Von Vaterschaften vergiftet

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Seit 100 Jahren gibt es mittlerweile das Frauenwahlrecht. Während in der Vergangenheit Frauen noch das Einverständnis ihrer Ehemänner brauchten, um arbeiten zu dürfen oder ein Bankkonto zu eröffnen, ist die Befreiung der Frau heute sehr weit fortgeschritten. Immer noch verdienen Frauen durchschnittlich weniger als Männer.  Immer noch übernehmen sie überproportional familiäre Pflege. Immer noch hat sich das System nicht wirklich geändert. Seit 14 Jahren haben wir einen weiblichen Bundeskanzler. Seit 6 Jahren ist auch der Kriegsminister weiblich. Doch gerade heute sind die Parteien farblos, wie jemals zuvor.

Sinnbildlich für den Erhalt des Systems sind die gleichen Strukturen, wie vorher. Das Großkapital streicht weiterhin für dich große Gewinne ein, schafft es mittlerweile sogar an vier Tagen soviel zu erbeuten, wie ein Durchschnittsverdiener bei Vollzeit. Wird die deutsche Bevölkerung in eine arme und reiche Hälfte aufgeteilt, so besitzt die arme Hälfte nur etwa 2% des Gesamtvermögens. Das einzige, was sich geändert hat, sind die Genitalien der Ausbeuter. Wen interessiert schon das Geschlechts des Vorgesetzten? Wem nützt diese Unterscheidung?

Neurowissenschaftlich unterscheiden sich Männer und Frauen nur äußerst gering. Die Unterschiede basieren häufig auf einem falschen Rollenverständnisses. Das Problem sind also nicht die Hormone, welche in unserem Körper fließen, sondern das System an sich. Das System verstärkt sich selbst und in einem solchen System können nur diejenigen überleben, die mitspielen. Bisher haben viele Männer dieses System getragen, aber wenn Frauen in Führungspositionen kommen, handeln sie nicht anders.
Doch dauerhaft macht das System, welches auf häufig als das Patriarchat bezeichnet wird, nicht glücklich. Gut die Hälfte der Deutschen zeigt Symptome, die fürs Ausbrennen sprechen. Und bereits 87% fühlen sich dauerhaft gestresst. Immer mehr Menschen fühlen sich den an sie gerichtete Anforderungen nicht mehr gewachsen.

Radikalere Vertreter des Feminismus sehen die Vaterschaft an sich das Ursache für die Gewalt in unserer Gesellschaft. Während die Mutterschaft stets sicher ist, ist die Vaterschaft zweifelhaft. Nur durch Festsetzen kann der Mann sicher sein, dass die Kinder tatsächlich von ihm sind. Die versicherte Vaterschaft vergifte unsere Familie. Daraus würden eine Vielzahl an Problemen resultieren. Jeder Mensch, der in einer Familie lebt, sei ein Opfer von der Festsetzung der Frauen. Psychologisch nachhaltig sei sie, da die Opfer sich mit den Tätern angefreundet hätten (Stockholm-Syndrom). Unser jetziges Familienbild basiere daher nur auf die aufgezwungene Kooperation mit den väterlichen Tätern, welche die Frauen durch Belohnung und Bestrafung konditioniert. Während Söhne stets besser werden sollen, als ihre Väter, würden Töchter auch von ihren Müttern ausgebremst. Die Handlungsfähigkeit der Frau sei ohnehin eingeschränkt und gelähmt, da sie wisse, dass sie es niemandem Recht machen könne.

Als Ausweg wird die Kernfamilie ohne Väter vorgeschlagen. Männliche Menschen würden dann einfach bei ihren weiblichen Verwandten weiter wohnen. Sollten diese Gedanken zu Ende gedacht werden, dann wird der Mann nur noch reduziert auf der Samenspender zu sein. Die Versklavung der Frau soll also durch Unterwerfung des Mannes beendet werden. Es sei ein Irrglaube, dass Männer für die Erziehung gebraucht würden.  Es ist richtig, dass nur Frauen schwanger werden können, aber das entbindet doch die Männer nicht von der Verantwortung. Fragwürdig sind die Vergleiche in der Biologie zu sehen. Zwar gibt es tatsächlich in Tierreich eine Damenwahl, allerdings gibt es in der Tierwelt auch Beispiele für treue Partnerschaft. Ebenfalls gibt es Beispiele, wo einige Männchen sich Harems halten. Besonders zu nennen, sind ganz interessante Studien zu Wühlmäusen, die entweder monogarm oder polygarm leben.

