Aufhören zu sabbern, wenn jemand klingelt

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Mittlerweile geben etwa 40% der Stadtbewohner schon ein Drittel ihres monatlichen Nettoeinkommens für die Kaltmiete aus. In Berlin ist die Miete in sieben Jahren um 71% gestiegen. Trotz Genehmigungen wurden nur 64% tatsächlich gebaut. Seit etwa einem Jahr wird in der Hauptstadt um Enteignung der Großgrundbesitzer gestritten.

Das neoliberale Gesindel hat scheinbar die Hirne der Massen vollkommen in Phrasen der Bedeutungslosigkeit eingewickelt. Leistung muss sich wieder lohnen. Doch was ist das für eine Leistung eine Wohnung zum Wohnen anzubieten? Es ist ein Grundbedürfnis zu wohnen, wer zu arm ist, kann nicht damit aufhören. Der Kapitalismus nimmt seine Maske ab und zeigt seine hässliche Fratze. Die unsichtbare Hand des Marktes ist eine kalte. Andere haben Angst vor dem Läuten des Horrorgespensts Kommunismus und scheinen nicht zu wissen, dass es nach dem Grundgesetz nach Artikel 14 und Artikel 15 ausdrücklich erlaubt ist zu Enteignen, wenn es dem Allgemeinwohl dient. Bisher umgesetzt wurde es in der Vergangenheit allerdings nur für Flughäfen oder Autobahnen.

Häufig wird angemerkt, dass der Staat nicht mit Geld umgehen könne. Je nach tiefe der Diskussion werden auch einige Beispiele genannt. Auch am Beispiel des sozialen Wohnungsbaus lässt sich das veranschaulichen. Die Deutsche Wohnen hat für gut drei Milliarden Euro etwa 63 000 Wohnungen gekauft. Vierzehn Jahre später haben die Immobilien einen Wert von 14 Milliarden. Wer jetzt die Wertsteigerung als Errungenschaft der Privaten deutet, vergisst, was dies für die kleinen Privatexistenzen bedeutet. Sie werden erpresst die Mieten zu zahlen, oder sie werden gekündigt. Natürlich könnten sie sich eine neue Wohnung suchen, allerdings müssen sie diese auch erst einmal finden. Dazu kommt noch der Umzug, welcher auch Zeit und Energie kostet. Gleichzeitig sind die Mieter auch an ihre Arbeitsstelle gebunden. Und auch für Kinder wird es schwer sich wieder in einer neuen Schule zu Recht zu finden. Nur weil der Staat seine Bürger nicht auspresst, kann er nicht mit Geld umgehen? Auch in der letzten Finanzkrise von 2008 konnte eindrucksvoll gezeigt werden, dass auch Großkapitalisten fallen können, wenn sie nicht in den schützenden Schoß von Vater Staat zurückkriechen.

Es ist an der Zeit über ein Systemwechsel nachzudenken. Wir dürfen nicht mehr alles das glauben, was uns die Medien sagen lassen wollen. Fünf Verlage kontrollieren mittlerweile fast die Hälfte des deutschen Zeitungsmarktes. Gerade wenn das Geld durch eine Nullzinspolitik ständig an Geld verliert, und Großkapitalisten nun den Immobilienmarkt entdeckt haben, stellt sich die Frage, wer von unserem System am meisten profitiert. Wie lange wollen wir es uns noch gefallen lassen, dass einige wenige die Spielregeln diktieren, nach denen wir alle spielen müssen? Wie lange wollen wir es uns noch gefallen lassen, dass die freien Märkte die Demokratie entkernen? Wird das Vermögen der ärmsten 95% auf einer DIN A4 Seite in einem Koordinatensystem aufgetragen befindet sich in der Ecke rechts Menschen mit einem Vermögen von etwa 1,5 Millionen Euro. Die untere Hälfte hat weniger als 17000€. Doch der reichste Deutsche fliegt mit einem Ballon etwa 6 km über dem Papier. Diese Entwicklung gefährdet unsere Demokratie. Wie könnte ein solcher Systemwechsel aussehen? Denkbar wäre eine liquide Demokratie nach Vorbild der Piraten.

Eine liquide Demokratie ist eine Mischform zwischen indirekter und direkter Demokratie. Während bei der indirekten Demokratie ein Vertreter die eigenen Interessen vertritt und bei der direkten Demokratie alle Interessen selbst wahrgenommen werden müssen, ist die liquide Demokratie ein fließender Übergang. Jeder Teilnehmer kann selbst entscheiden, wie weit und in welchen Themen er sich von anderen vertreten lassen möchte. Die Gefolgschaft der Vertreter kann jederzeit gekündigt werden und muss nicht mehr bis zur nächsten Wahl gewartet werden. Der ausgewählte Vertreter kann natürlich sich auch wieder vertreten lassen. Das System ist also ständig im Fluss und kann schnell auf Veränderungen reagieren.

Sich selbstständig Gedanken zu machen zu Themen und nicht blind dem Heilversprechen der Partei zu folgen oder nicht auf einfache Antworten auf komplexe Fragen zu erwarten, kostet Zeit. In einem solchen politischen System müsste ebenfalls die Arbeitszeit verkürzt werden. Dies wäre gut für die eigene Gesundheit und sollte ebenfalls die Arbeitslosigkeit reduzieren. Alle Menschen würden mehr gebraucht werden und die Angst in die Unterschicht abzusinken sollte ganz ohne Grundeinkommen reduziert werden. Wir könnten uns mehr für unsere Interessen engagieren und könnten als Mann und Frau uns mehr um unsere Kinder und alten Eltern kümmern. Wir könnten ausbrechen aus dem Teufelskreis, in welchem wir arbeiten, um zu konsumieren und wir konsumieren, um das Arbeiten zu ertragen. Wann kommt die Zeit an der Menschlichkeit mehr zählt als die Profitgier einiger weniger? Wann kommt die Zeit, in welcher wir die Konditionierung durchbrechen? Wann kommt die Zeit, in welcher wir nicht mehr sabbern, nur weil jemand anders die Klingel läutet, aber das Fleisch selbst isst?

 

 

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2 Kommentare zu „Aufhören zu sabbern, wenn jemand klingelt

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