Sozialdemokratisch im Rudel gegen Flughaie

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Und dann hat es Klick gemacht. Gestern hatte ich die Klasse, welche mich besonders herausfordert. Laut den Klassensprechern sollen es in der Klasse einige Individuen geben, die mir feindlich gegenüber eingestellt sind. Sie sollen sogar das Ziel haben die Weisshaupt zu vernichten. Sie sollen sogar einen Kollegen von mir aus dem Referendariat vertrieben haben. Allerdings möchte ich das nicht überbewerten. Es sind Kinder. Es ist sicherlich auch eine Menge Prahlerei dabei, um die Mitschüler zu beeindrucken. Ich habe bei der Weisshaupt eine Schwäche gefunden, Blut geleckt und jetzt will ich wie ein wilder Hai zerbeißen.

Doch diese Schüler vergessen, dass wir hier am Land sind. In diesem Biotop geht keine Gefahr von den Haien für die Wölfin aus. Wie sind im Wald. Zudem jagen Wölfe im Rudel. Ich habe mit meinen Kollegen eine große Unterstützung. Sie unterstützen mich pädagogisch und auch didaktisch. Der dünnhäutige Kollege, der sich beschwert hatte, weil ich angeblich seine Fachkompetenz angezweifelt habe, bot sich an mir bei meiner schwierigen Klasse zu helfen. Er würde in seinem eigenen Unterricht kurz das Thema thematisieren, dass auch Referendare nicht so respektlos behandelt werden dürfen. Ich habe etwas über das Angebot nachgedacht. Würde diese Hilfe nicht wieder Schwäche zeigen? Würde es nicht meine Autorität untergraben? Unabhängig von den Antworten habe ich entschlossen, dass es so nicht weiter gehen kann und habe mich gegen den falschen Stolz entschieden. Ich glaube, dass der Kollege gut in Pädagogik und Psychologie ist und dieses Gespräch entsprechend leitet, um diesen Eindruck nicht entstehen zu lassen. Ich hatte mit der Klassenleitung gesprochen. Von ihr ist leider keine Hilfe zu erwarten. Ich werde nun auf Anraten des besagten Kollegen Gespräche mit Fenja und Justin halten. Fenja ist in letzter Zeit sehr überheblich und arrogant und stört mit ihren Zwischenrufen und ist vermutlich der Kopf des Ringes, der die Weißhaupt wegbeißen möchte. Auch im Unterrichtsgespräch versucht sie mit blöden und fachlich absichtlich dummen Kommentaren den Unterricht zu stören. Neulich in einem Parallelkurs hatte sie einem Mitschüler im Unterricht einem Mitschüler einen Stift aus der Hand getreten. Sie muss unbedingt mitteleuropäisch zivilisiert werden. Sie geht in die neunte Klasse und hat vermutlich nach einem Jahr die mittlere Reife. Ein solcher Mensch kann doch nicht auf die Gesellschaft hinausgelassen werden. Aber auch Justin, die fachlich sehr guten Beiträge leistet, beschwert sich offen im Unterricht, dass ich ihn nicht genug beachte. Dabei versuche ich gerade auch die schwächeren Schüler zu aktivieren und in meinen Unterricht einzubinden. Solche Gefäße der Sünde darf ich unmöglich auf die Gesellschaft loslassen. Dort muss noch eine Menge Erziehungsarbeit geleistet werden. Fenja bekommt übrigens demnächst eine Verweiskonferenz, wo auch ich Stellung zu dieser schwierigen Schülerin Stellung beziehen muss: Sie stört durch Zwischenrufe und führt oftmals laute Privatgespräche, welche ihre eigenen Lernprozesse und die der anderen behindere.

Trotz, oder vermutlich, aufgrund dieser Überlegungen war der gestrige Tag ein Erfolg. Das Barometer erholt sich auf 77%. Mein Fehler war es zu verständnisvoll zu sein. Das ist vermutlich auch das, was mir mein Ausbilder in Chemie nach meinem ersten Unterrichtsbesuch sagen wollte. Ich wolle noch auf alle Schüler Rücksicht nehmen, ein Anspruch, den ich nie erreichen werde und gleichzeitig auch von den Schülern ausgereizt werden könnte. Ich muss für mehr Einhaltung der Regeln achten. Anarchie ist keine Lösung. Der Gedanke die Schüler möglichst frei erziehen zu wollen, darf nicht mit Vernachlässigung verwechselt werden. Meine Schüler neigen leider dazu ihre Freiheiten zu missbrauchen. Unterricht war kaum möglich, da sie sich lieber um Privatgespräche kümmern. Sie rufen herein, sodass die guten Schüler noch mehr dominieren und die Schwächeren komplett abhängen. Das ändert sich jetzt. Gestern habe ich deutlich mehr auf das Einhalten der Regeln geachtet. Es war energieaufreibend, aber der Unterricht hatte deutlich besser funktioniert. Dazu nutze ich nun auch den besagten Reflexionsraum. Nach zwei Unterrichtsstörungen werden die Schüler dorthin entsandt, um über ihr Fehlverhalten zu reflektieren. Wer es schafft drei Mal in der Woche oder zwei Mal am Tag in den Reflexionsraum zu landen, bekommt eine Verweiskonferenz. Sollten sich das Vergehen weiterhin häufen, drohen dann härtere Maßnahmen wie Suspendierung oder Klassenwechsel bis hin zur Entfernung aus der Schule.

Auch wenn diese Geschütze womöglich bei dir als wenig verständnisvoll ankommen, dürfen gerade die leiseren Schüler nicht außer Acht gelassen werden. Sie halten sich an die Regeln und gehen dann unter. Sie verlieren möglicherweise ihre Chance einen Abschluss zu machen, weil sie nicht genug lernen. Damit stellen gerade Fenja und Justin gegen meine Motivation, mein Herzensanliegen: die Chancengleichheit, soziale Gerechtigkeit. Damit ist jetzt Schluss. Die Anarchie endet, nun beginnt die Demokratie. Und ich bin das Gesetz.

 

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