Die Kosten offener Entscheidungen

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Bild von Arek Socha auf Pixabay

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Ganz gleich, ob es sich um das Anbahnen einer neuen Romanze geht und wir sie mit unserer alten nur noch rudimentär funktionierenden Beziehung vergleichen oder ob wir überlegen, ob wir einen Jobwechsel in Betracht ziehen. Wir tun uns damit schwer, aber nach reichlich abwägen, sollte man doch meinen, dass wir rational handeln, oder?

In einer Studie konnte gezeigt werden, dass wir uns um so schwerer tun, wenn mit der Entscheidung die Türen geschlossen werden und unsere Entscheidung unumkehrbar geworden ist. Versuchsteilnehmer bekamen 100 Klicks. Sie waren in einem digitalen Raum und konnten von dort aus in drei Räume gehen. In jedem Raum konnten sie mit einem Klick zwischen zwei kleinen Geldmengen wählen, welche zwischen etwa 3 und 5 Cent waren. Dabei waren die Erwartungswerte für die drei digitalen Räume unterschiedlich hoch. Ein Versuchsteilnehmer wird daher die drei Räume erkunden und dann in dem Raum bleiben, wo er den meisten Ertrag erwartet. Dieses Experiment ist ja noch einfach: Es ist wie eine Partnersuche, wo die Gegenseite treudoof wartet. Wenn jetzt aber alle 12 Klicks eine nicht benutzte Tür für immer zufällt, neigen die Probanden diesen auch weniger ertragsbringenden Raum zu betreten. Selbst wenn das Betreten einer Tür Geld kostet, scheuen wir uns davor, dass die Türen für immer schließen.  Beim Anwerben eines Partners sind wir sogar bereit weitere Kosten in Kauf zu nehmen. Schon dem legendären Feldherren Xiang Yu (um 210 v. Chr.) waren die Kosten der offenen Türen bewusst. Als er seine Truppen in den Krieg schickte, ließ er im Schlaf ihre Schiffe zerstören und ihre Töpfe zerstören, sodass sie keine Alternative mehr zum Kampf sehen mussten. Und tatsächlich führte ein solches Vorgehen dazu, dass sie sehr erfolgreich kämpften, weil sie die Niederlage keine Alternative mehr war. Sie nutzten alle Ressourcen, um den Kampf zu gewinnen. Doch in der Wirklichkeit befinden wir uns selten in den bestialen Kriegen unter unmenschlichen Feldherrn. Trotzdem scheint es sinnvoller seine Energie auf eine Entscheidung zu fokussieren, um effektiver zu sein. Aber auch ich tu das nicht, ich habe zwei Wohnsitze, weil ich Angst habe 450 km fern von der Heimat zu scheitern und dann allein in der großen Stadt zu sein und nicht mehr so leicht nach Hause zu kommen. Das ganze kostet mich eine Stange Geld. Es bringt mir aber Freiheit. Und auch ein potenzieller Partner wartet nicht ewig auf dich.

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