Die Quelle des Seins

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Ausgehend von der großen Fragen wer wir sind, woher wir kommen und warum gibt es Menschen, welche die Meinung vertreten, dass Werbung die Wirklichkeit 1:1 abbilden soll, sollte zunächst erst einmal die Frage geklärt werden, wie werden zu dem, was wir sind? Was bestimmt unsere Persönlichkeit?

Der Erste, der versuchte das wissenschaftlich zu untersuchen war Sigmund Freud. Seine Aussagen sind aus heutiger Sicht eher kritisch zu betrachten, allerdings wird in der Alltagspsychologie häufig auf ihn zurückgegriffen. Dieser Artikel soll von daher die historische Persönlichkeitsforschung zusammenfassen und hinterfragen. Die Grundlagen für die Persönlichkeitsforschung liefert Sigmund Freuds psychoanalytische Persönlichkeitstheorie, welche auf den Einfluss psychosexueller Entwicklung in der Kindheit beruht und die humanistische Persönlichkeitstheorie, welche die Fähigkeit zu wachsen und Selbsterfüllung in den Mittelpunkt stellt.

Ausgehend von der freien Assoziation wollte Freud den Pfad der Gedankenkette ins Unbewusste folgen, bis er an der Quelle des Seins ist. Diese Reise sollte in die Kindheit der Patienten führen. Dazu sollten seine Patienten sich entspannen und ihre ersten Gedanken zu äußern, ganz gleich ob es etwas Peinliches oder Belangloses handelt. Später entwickelte Freud daraus seine Theorie der Psychoanalyse. Demnach ist unsere Persönlichkeit das Ergebnis des Konflikts zwischen den biologischen Trieben und den sozialen Zwängen, welche uns umgeben.

Freud nannte die zwei kämpfenden Instanzen das Es und das Über-Ich. Das Es ist ein Behältnis unbewusster Energie, deren Streben auf die Erfüllung von sexuellen und aggressiven Trieben ausgerichtet ist. Das Es handelt nach dem Lustprinzip und verlangt sofortige Befriedigung. Das Über-Ich beschreibt den Teil der Persönlichkeit, welcher die Ideale und Normen repräsentiert. Es ist das Gewissen und liefert Ziele für die Zukunft. Beide Teile der Persönlichkeit stellen die unterbewussten Teile der Persönlichkeit dar und bleiben so häufig verborgen. Die für uns sichtbare Instanz ist das Ich. Es vermittelt zwischen den anderen Instanzen der Persönlichkeit. Es versucht die Bedürfnisse des Es zu befriedigen, ohne mit den eigenen Idealen in Konflikt zu geraten. Es arbeitet nach dem Realitätsprinzip und versucht die Bedürfnisse insofern zu befriedigen, dass eher Lust als Schmerz zu erwarten ist.

Des Weiteren teilt Freud die psychosexuelle Entwicklung der Persönlichkeit in fünf Phasen ein. Immer wieder stieß er darauf, dass die Symptome seiner Patienten ihren Ursprung in den ungelösten Konflikten in den Phasen hätten. Abgesehen von der Latenzphase konzentriert sich das Es auf lustbetonte Zentren, welche Freud erogene Zonen nannte. So glaubte Freud beispielsweise, dass Menschen, welche oral übermäßig verwöhnt oder vernachlässigt wurden auf die orale Phase fixiert bleiben könnte. So sollte ein frühes und abruptes Abstillen zu einer Fixierung führen, sodass diese Individuen durch exzessives essen, trinken oder rauchen neigten. Eine Folge des nie völlig gelösten analen Konflikts sollte zu extremer Reinlichkeit oder zu extremer Unsauberkeit führen.Auch wenn Freud mit seiner Betrachtung des Unbewussten die Persönlichkeitsforschung begründet hat, sind zwei gravierende Mängel auf. Zum einen erklärt Freud die psychischen Probleme seiner Patienten nur retrospektiv und zum anderen, dass das Sexuelle überbetont wurde. Trotzdem wollte Freud nicht an den Missbrauch in der Kindheit glauben.

