern.

Die Wähler der AfD befinden sich also vermehrt in den unteren Milieus, welche schon unten sind, oder welche sich in der Mitte befinden und Angst um ihren Abstieg haben. Die Wähler der AfD kritisieren die Modernisierung. Es ist dann nicht verwunderlich, wenn sie so große Erfolge im Osten erlebt. Vierzig Jahre wurden die östlichen Bundesländer planwirtschaftlich gelenkt. Nachdem die Bürger sich die Unterdrückung durch den Unrechtstaat nicht mehr gefallen lassen wollten, gingen sie auf die Straße und erzwangen den Niedergang der DDR. Als dann die Treuhand die Unternehmen Ostdeutschlands inspizierte, wurden die meisten Fabriken geschlossen, da sie nicht wettbewerbstauglich gewesen sein sollen. Welcher Kapitalist lässt in einer solchen Situation tatsächlich Konkurrenz zu? Dann doch lieber die Fördergelder für den Aufbau Ost abgreifen und wenn diese ausbleiben mit der Globalisierung weiter Richtung Osten ziehen, wo noch billigere Arbeitskräfte die Arbeit verrichten könnten. Die westdeutschen Betriebe behielten natürlich ihre Zentralen in Westdeutschland und damit auch einige Fabriken, sodass der Druck der Globalisierung überwiegend auf den Rücken der Ostdeutschen ausgetragen wurde. Gleichzeitig fühlen sich einige Ostdeutsche betrogen um ihre Lebensleistung, weil ja im Osten so schlecht gewirtschaftet wurde.

Bei der Wiedervereinigung wurde das Geld der Ostdeutschen gegen die Deutsche Mark getauscht und sie konnten berauscht am Konsum teilnehmen. Diese Gelder sind heute aber aufgebraucht und die Fabriken weitergezogen. Wer möchte nicht in einer solchen Situation, dass es wird wie früher?

Ganz gelegen dabei kommt, dass wir Menschen dazu neigen, dass wir unsere Vergangenheit idealisieren. Es war doch nicht alles schlecht in der DDR. Übrigens den gleichen Effekt gibt es bei Exfreunden.

Dazu kommt vermutlich noch einfache Logik. Wir hatten schon so viele verschiedene Farbspiele. Und am Ende ist es alles nur noch schlimmer geworden. Wer beim Autokauf einer Marke immer wieder eine schlechte Erfahrung macht, wer kauft die gleiche Marke zwei Mal, drei Mal oder immer und immer wieder?

Wieso also nicht mal den Populisten glauben, die einem sagen, dass die Anderen Schuld sind an meiner Lage. Ob das Juden, Schwule, Muslime oder Flüchtlinge sind, braucht auch der Hartz-IV-Empfänger jemanden, auf den er runter schauen kann. Es sind einfache Antworten auf die schwierigen Fragen. Es soll alles eben so werden wie früher. Das Wahlprogramm brauch nicht gelesen zu werden, es reichen die Phrasen in den sozialen Medien oder in den Fernsehanstalten der Republik. Wenn die Welt so kompliziert geworden ist, dann ist es doch das einfachste etwas zu wählen, wo einem gesagt wird, wo es längs geht: Vorwärts in die Vergangenheit. Früher war alles besser. Früher haben die Leute noch nicht gesagt, dass früher alles besser war.

Bei so viel erlebten Enttäuschungen, wundert es auch nicht, dass die AfD versucht mit dem Vorschlag zu punkten mehr Demokratie zu wagen. Offen bleibt, wieso die Verlierer und die Enttäuschten diese Hoffnungen in die AfD projizieren. Schon vorher hatten die Republikaner oder die NPD mit ganz ähnlichen Parolen keine Erfolge erzielen können. Offen bleibt, wie alle Bürger wieder für unser System begeistert werden können. Mittlerweile hält nicht einmal die Hälfte der unter 30-Jährigen die Demokratie für wesentlich. Insgesamt 38% aller Deutschen glauben an politische Parteien. Es könnten sich 40% vorstellen ein autoritäres Regime zu unterstützen. Der Wunsch nach einem starken Führer wird stärker.

10 Kommentare zu „@AfD- ein Erklärungsversuch

Gib deinen ab

    1. Haimartkässtsich nichzt inSchubladen stecken.Haimartist der schrecken, der die nacht durchlfalltert. haimart ist der dosenöffner an der sardinenbücse der gerechtigkeit. haimart ist darkwing duck.

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      1. Es leben die festgetackerten Definitionen, die Burgen und die Lager, die Ideologien und die festgezurrten Denkweisen – samt all ihren Abgrenzungen.

        Der fette Vorteil ist, daß man nicht mehr dazu lernen braucht, den Horizont erweitert, und einfach den herunter gereichten Ansagen der Obrigkeit folgt.

        Leben ist so einfach, wenn man sich abgrenzt, den Sündenbock tituliert und ausgemacht (und verurteilt) hat – auch um seine Position zu zementieren.

        Liebe Grüße an den Schrecken der Straße (Lucy) und gutes Gelingen,

        echte linke Socken-Grüße,
        Raffa.

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        1. Ja, ich finde mich auch in der politischen Landchaft nicht wieder. Aber noch unvollstellbarr war es, dass jemand tatsächlich die afd gut findet. Und ich habe mich mal versucht in einen solchen Menschen reinzuversetzen um künftig die Wut auf das System nicht auf den Flüchtling umzuleiten, sondern gemeinsam mit ihnen echte Demokratie zu fordern.

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          1. Schon komisch diese „Welt“ – der eine soll vermeintlich Wut auf Flüchtlinge haben, der andere auf „AfDler“ – so billig ist die Welt samt den oktroierten Menschen …
            wie ich schon sagte, die Eliten lachen sich ins Fäustchen – zumal die „Gutmenschen“ und „Demokraten“ so inbrünstig mit „Fascho-Methoden“ ihre „Überlegenheit“ demonstrieren und ihre gesponsorten „Kampfverbände“ wie den Mainstream oder die „Antifanten“ ins Feld führen.

            So bleibt mir „alten Sozi“ schon lange nicht mehr die Spucke weg und ich kann leider nur meinen alten Satz aufsagen:
            Tut doch bitte nicht so doof, wie man euch haben will …

            Alles Liebe,
            Raffa.

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  1. Kehre ich das Ganze, die Fragestellung um,
    frage ich mich,
    warum „75-80%“ linksfaschistische (Einheits-)Parteien wählen und mit Blümchen einen totalitären Staat begrüßen.

    … und Vorsicht beim faschistischen Beißreflex…!!!
    (Wenn Verhalten zum Bumerang wird)

    Alles Liebe,
    Raffa.

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