Trümmer der Bedürdnispyramide

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Auch heute etwa knapp ein Jahr nach dem Verfassen eines Textes, warum ich mich entschlossen habe Lehrerin zu werden, geht es mir heute nicht deutlich anders. Ich war erfüllt voller Revolutionsgeist. Ich wollte etwas ändern. Und heute stehe ich vor den Trümmern meiner Bedürfnispyramide.

Maslow

Mein Schatten ist wieder da. Und dabei zerreißt mich mein eigener Idealismus: Ich stehe mir selbst im Weg. Auf dem Weg zur Zufriedenheit wurde ich auf die Bedürfnispyramide von Maslow aufmerksam. Mittlerweile habe ich nur noch Schlaf und ab und zu mal was richtig Leckeres zu essen oder trinken.

Für das nächste Halbjahr habe ich mir dann einiges vorgenommen. Neben der Erhöhung der kognitiven Aktivierung durch verschiedene Unterrichtsmethoden und einen Ansatz zur Motivationssteigerung basierend auf den Bedürfnissen des Menschen gehört es auch wieder mehr unter die Leute zu gehen. Ich möchte mir kleine Ziele setzen, aus denen ich Kraft schöpfen kann.

Auf der Suche nach der Frage, warum ich Lehrerin geworden bin, war es eine Mischung aus den Faktoren etwas an unserem System zu ändern und der Verwertung meiner scheinbar für den Markt wertlosen Fähigkeiten bezüglich der Biologie und Chemie zu finden. Mittlerweile kann ich mich mit dem Gedanken anfreunden an alternativen Schulsystemen zu unterrichten. Das Hinsehen ist schmerzhaft. Hüther formuliert zwei zentrale Fragen zum glücklich sein:

  • Was will ich für ein Mensch sein?
  • Wozu will ich dieses Leben nutzen?

Diese doch so scheinbar einfachen Fragen sind doch erheblich schwerer als vorher angenommen. Um diese Fragen zu beantworten, muss ich erst einmal klären, was ich denn jetzt für ein Mensch bin. Ich bin der stumpfe Schrei nach Gerechtigkeit. Ich bin die zertrümmerte Hand der Gerechtigkeit. Ich bin ist selbst wie die SPD: Ich stehe für Revolution und Neobiedermeier. Doch dabei stehe ich mir mit meinen eigenen Idealen im Weg. Es klingt so furchtbar schizophren. Es gilt diesen doch so zentralen Konflikt zu klären. Was ist mir wichtiger? Möchte ich einem System der Ungerechtigkeit und der Scheindemokratie dienen? Verkaufe ich meine Ideale für mein persönliches Glück? Warum zerbreche ich mir darüber den Kopf? Die Bruchstücke der Pyramide deuten an, wohin ich gehen sollte. In meiner alten Heimat, 450km entfernt, hatte ich außer einen Sinn tatsächlich alles. Mittlerweile bezweifele ich sogar meine Identität. In grellem Licht in der Nacht fragte ich mich: Ist das noch Kunst? Oder ist es nur die Leere, die in mir wächst, weil ich im Moment unglücklich bin? Ich fühlte mich musikalisch entführt in eine Zeit, die ich lange vergessen hatte: Wo grelles Licht ist, sind auch lange Schatten… Dabei sollte ich die freien Tage genießen und Kräfte sammeln. Und doch treibt mich mein Ehrgeiz an. Ich möchte das Referendariat schaffen. Wenn ich erst einmal ein sicheres Einkommen habe, dann kann ich mich den anderen Problemen stellen. Erst wenn ich mich meinen inneren Dämonen der Einsamkeit und des Selbstzweifels gestellt habe, erst dann kann ich die Dämonen in der Klasse besiegen. Erst dann kann ich in größeren Dimensionen denken. Erst dann kann ich wieder die aus voller Kehle nach Gerechtigkeit schreien, erst dann kann ich die Hand der Gerechtigkeit wieder zu einer Faust ballen. Ich möchte arbeiten um zu leben und leben um zu kämpfen. Aber gerade wenn ich nicht auf das Göttliche verlassen kann, dann sollte ich am besten selbst dazu beitragen Liebe und Gerechtigkeit unter die Menschen zu bringen.

Ich habe mit dem Verlassen meiner Heimat einen hohen Preis bezahlt. Und das sollte nicht umsonst sein. Um das Ziel zu erreichen, muss ich allerdings mehr aus dem Haus. Auch ich möchte nur geliebt werden. Erst mit einem starken Fundament ist es möglich die ungerechte Welt aus den Angeln zu heben. Erst dann kann ich mich für eine Reformierung des Schulsystems stark machen. Doch dafür muss ich brav einen Schritt nach dem anderen machen, da ich sonst ins Stolpern gerate. Das Loslassen vom Altem gewährt mir etwas Neues und das kann ich selbst wählen und gestalten.

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