Gerade im Tierreich haben Biologen festgestellt, dass unterschiedliche Erscheinungsformen der Geschlechter häufig auf Polygamie hinweist. Sehen Männchen und Weibchen ähnlicher aus, dann deutet vieles auf Monogamie hin. Auffällig beim Menschen ist es, dass Männchen und Weiblichen sehr ähnlich aussehen, ganz anders im Vergleich zum Beispiel bei Enten.

Im Gegenentwurf des Matriacharts würden Frauen in Netzwerken wohnen, wo sie sich gegenseitig unterstützen. Ihre verwandten Männer wären ein Teil dieses Netzwerks und hätten zwar keine eigenen Kinder mehr, aber wären ebenfalls abgesichert, da sie sich 100%ig sicher sein könnten, dass alle Kinder mit ihnen verwandt wären. Die Eltern und die Geschwister teilen sich 50% der Gene. Wenn ein Bruder also zwei Kinder hat, ist es mathematisch evolutionär genauso gut zum Weitergeben der eigenen Gene mit einem eigenen Kind.

Fraglich bleibt, ob diese Netzwerke funktionieren können. Im Gegensatz zum Sexualpartner sucht man sich die Familie eben nicht aus. Sowohl die Frauen, als auch die Männer, wären abhänigig von ihren Schwestern, Tanten und Cousinen. Damit würde die Macht der Großfamilie in unserer heutigen Zeit wieder wachsen. Ein jedes Individuum wäre nur noch ein Mitglied eines sozialen Netzwerkes, welches er nicht ausgesucht hat. Jeder müsste versuchen diesem Netzwerk, der Familie, zu gefallen. Eigene Interessen, sogar die eigene Individualität würden mit der Freiheit gleichermaßen sinken.

Dabei wurde jüngst erst bewiesen, dass Menschen in Partnerschaften glücklicher sind und länger leben. Zwar kann auch die Familie soziale Zugehörigkeit bieten, allerdings bleibt es möglich, dass man sich mit der eigenen Familie entfremdet oder die eigenen Cousinen oder ihren Lebensentwurf nicht teilen möchte. Zudem schlafen Menschen in einer Beziehung auch besser als einsame Menschen (vgl. Cacioppo und Kollegen, 2002). Verheiratete Menschen neigen zu weniger gesundheitsschädlichen Verhalten wie rauchen und trinken (vgl. Marano 1998). Auch wenn die Familie ein wichtiger Anker im Leben sein kann, wer will schon leugnen, dass ein zuverlässiger Partner nicht auch Halt geben kann? Und was wird in einem solchen System aus der Liebe? Warum sollte ein solcher gewaltiger Umsturz unseres Systems die Welt verbessern? Warum sollten die untereinander solidarischen Netzwerke nicht außerhalb weiter egoistisch sein? Warum sollte eine Gesellschaft besser werden, werden der eine Sexismus durch den anderen ersetzt wird?

16 Kommentare zu „Von Vaterschaften vergiftet

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  1. Wir sind weder Wölfe noch Vögel. Wir haben unser eigenes angeborenes Sozialverhalten, die Matrifokalität, die uns Freiheiten gibt, von denen wir jetzt nur träumen können. Und wenn wir unsere angeborene Freiheit nicht leben, geraten wir erst Recht in Abhängigkeit, nämlich der vom System. Sind wir nicht systemkonform, sind wir raus, werden kriminalisiert oder umgebracht. Die Freiheit im Patriarchat ist eine Illusion. Überhaupt, seit wann sind wir im Kapitalismus, dem Wirtschaftssystem des Patriarchats, frei? Das ist doch alles hinlänglich analysiert! Das Bedürfnis, uns andere Leute zu suchen, ist doch erst entstanden, WEIL die Familie uns erstickt! Dann suchen wir uns andere Abhängigkeiten, weil dort nicht genug Liebe bekommen haben. Süchte aller Art wurzeln darauf, aber auch die Abhängigkeit vom Chef, vom Ehemann, der Ehefrau, etc.. Der Mensch ist ein hochsoziales Wesen und braucht einen verlässlichen Rahmen. Es ist das Wesen des Menschen, von anderen Menschen abhängig zu sein, und darin liegt auch die Chance zur Freiheit. Bedingungslose Liebe ist Freiheit. Aber weder Freunde, noch Nachbarn oder Helfer aller Art können das leisten, was unsere Sippe zu leisten in der Lage wäre, wenn mann sie nur ließe.