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Wenn Geschehnisse immer nur im Nachhinein erklärt werden, scheint es zunächst plausibel, aber im Sinne der Wissenschaftlichkeit können keine Prognosen erstellt werden. So lassen sich auch keine Vermutungen aufstellen, welche durch Versuche überprüft werden können. Es ist wie ein Bogenschütze, der erst nach dem Schießen sagt, wohin er gezielt hat. Es erklärt die Wirklichkeit, aber es ist nicht nachvollziehbar, ob die Theorie wirklich genügend ist, um die Wirklichkeit zu erklären. In den 1960er Jahren wuchs die Unzufriedenheit mit der Psychoanalyse. Freuds Interesse galt eher dem Interesse an den kranken Menschen, aber seine Erklärungen waren vollkommen unzureichend für gesunde Menschen.

Maslow und Rogers waren die führenden Köpfe der humanistischen Psychologie. Um eine gesunde Persönlichkeit zu bilden bedarf es nach Rogers drei Faktoren: Echtheit, Wertschätzung und Empathie. Maslow entwickelte eine Bedürfnispyramide, welche die Handlungen der Menschen erklären sollten. Auf der untersten Stufe befinden sich die Grund- und Existenzbedürfnisse: Essen, Trinken, Schlafen und Sex. Wenn all diese Bedürfnisse gestillt sind, dann entwickeln sich die Sicherheitsbedürfnisse, wozu Wohnen, Arbeit und Einkommen gehören. Eine Stufe höher befinden sich Freundschaft, Liebe und Partnerschaft. Sind die Bedürfnisse gestillt, sehnt sich das Individuum nach Anerkennung und schlussendlich nach Selbstverwirklichung.

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Um in der Bedürfnispyramide aufzusteigen, mussten erst alle Bedürfnisse einer Ebene erfüllt sein. Mit dieser Bedürfnispyramide rückte die Frage „Wer bin ich?“ mehr in den Fokus der Persönlichkeitsforschung. Nach der Bedürfnispyramide von Maslow kann erst ein Bedürfnis aus einer höheren Stufe erreicht werden, wenn die alle Bedürfnisse aus den unteren Schichten erfüllt seien. Maslow selbst schätzte, dass etwa nur 2% der Weltbevölkerung die höchste Stufe der Individualität erreichten.

Während Maslow die Biografien von besonders erfolgreichen Menschen studierte, betrachtete Freud die gescheiterten Existenzen. Somit ist an den Humanisten zu kritisieren, dass sie das böse Potenzial nicht betrachten. Auf der Erde lagern mehrere Massenvernichtungswaffen, womit die Erde mehrfach vollständig zerstört werden könnte. Woher kommt also das Böse und wie können wir es verhindern?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

12 Kommentare zu „Die Quelle des Seins

Gib deinen ab

  1. Ich blicke auf die genannten Theoriengebäude mit kritischem Wohlwollen. Ich halte sie für sehr brauchbar zum Erkenntnisgewinn auf gesellschaftlicher Ebene und zum Erkenntnisgewinn auf individueller Ebene, aber ich betrachte sie nicht als Dogmen.
    Hinsichtlich der analen Phase bei Freud halte ich das Erlernen von Hergeben und Behalten für sehr wichtig. Hinsichtlich des Begriffs „phallische Phase“ betrachte ich Freud als ein Kind seiner Zeit, das Frauen in Bezug auf Männer als unvollständige Wesen betrachtet hat, während Männer aus seiner Sicht per se vollständig sind.
    Das auf Freud aufbauende Achtstufenmodell der psychosozialen Entwicklung von Erik H. Erikson halte ich auch für sehr brauchbar. Aber auch hier sehe ich wertvolle Denkanregungen und keine Dogmen.
    Mir fällt in diesem Zusammenhang noch Karen Horney ein, die meines Erachtens den genannten Herren in nichts nachsteht, aber als Frau in unserer Kultur offenbar nicht die Reputation genießt, die die Herren für sich beanspruchen.
    Je rationaler solche Theorien sind, umso nachvollziehbarer, stimmiger und annehmbarer sind sie für mich.

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    1. Ich werde nicht bei Freud und Maslow nicht enden. Ich werde mir selbst verständnlich auch noch moderenere Psychologen ansehen und wie du haimart kennst, immer kritisch und immer unabhängig von Genitalien. (-:

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