Das Gegengift wirkt gegen dich

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Ununterbrochen sind im Kapitalismus Tendenzen wirksam, die arbeitenden Schichten ihrer Lebenshaltung zu drücken. Während 1925 die SPD noch offen den Kapitalismus kritisiert hat, wird unsere geistige Widerstandskraft gezielt mit mentalen Gift geschwächt.

„Wir sind nicht nur im Besitz unserer Freiheit, sondern auch mit dem Trieb sie zu verteidigen geboren.“ Doch unser jetziges System täuscht uns die Freiheit nur vor. Einzelne Kapitalistengruppen werden […] zu übermächtigen Beherrschern der Wirtschaft, die nicht nur die Lohnarbeiter, sondern die ganze Gesellschaft in ihre ökonomische Abhängigkeit bringen. Mit der Zunahme seines Einflusses benutzt das Finanzkapital die Staatsmacht zur Beherrschung auswärtiger Gebiete als Absatzmärkte. In den letzten Jahrzehnten haben die Neofeudalherren uns einen Klassenkampf von oben aufgezwungen. Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist […] die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und [sie] gewinnen. Heute präsentiert sich die AfD als Gegengift für das giftige System aus Kartellparteien. Haimart hat bereits mehrmals über diese Partei geschrieben. Abgesehen von Finanzeliten sollte sie keine Alternative darstellen. Dabei ist ihre Haltung zu den Flüchtlingen nicht berücksichtigt. Natürlich kann Deutschland nicht das Sozialamt für die ganze Welt spielen. Das bezweifelt niemand. Statt alle Flüchtlinge aufzunehmen, wäre es sinnvoller die Fluchtursachen zu bekämpfen. Wenn Waffen auswandern, wie ist es dann verwunderlich, dass Menschen in die Gegenrichtung flüchten? Viele afrikanische Bauern leiden an den Export von Lebensmittelmüll aus der EU. Dieser ist subventioniert und zwingen die Bauern zum Aufgeben und damit den Wunsch zu flüchten. Dazu werden künftig auch noch Klimaflüchtinge dazu kommen, da sie der Klimawandel härter treffen wird als uns Europäer.

Ungeachtet dieser Problematik ist die AfD kein Gegengift, sondern ein Gegengegengift. Der Wunsch nach Veränderung wird abgelenkt werden. Zwar sind die Flüchtlinge erst seit 2015 in Deutschland, aber sie tragen die Schuld an allem. Und dafür tragen die Altparteien die Verantwortung. Die Veränderungsenergie wird abgelenkt. Gefüttert wird diese Energie mit dem Hass auf die Fremden. Während andere diese Feindlichkeit auf die Menschen nicht erdulden wollen, wächst die Verachtung auf eben diese Rechtspopulisten. Die Bevölkerung wird so geschickt gespalten. Die Rechten hassen die Ausländer und sehnen sich nach einem Deutschland alter Stärke und die Linken hassen die Rechten. Die Rechten hassen daraufhin die Linken. Der Hass wächst und so wird der Hass ganz geschickt von den wirklichen Machtzentren abgelenkt. Wir sind beschäftigt und kommen nicht dazu die Systemfrage zu stellen. Die letzten Demokraten kämpfen gegen die neuen rechten Kräfte. Dieser Kampf macht blind und wir sehen nicht, dass auch schon vor den Rechten in diesem Land einiges im Argen war. Soziale Gerechtigkeit? Deutschland ist seit Jahren führend im Zusammenhang elterlichem Einkommen und dem Bildungserfolg der Kinder. Mittlerweile gehört Deutschland zu den ungleichsten Ländern der Welt. Die ärmsten 50% besitzen so viel wie 2,23% des Gesamtvermögens. Das ist genauso viel wie die reichsten 45 Deutschen.