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    1. Ich finde es interessant, dass du biologische Begründungen für deine Behauptung bringst, die deine Ansicht unterstützen, aber andere biologische Tatsachen, die dem entgegen stehen ignorierst.

      Es stimmt, dass wir unfrei in unserem jetzigen System sind, aber wieso sollte der Kapitalismus beendet sein, wenn wir in Matrifokalität leben? Auch wenn wir schon einmal in dieser Gesellchaftsform gelebt haben, dann heißt es nicht, dass es das Ideal oder unserem Verhalten entspricht. Wenn es das Ideal gewesen wäre, dann hätten ja die Brüder und Onkel uns vor dem Patriarchat beschützt.

      Ich möchte jedenfalls eine Welt, die uns möglichst frei macht und nicht mehr unterscheidet zwischen Männern und Frauen. Und weil wir im jetzigen System unfrei sind und immernoch Sexismus dominiert, suche ich nach Antworten und freue mich auf den regen Austausch mit dir.

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  2. Und noch ein paar Richtigstellungen: Die „Kernfamilie“, also die patriarchale Kleinfamilie Vater-Mutter-Kind gab es vor dem Patriarchat nicht. Der Begriff „Familie“ wurde viel später erst von den Römern erfunden. Dann geht es in der matrifokalen Sippe niemals um Pflicht. Auch dieser Begriff entstammt dem Patriarchat. Drittens „spendet“ der Mann keinen Samen. Ein Spermium ist kein Same, sondern kommt einem Pollen gleich. Der Status Same gebührt der Eizelle. Viertens ist der Mensch von Natur aus polygam, und der Hinweis auf den (angeblich geringen) Geschlechtsdimorphismus als Argument für Monogamie beim Menschen geht ins Leere, denn gerade dann dürften viele Vogelarten auch nicht monogam sein, sind sie aber oft, gerade bei sehr unterschiedlichen Erscheinungen der Geschlechter. Und dann immer wieder diese Angst vor der Abhängigkeit von Frauen. Ja, seid ihr Männer denn nicht von einer Frau geboren worden und wurdet ihr nicht anfangs von einer Frau genährt und wart damit von ihr abhängig? Die angebliche Unabhängigkeit der Männer ist ein fundamentaler Irrtum des Patriarchats. Dies gilt es zu erkennen. Männer müssen ihre Angst vor Abhängigkeit (ein menschliches Defizit übrigens) endlich überwinden lernen. Ihr müsst an euch arbeiten. Da führt kein Weg dran vorbei. Und bei dem letzten Kommentar bekomme ich wirklich einen Kopf-Tisch-Impuls.

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    1. Sehr wohl gibt es diese Familienstruktur der Kleinfamilie in der Natur. Freilebende Wölfe haben diese Sozialstruktur.

      Eizelle und Spermien werden benötigt für eine Befruchtung. Wenn du es also genau auslegen willst, sollte keine der Geschlechtszellen als Samen beschrieben werden. Doch ich möchte mich nicht an Begriffen aufreiben, sondern an Gedankenmustern.
      Es ist richtig, dass es im Tierreich häufig Geschlechtsdimorphismus gibt. Dies ist aber gerade für die Männchen anstrengend, sodass sie Energie woanders sparen müssen. Bei Tieren mit Geschlechtsdimorphismus kümmern sich die Männchen tendenziell weniger um den Nachwuchs.
      Erfolgt die Brutpflege nur durch einen Elternteil, so stellt diese Verhaltensweise einerseits einen ethologischen Sexualdimorphismus dar, und begünstigt andererseits die Ausbildung weiterer Sexualdimorphismen, da die Erfordernisse an die Brutpflege geschlechtsspezifisch wirksam sind. Ein ausgeprägter Geschlechts­dimorphismus kann auch ein Maß für den Grad der ethologischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern darstellen, häufig betrifft dies Unterschiede im Paarungsverhalten wie Polygynie oder, seltener, Polyandrie.

