Eigenverantwortlich aufhören zu wohnen

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Aktuell wird in Berlin über die Enteignung von Immobiliengroßbesitzern gesprochen. Sofern wird das Horrorgespenst des Kommunismus geweckt. Dabei ist die Enteignung im Grundgesetz geregelt. Für den Bau von Autobahnen und Flughäfen auch regelmäßig durchgeführt, scheint das Recht auf bezahlbaren Wohnraum nicht gedeckt. In den sozialen Medien wird debattiert, dass ein solches Vorgehen doch die freien Märkte gefährden würde. Es wird gelästert, dass Berlin doch schon so arm wäre und sich gar nicht den Rückkauf leisten. Und selbst wenn, dann würden das Land doch die Wohnungen wieder vernachlässigen.

Was verdammt fraglich ist, warum dem Modell des freien Marktes so viel Gewicht gegeben wird. Wenn ein Produkt zu teuer ist, wird es nicht mehr gekauft. Dass die Mieten steigen, zeige, dass die Nachfrage zu groß ist und dass der Markt höhere Preise verlangen könnte. Das neoliberale Gesindel hat scheinbar die Hirne der Massen vollkommen in Phrasen der Bedeutungslosigkeit eingewickelt. Leistung muss sich wieder lohnen. Und Wachstum führt zu Wohlstand, der dann zu den unteren Schichten durchsickert. Es ist an der Zeit das Modell der freien Märkte zu hinterfragen. Wenn es stimmen würde, sollte ich meine Wohnung kündigen, wenn sie zu teuer wird. Und dann? Sollte ich aufhören zu wohnen?

Die Nachfrage ist eben nicht elastisch, also abhängig von dem Preis. Wohnen ist ein Grundbedürfnis und da hilft auch kein Gefasel von Eigenverantwortung. Soll ich mich tatsächlich entscheiden, ob ich wohnen, heizen oder essen möchte? Der Staat muss endlich handeln. Auch wenn die freien Märkte aufschreien werden.

Nach der letzten Bankenkrise sind die Zinsen für Sparer abgeschafft worden. Das Großkapital hat sich dann eine neue Investitionsmöglichkeit gesucht und gefunden: Die Immobilien. Und die armen Schweine, welche zur Miete wohnen, müssen immer mehr zahlen, um zu wohnen, wenn sie schon nicht damit aufhören wollen. Doch sparen können sie immer weniger, da es für sie keine Zinsen mehr gibt. Das sollte auf absehbare Zeit die Schere zwischen Reich und Arm auseinanderbrechen lassen. Dieses Bild ist schon häufig zitiert worden, aber auf Dauer führt diese soziale Ungerechtigkeit irgendwann zur Bedrohung für die Innere Sicherheit. Wer scheinbar mehr zu verlieren hat, braucht sich auch nicht mehr an die Regeln zu halten. Gleichzeitig versprechen Rechtspopulisten ihr Heil, obwohl sie mit ihrem neoliberalen Kurs das Problem noch verstärken sollten.

Wunderlich ist, warum trotz dieser sozialen Schieflage ausgerechnet Rechtspopulisten an Zuspruch gewinnen. Sie geben schlicht den Flüchtlingen die Schuld oder manchmal auch den Altparteien. Längst scheint das gescheitere Wirtschaftssystem als links zu gelten und wir brauchen mehr freie Märkte und mehr Entfesslung von Vater Staat. Doch genau das wird die Last der unteren Schichten erhöhen. Gerade die Unterschicht sollte ein Interesse haben, dass sich das Thema Enteignung von Großgrundbesitzern genauer betrachtet wird. Nach der Wende hatte das Land Berlin etwa 200 000 Wohnungen für  bis 2005 verkauft.  Ein großer Teil des Bestands (fiel der Deutsche Wohnen in die Hände. Sie hatten damals für etwa 405 Millionen € ca. 63 000 Wohnungen gekauft. Dazu kamen 2,7 Milliarden Schuldenübernahme. Insgesamt betrug also der Verkaufserlös ca. 3,1 Milliarden Euro, ca. 50.000 Euro pro Wohnung.