Das von den Quacksalbern verkaufte Gegengift gegen das kranke System erweist sich als sehr quecksilberhaltig. Es soll die Erbschaftssteuer abgeschafft werden. Schon heute gibt es Freibeträge bis 400.000€. Auch eine Reaktivierung der Vermögenssteuer lehnt sie ab. Das Steuersystem soll einfacher, gerechter und besser werden. Zudem sollen die Steuern massiv gesenkt werden. Das erinnert schon sehr stark an die neoliberale FDP. Von Steuersenkungen profitieren vor allem die Reichen. Der Staat verliert Einnahmen und muss einige seiner Aufgaben vernachlässigen. Dies führt zwangsläufig zur Entsolidarisierung.  „Auch die AfD-Fraktion will Hartz-IV in der jetzigen Form abschaffen, aber nicht zugunsten einer linksgrünen Umverteilung, die extrem ungerecht wäre und zudem unseren Sozialstaat gefährden würde.“ Es soll bloß die Dauer des Bezugs von Arbeitslosengeld I verlängert werden. Dies verlängert zwar die Zeit, die ein Arbeiter hat, um sich einen neuen Ausbeuter zu suchen, aber es lässt das System unangetastet. Was hingegen unterstützungswert ist, dass die Ersparnisse der Arbeitslosen beim Arbeitslosengeld II mehr geschützt werden sollen. Der Mindestlohn möchte die AfD zwar behalten, aber dieser ist zur Zeit so niedrig, dass ein Arbeiten in Vollzeit, ein Leben lang, nicht vor Altersarmut schützt. Das fromme Lämmchen hat also mehr Zeit sich einen Schlachter zu suchen, aber am Festmahl laben sich dann andere.

Aber auch das Grüne Gegengift ist keineswegs besser. Zwar versprechen sie uns ständig eine bessere Welt, aber sie haben uns in den letzten Regierungen erst unsere aktuelle Situation eingebrockt. Bei ihrer letzten Beteiligung wurde gleichzeitig Hartz IV eingeführt, die staatliche Rente destabilisiert und Dosenpfand eingeführt. Gleichzeitig wurde der Finanzmarkt mit Leerkäufen und Derivaten entfesselt. In Berlin haben PDS und SPD den sozialen Wohnungsbau privatisiert. Zwar wird zur Zeit viel über Enteignungen gesprochen, aber bisher wurde der Artikel 15 zur Enteignung im Grundgesetz für das Allgemeinwohl noch nie angewandt. Diesen möchte die FDP aber trotzdem abschaffen. Jedes weitere Wort zu den Marionetten des Großkapitals wäre überflüssig. Und auch die CDU hatte Rezo, der alte Zerstörer, schon ausreichend analysiert.

Gerade der Blick zu den nächsten Landtagswahlen wird es nicht wirklich spannend.  Letztendlich können wir wählen welche Farbe die Tracht des Hirten hat, aber am Ende stehen die Neofeudalherren. Entweder wir wählen die Farben, die wir schon kennen uns stützen damit die Ungerechtigkeit im System, oder wir vergiften uns mit dem Gegengegengift. Schon den Römern war bewusst, dass Herrschen einfacher wird, wenn die die Masse geteilt wird. Auch im Konzentrationslager funktionierte es ausgezeichnet. Mit nur wenigen Soldaten konnten ganze Lager bewacht werden, indem die Masse zersetzt wird. Um ihnen eine Fraktion zuzuschreiben, verwendeten die Nazis verschiedenfarbige Wimpel. Wir tragen früher Parteibücher, heute im Zeitalter der Digitalisierung werten Algorithmen unsere gefällt mir aus und wir legen uns freiwillig in die Schublade, welche die Knechte des Großkapitals für uns anfertigen ließen.

Natürlich bringt es nichts einfach den Aluhut aufzusetzen, aber vielleicht liest du kritisch die aktuellen Parteiprogramme. Betrachte die Inhalte und höre auf Politik wie ein Pferderennen zu betrachten. Welche Partei hinterfragt den Kapitalismus? Breche aus dem Gefängnis der Denkverbote und lasse deinen Verstand nicht vergiften. Baue Brücken zwischen links und rechts und reiche ihnen die Hand. Wir sind 99%. Wir sind mehr. Lass dich nicht ablenken von ihren schnöden Wörtern. Breche mit alten Konditionierungen. Verwende deinen eigenen Verstand.