      Nicht nur Männer, sondern eben auch Frauen sind in dem von euch vorgestellten Modell von ihrer Sippe abhängig. Es hat sich allerdings gezeigt, dass gerade Partnerschaften gut für die Gesundheit beider Partner sind.
      https://haimart.wordpress.com/2019/04/23/brandmauern-gegen-irrlichter/

      Es ist richtig, dass Männer von Frauen geboren werden. Allerdings werden auch Frauen nur durch das Zusammenkommen von Spermien und Eizellen gezeugt. Beide Geschlechter werden also benötigt. Beide Partner tragen also Verantwortung. Während die Männer keine Verantwortung daran tragen, wenn die Frauen in ihrer Sippe schwanger werden. Auch Frauen werden in dem vorgeschlagenen System eingeengt. Wenn sie keine Kinder haben wollen, dann müssen sie trotzdem die Kinder ihrer Schwestern versorgen.

      Und was ich immer noch nicht verstehe, ist wie eine solche Gesellschaft funktionieren soll. Wir wären plötzlich gezwungen mit Menschen, die wir verabscheuen zusammen zu leben, während wir Partner, die wir lieben zurück lassen müssen.

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        1. Schade, ich war sehr um einen Austausch interessiert um zu verstehen wie der Kapitalismus überwinden werden könnte. Dabei fand ich es auch interessant mich mit dem Feminismus zu beschäftigen. Dazu gehörte es auch alte bekannte Denkmuster in Frage zu stellen und Alternativen zu suchen. Doch ich finde es immer noch fraglich, wieso eine Zeit vor dem Patriarchat erstrebenswert ist, wo wir Sippenhaft haben. Ich möchte frei sein und einen Partner, der ebenfalls frei ist. Die Bedürfnisse in deinem Artikel teilen wohl die meisten Menschen.

          Doch heute ist die Frau eben nicht mehr Teil der Sippe des Vaters, sondern die Kinder haben zu beiden Großelternpaaren Kontakt. Die Struktur des Besitzes des Mannes über die Frau ist also aufgebrochen. Natürlich gibt es noch bei der Gleichberechtigung eine Menge zu tun. Es kann nicht sein, dass Frauen weniger Geld verdienen. Es kann auch nicht sein, dass einige Männer keinen weiblichen Vorgesetzten ernst nehmen. Wenn weibliche Vorgesetzte aber systematisch gleich handeln, dann verstehe ich nicht, wieso Kinder den Kontakt väterlicherseits abbrechen sollten.

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  3. Natürlich werden alle anderen Ungerechtigkeiten beseitigt, wenn die Urungerechtigkeit entzogen wird. Auf ihr baut alles andere auf. Es ist einfach NICHT ungerecht, wenn Väter ihre genetischen Kinder nicht kennen! Denn der Wunsch, sie zu kennen, beruht auf dem Zuchtgedanken und nicht auf einer evolutionären Entwicklung… und heute nur nebenbei auf purer Neugier. Der Zuchtgedanke ist alleinige Ursache für das Interesse an den genetischen Kindern und entstand bei den ersten Patriarchen, das waren die ersten Viehzüchter. Sie brauchten verlässliche Helfer bei der Überwachung der Herden und keine potentiellen Viehdiebe. Das konnten nur Söhne leisten. Und daher sind Töchter im Patriarchat wertloser.
    Die Zucht von Tieren führte also automatisch zu Rassismus, also zur Zucht von Menschen. Weil Zucht nicht ohne die Unterdrückung der female choice funktioniert, ist Sexismus die Basis jedes Rassismus‘. Sexismus ist also immer gegen Frauen (und Homosexuelle) gerichtet und dient ihrer Kontrolle und Unterdrückung.

    Patriarchatskritik ist kein Sexismus, sondern Richtigstellung. Das Patriarchat beweist tagtäglich, dass es mit seinem genetischen Wissen nicht verantwortungsvoll umgehen kann. Es ist übrigens biologisch so, dass nicht Männer Frauen schwängern, sondern Frauen machen sich selbst schwanger, mit Hilfe von ein klein wenig genetischem Material des Mannes, das er natürlicherweise gar nicht abgibt, um Vater zu werden, sondern rein aus Lust und schon gar nicht in (selbst)unterdrückerischer Weise. Ironischerweise teilen Söhne deutlich weniger als 50% der Gene mit ihrem Vater und alle Kinder haben nur mütterliche Mitochondrien-DNA, die Lebenskraft ist mütterlich. Es ist zudem die Frau, die wählt, die Sexuelle Selektion geht natürlicherweise von allem Weiblichen aus, auch das ist nicht ungerecht. Es ist die Basis des Lebens, das WESEN des Lebens! Das Weibliche ist die Urform allen Lebens. Es gilt das anzuerkennen zu unser aller Wohl, denn auch Männer leiden unter ihrem System „wie die Tiere“. Rein körperlich ist das Kind allein das Werk seiner Mutter, wie im Artikel auf den Sie sich beziehen, erläutert. Lesen Sie bitte auch einmal meinen Artikel über die female choice.