Eine Enteignung von Deutsche Wohnen würde heute etwa 14 Jahre später etwa 14 Milliarden Euro kosten. Neben dem gemachten Profit in den Jahren würde Deutsche Wohnen immer noch einen Gewinn von 466% machen. Das wäre ein Gewinn von 11,6% pro Jahr. Kannst du mit einer solchem Zuwachs an Gehalt rechnen? Trotz solcher unglaublichen Gewinne wird trotzdem noch versucht das alte Horrorgespenst des Kommunismus zu erwecken. Ganz außer Acht wurden die anderen Miethaie gelassen, welche die anderen Wohnungen gekauft haben. Es ist schwierig genaue Zahlen zu finden wie viel Geld sie bezahlt haben und eine marktübliche Enteignung kosten würde.

Davon dürfen wir uns nicht einschüchtern lassen. Ist es das Land, in dem wir leben wollen, wo Enteignungen stattfinden um lebensnotwendige Autobahnen zu bauen, aber das luxuriöse Wohnen in Sozialwohnungen durch den Markt verhindert werden? Was sind es eigentlich für Leute, die wie Lakaien sich gegen das Allgemeinwohl stellen, um Minderheiten von Aktionären noch reicher zu machen? Wer sich wohnen nicht mehr leisten kann, soll doch damit aufhören, oder?

14 Kommentare zu „Eigenverantwortlich aufhören zu wohnen

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  1. Wenn sich die als zu hoch propagierten Mieten niemand mehr leisten könnte wären viele Städte leer und die Vermieter müssten sich überlegen mit den Preisen runter zu gehen.
    Das scheint aber nicht notwendig, solange es genügend Leute gibt, die sich mit 40 anderen einen Besichtigungstermin teilen, um ein völlig überteuertes Loch zu besichtigen in der Hoffnung den Zuschlag zum Mieten zu bekommen.

    Aber: es kann kein Grundrecht sein, dass jeder mitten in der Stadt wohnt. Vor dem Toren der Stadt ist alles etwas entspannter. Und ja: dann brauche ich halt ein Auto. Es ist auch kein Grundrecht mit dem Rad oder der U-Bahn zur Arbeit fahren zu können.
    Selbst wenn die Erwartungshaltung mancher in diesem Punkt danach verlangt.

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    1. Wenn ich außerhalb der Stadt wohne, dann habe ich auch erhöhte Fahrtkosten. Zudem kommen dann noch die verbrauchte Zeit. Zusätzlich it auch ein Umzug kostenspielig und wenn der Partner woander arbeitet oder die Kinder zur Schule müssen, ist ein Umzug schwer umzusetzen.

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  2. Subventionen,
    in den Händen der Sozi´s…
    bei den liberalen nennt sich das „Amigo-Taler“…

    und wer profitiert? Qui Bono?
    Alte Fragen, die wir uns immer noch nicht getrauen, zu beantworten,
    geschweige denn, zumindest unseren Geist zu ändern.

    Einen gesegneten Sonntag im Sinne der Agenda 2030,
    und wieder,
    alles Liebe,
    Raffa.

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    1. Du meinst die Enteignungen sind Subventionen? Also das Grundgesetz sieht eine Entschädigung vor. Aber wer bestimmt wie hoch die auszusehen hat? Sie sollte angemessen sein. Aber wenn die Miethaie in 14 Jahren nur durch Mietpreissteigerungen einen Mehrwert von 466% erwirtschaften, sollte das nicht mehr verhältnismäßig sein.

      Gefällt 1 Person

      1. Die Enteignungen sind Mittel zum Zweck. Ergo eine künstliche Steuerung durch das System!!
        Wer bestimmt de facto was „angemessen“ ist?
        Sind dir nur weitere Dinge bekannt, welche „nicht mehr verhältnismäßig“ sind.
        … da ist es auch ganz gleich, welche Partei, bzw. Koalition die „Vorgaben“ von…? durchzuführen!!

        So dürfen wir nicht dem trauen, was igendwo (auch GG) geschrieben steht und uns hüten Obrigkeitsgläubig zu sein.
        Nicht zu vergessen, daß der Heer Seehofer eine Wahrheit verriet und das schon vor Jahren:
        Die, die gewählt sind, haben nichts zu sagen —
        und die, die was zu sagen haben, sind nicht gewählt.

        Getrauen wir uns, hinter die Vorhänge zu schauen – ohne die Ideologien und Glaubenssätze, ohne die „Dummheit“, welche man uns eingeimpft hat…

        Alles iebe,
        Raffa.

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