19 Kommentare zu „Das Gegengift wirkt gegen dich

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  1. Das Vorausgehende ist eine großartige Diskussion! – Ein großes Problem ist, dass die Bürger, wenn sie Sachfragen selbst aufarbeiten sollen, wollen oder müssen, schnell überfordert sind, inhaltlich und strukturell. Man sieht das an „Demokratie in Bewegung“, wo Demokratie und Bewegung implodieren. Marianne Grimmensteins Projekt ist ebenfalls bislang nicht auf die Beine gekommen. Ich sehe das auch bei den Bürgerbewegungen gegen Windkraft, in welchen die Bürger zwangsläufig auf basisdemokratische Strukturen zurückgeworfen sind, während die Windindustrie ihnen mit straffen hierarchischen und dank EEG-Umlage großzügig geldunterfütterten Strukturen gegenübertritt. Es kostet die Bürger ein unvorstellbares Engagement. Und da kommt dann immer die AfD mit „Wie helfen euch“. Sie wird dann weggeschickt oder auch nicht. Der Unterschied zwischen dem blauen und dem grünen Kapitalismus ist in dem Text gut bezeichnet. Es läuft auf die Wahl zwischen lässiger und nachlässiger Umweltverschmutzung und aggressiver Umweltzerstörung heraus.

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  2. Papier ist geduldig…
    … an den Früchten dürfen wir erkennen.
    Gilt für die Volksbegehren, wie für PArteiprogramme, vorallem der „Alt-Parteien“

    Jedoch mal was ganz anderes, werte Lehrkraft in Ausbildung,
    was hälst du denn davon?:

    Lesen wir uns?
    Raffa.

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    1. Für mich ist das, was er sagt nicht wirklich neu, außer, dass ich anscheinend ein Jahr Pädagogik studiert habe und davon nichts mitbekommen habe. Ich bin zwar ein sehr verkopfter Mernsch, allerdings hilft eben genau das mich auch gegen das System zu stellen.

      Interessant fand ich den Aspekt, dass Streiks der kurz angesprochen wurde. Auch wenn materielle Güter lägst nicht so bedeutsam sind, wie viele meinen, braucht man eben doch ein gewisses Maß davon, um ein wneig Sicherheit zu haben. Jemand der nur von der Hand in den Mund lebt, kann es sich nicht leisten nicht arbeiten zu gehen. Das System wird ihn sofort zertrümmern.

      Natürlich ist dieses System abzulehnen. Und genau deshalb suche ich noch nach einer Alternative zum Kapitalismus. Deinen Weg der Anarchie möchte ich nicht mitgehen. Für mich scheint es gerade am sinnvollsten zu sein mehr direkte Demokratie zu verwirklichen, damit das System menschlicher wird. Problemematisch sehe ich allerdings noch, dass Reiche tendenziell häufiger wählen gehen, sodass auch die Volksentscheide nicht den Allgemeinwillen abbilden könnten.

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      1. So lange wir uns von Ideologien einspannen lassen …
        Was heißt denn a) direkte Demokratie? Worüber dürfen wir denn abstimmen? Krümmel??
        und
        b) wer setzt das denn um?, haben wir Angestellte (was ja eigentlich faktisch so sein sollte), die nur dem Souverän, sprich dem Volkswillen ergeben sind und diesen umsetzen?
        c) Reiche gehen öfter wählen?? Hää, wie hoch ist denn deren Anteil an der Bevölkerung? 26%???, wo denn bei einer Wahlbeteiligung von 50% alle Reichen für das „Gleiche“ abstimmen müssen – bitte bemühe dann weiters deinen Taschenrechner.

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        1. Zu a) Ich wäre für liquide Demokratie nach dem Vorbild der Piraten.
          https://haimart.wordpress.com/2019/04/15/aufhoeren-zu-sabbern-wenn-jemand-klingelt/
          b) Natürlich braucht eine direkte Demokratie dann auch noch eine Exekutive. Das Volk ist dann nur der Gesetzgeber.
          c) Der Bundestag beschließt laut Armutsbericht eh immer für die reichsten 10%. Da ist es eigentlich egal was du wählst, weil sich die Parteien eh ähneln.
          https://haimart.wordpress.com/2019/02/04/vergraute-farben/

          Aber genau deshalb brauchen wir mehr direkte Demokratie, damit die Entscheidungen im Sinne des Allgemeinwohls getroffen werden können.

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          1. Sorry, ich sehe da keine Kraft in der Demokratie, welche selbstlos für dieses Ideal streiten, arbeiten und kreativ sein mag. Du hast es ja unter c) selbst beschrieben und angedeutet.