    Aus diesen Gründen ist Gerechtigkeit für die Vaterschaft gar kein Kriterium. Väter leiten aus ihrer genetischen Beteilung unendlich viel mehr ab, als es ihnen natürlicherweise und sogar gerechterweise zukommt, wenn wir es rein körperlich betrachten. Besonders dass sie auch noch auf die Väter ihrer Enkelkinder Einfluss nehmen können, ist bereits rassistisch und verletzt noch vorher das Persönlichkeitsrecht der Mütter und ihrer Töchter (Sexismus).

    Zudem sind viele Väter gar nicht an ihren genetischen Kindern interessiert. Mütter brauchen aber verlässliche Männer. Unter natürlichen Bedingungen können wir noch nicht einmal von Pflicht sprechen, wenn sich die Männer um die Kinder ihrer mütterlichen Linie kümmern, es ist für sie eine absolute Selbstverständlichkeit. So ist es noch heute zB bei den Mosuo. Die Sippe lässt sich nicht scheiden, die Menschen kennen sich von kleinst auf, sind sich nicht fremd, haben absolutes Vertrauen zueinander und helfen sich gegenseitig. Das können wir heute oft nur schwer nachvollziehen, weil die Familie alle Solidarität zerstört, durch den Leistungsgedanken, durch das Erbrecht und anderes. Der Vater verdrängt alle anderen, überfordert damit sich selbst, Mutter und Kind.
    Der Satz „Ich will aber nicht mit meiner Tante zusammenleben“, den ich übrigens immer wieder höre, ist völlig verfehlt, weil er sich auf eine bereits patriarchalisch verkorkste Beziehung bezieht.
    Unter natürlichen Bedingungen würden Väter ihre Kinder gar nicht kennen, und Kindern wäre auch egal, wer das ist: was man nicht weiß, macht einen nicht heiß und das ist auch gut so.

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    1. Dass mit den Mitochondrien ist durch aus richtig. Nur finde ich es zweifelhaft daraus die Konsequenz zu ziehen, dass Leben nur weiblich ist. Betrachten wir die mitochondrale DNA genauer, so stellen wir fest, dass diese einen gemeinsamen Ursprung haben. Diese DNA ist also nichts individuelles, wo sich die Frau entscheidet diese weiterzugeben. Es ist nur ein genetisches Programm, welches abläuft. Die Behauptung, dass die Familienstruktur, in der wir jetzt leben, eine unnatürliche ist, muss ich widerprechen. Auch Wölfe leben in Familien, wo Vater und Mutter gemeinsam die Kinder aufziehen und das Rudel führen.

      Deine Einschätzung zum Patriarchat teile ich. Kein Mensch ist wertloser als ein anderer. Natürlich sind Frauen nicht weniger wert als Männer. Das betrifft eben auch die Schwangerschaft. Zwar trägt die Frau das Kind aus, aber trotzdem sollten sich in einer freien Gesellschaft beide Partner für Kinder entscheiden.

      Auch Großmütter üben einen Einfluss auf ihre Enkelkinder aus. Es macht für keinen Sinn zwischen den Geschlechtern zu unterscheiden. Auch wenn die Schwangerschaft anstregend ist und auch das Stillen Kraftraubend ist, gibt es noch eine Zeit danach. Dass viele Väter nicht an ihren Kindern interessiert sind, ist eine Behauptung. Rein genetisch würde es für den Mann Sinn machen die ganze Zeit nur rumzuhuren um sein Erbgut möglichst weit zu streuen. Untreue wäre für den Mann auf den ersten Blick das strategishc klügste. Du hast anschaulich beschrieben wie viel Spermien bei einem Samenerguss entstehen. Die Frau hat jeden Monat nur eine Eizelle. Und wenn sie schwanger ist, sind all die Spermien wertlos. Für Frauen ist es also sinnvoller einen möglichst fürsorglichen Partner zu finden.