            Erlaube, daß ich hier auf einen alten Spruch verweise:
            Es wird Zeit, daß wir von dem toten Pferd, namens Demokratie, absteigen.
            Da waren die alten Germanen mit ihren „Thing-Versammlungen“ fortschrittlicher ud effektiver — eben eine Sache des Bewußtseins…

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          2. Auch wenn die direkte Demokratie einige Mängel aufweist, meine ich, dass sie immer noch besser ist als Anarchie. Sie garantiert Ordnung und einige Funktionen wie Lebensmittelsicherheit oder auch Sicherheit überhaupt kann ich mir in der Anarchie nicht vorstellen. Ich möchte jetzt keinen Überwachungsstaat, aber ganz möchte ich nicht auf die Polizei verzichten. Und die braucht einen Staat. Ich sehe zwar das Problem, dass die Exekutive eben auch gegen das Volk eingesetzt werden kann, aber das ist eben das Grundübel, dass Macht korrumpieren kann.

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          3. Wegen dem hochgespielten Argument „Sicherheit“ geben wir doch gerne alles her, selbst die Bürger- und auch die „Menschen“-Rechte.

            Wenn man es dann noch schafft, „Buuh zu machen und die Anarchie schlecht schreibt und redet oder wie der Bundes-Grüß-Meyer vor Monaten in der Schweiz postuliert. daß der „Deutsche“ genetisch nicht für die direkte Demokratie geeigt ist…
            What a game, welch ein Schauspiel -wie wir hier mal wieder an der NAse herumgeführt werden – und da bin ich jetzt ausnahmsweise mal richtig zahm …

            Haben wir Mut zur Liebe, erst recht in der Anarchie, welche natürlich frei von Zwang sein soll – so muß man halt „richtig gute Argumente“ haben oder eine vier-fünftel-Mehrheit…

            Alles ein Frge des offenen, authentischen „Wie´s“-

            Raffa.

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          4. Ja, das mit der direkten Demokratie hatte mich auch richtig aufgeregt. Allerdings befürchte ich dass ohne den demokratischen Überbau die Macht der Konzerne noch weiter wächst. Die Liebe ist eine schöne Kraft, aber ich befüchte, dass zu wenige nahc ihr handeln, sondenr eher auf grund von Eigeninteressen handeln.

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          5. Zu A): Der Faschismus (der Wirkliche) wird gerade mit aller Macht auf den Weg gebracht.
            zu B): Wenn wir nicht der Liebe vertrauen, müssen wir erst die „Ehrenrunde“ über das Leid machen – so steht es erstmal 1:0 für die Faschisten aus dem „Back“…

            Zeit für das vermeintlich aufgeklärte Volk samt „intelligenzia“ klare Kante zu zeigen und nicht mit diesem ganzen Toleranzgelulle die letzten überlebenswichtigen Werte über Bord zu werfen.

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          6. a) Den Eindruck habe ich auch. Die globalisierten Konzerne haben so schon eine riesige Macht. Und wie willst du in einer Anarchie dich ihrer Macht entgegen stellen?
            b) Ich wundere mich woher dein Glaube an die Liebe kommt, wenn ich mir die Gesellschaft so ansehe. Dann also das Leid.

            Wir leben zur Zeit im Zeitalter der Antiaufklärung. Die Propaganda wird mit alternativen Fkten aggressiver. Ich befürchte, dass es ein Kampf gegen Windmühlen wird. Ich selbst bin ganz hin und her gerissen, ob dieser Blog noch einen Sinn hat. Und dann denke ich, dass es meine Selbsttherapie ist.

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  3. Ahoi und Hey Frau Haimart,

    solange die Parteien, samt ihren geschriebenen Parteiprogrammen sich nicht gegen das „Schuld-Zins-Geld“ richten, weißt du, wessen Auftrag sie ausführen.
    Das gilt für alle dieser „bunten Blockflöten“, ja auch „die Linke(n)“.

    Wie schon oft hier geschrieben, die „Steuernden“ im Hintergrund freuen sich wie Bolle,
    wenn wir uns über die von ihnen verordneten und installierten „Unterschiede“
    bei diesen Parteien (lateinische Wortwurzel???!!!) in die Köpfe kriegen.

    Vielleicht hilft der Slogan von Riccola:
    „Wer hat´s erfunden?“

    Alles Liebe,
    Raffa.

    Gefällt 1 Person

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