      Und auch in der Natur sorgen häufig Väter und Mütter für ihre Nachkommen. Das Weibchen ist die begrenzte Ressource. Während Sperma zu viel vorhanden ist, gibt es zu wenige Eizellen. Daher kann sie sich einen Partner aussuchen. Es ist dann sinnvoller einen fürsorglichen Partner zu suchen, der die gemeinsamen Gene pflegt. Die Monogamie ist also das Ergebnis von der Damenwahl.

      Du redest davon, dass das Aufziehen von den Kindern keine Pflicht, sondern eine Selbstverständlichkeit wäre. Das ist doch eben wieder eine Unterdrückung. Männer und Frauen könnten sich ihre Sippe nicht aussuchen und müssten deren Lebensentwürfen zustimmen. Ich liebe meine Familie und wir unterstützen uns auch weitesgehend, aber mich komplett an die zu ketten, möchte ich nicht. Gerade in einer globalisierten Welt ist es schwierig das berufliche Glück in der Nähe des Elternhaus zu finden.

      Es ist ein menschliches Grundbedürfnis wissen zu wollen, wo wir herkommen. Auch bei Kindern, die nur bei einem Elternteil aufgewachsen sind, wollen wissen, wer der Partner war.

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    1. Aber das ist dann doch Sippenhaft. Ganz gleich welches Geschlecht ich habe, ich bin dann von meiner Sippe abhängig. Das ist dann ein Netzwerk, welches ich mir nicht ausgesucht habe. Ich werde quasi an sie gekettet und vollkommen unfrei.

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    2. Wenn Männer zu den Sippen der Frau gehört, dann ist der Mann untergeordnet. Doch heute ist die Frau eben nicht mehr Teil der Sippe des Vaters, sondern die Kinder haben zu beiden Großelternpaaren Kontakt. Die Struktur des Besitzes des Mannes über die Frau ist also aufgebrochen.
      Wieso sollte das System besser werden, wenn wir zu einem System von tausenden Jahren zurückkehren oder das System von Hunderten Jahren umkehren?

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  4. Da haben Sie aber was gründlich missverstanden. Die radikalen Feministinnen, die Sie da ins Feld führen, wollen nicht die Kernfamilie ohne Vater, sondern die matrifokale Sippe, zu der alle Verwandten der mütterlichen Linie gehören, das ist ein riesiger Personenkreis, womit jeder Überforderung vorgebeugt ist. Männer werden damit nicht auf Samenspende reduziert, sondern als Brüder und Onkel in die Pflicht genommen. Nur diese Lebensweise verhindert, dass es zu Machtstrukturen kommt. Matrifokalität ist unser angeborenes Sozialverhalten und keine Gesellschaftsform. Lesen Sie die neusten anthropologischen und archäologischen Studien, auf die sich die „radikalen Feministinnen“ dabei berufen können. Für ein urmenschliches Patriarchat gibt es nicht den Ansatz einer Evidenz, sondern lediglich Rückwärtsprojektionen. „Radikale Feministinnen“ lehnen übrigens den Begriff Matriarchat ab, denn Matrifokalität hat absolut gar nichts mit Macht zu tun.

    Gefällt 2 Personen

    1. In deinem Text schreibst du doch: „Für besonders gerecht und selbstverständlich halten es die meisten Leute, dass Männer ihre genetischen Kinder kennen dürfen, und verdrängen vollkommen, wie viel Ungerechtigkeit das Vaterrecht nach sich zieht.“ Sollte diese sogenannte Ungerechtigkeit nicht bekämpft werden? Weiterhin schreibst du, dass Männer nur als Brüder und Onkel in die Pflicht genommen werden. Matrifokalität entreißt den Männern das Recht und die Pflicht sich um die Kinder zu kümmern. Sie sind dann nur noch ein Teil einer Familie. Das gemeinsame Entscheiden von Männern und Frauen wird dann abgelöst durch die Entscheidung der Sippe, die dann weiblich dominiert ist. Wie genau soll man sich solche Familien vorstellen? Schon lange wohnen Männer und Frauen nicht mehr bei ihren Eltern, wenn sie eine Familie gründen. Wieso sollten meine Cousinen, Tanten und Schwestern besser wissen, was für mich und meinen Partner gut ist, als ich selbst?

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