Alternativlose Alternativen

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Nur ein Herz aus Eis
lässt mich weitergehen.
Nur ein Herz aus Eis
sieht meinen Weg.
Nur ein Herz aus Eis
lässt mich wieder stehen
Nur mein Herz aus Eis,
dass für mich schlägt und weiterlebt.

Am 21. Februar, also schon zu Beginn meines Referendariats ist mir klar geworden, dass die Wölfin Zähne zeigen muss. Allerdings hatte ich zwar die Idee meine Rolle zu wechseln, aber sie war zu schemenhaft, dass ich sie ergriffen habe. Ich habe zwar mittlerweile die Schüler mehr im Blick, aber es kostet noch Kraft. Doch nichts zu tun, ist auch keine Alternative. Die Schüler gehen immer weiter und dann kostet es mir noch mehr Kraft. Ich darf mir meine kostbare Freizeit rauben lassen. Wenn dich konsequent der Großteil der Schüler ignorieren, bedeutet es Stress.  Zudem ist ein Unterricht so nicht möglich, wenn es an der gröbsten Disziplin scheitert. Und dann wäre der Traum Menschen nach meinem Bilde zu formen geplatzt. Kein Geschlecht, das mir gleich sei, zu denken, zu weinen, zu genießen und zu freuen sich und die Verhältnisse nicht zu achten. Und was wird dann aus mir? Ich könnte zwar wieder als Dozentin arbeiten, doch in den Ferien wäre ich wieder der der Lakai des Arbeitsamtes.

Während meiner letzten Arbeitslosigkeit hatte ich Glück, dass ich relativ viele Freiheiten hatte. Auch wenn es ungerecht ist, hatte ich beim Arbeitsamt möglicherweise Vorteile als Akademikerin, dass sie mir nicht jede Arbeit für zumutbar empfanden. Möglicherweise schützte mich auch meine geringfügige Arbeit als Dozentin auf Honorarbasis gearbeitet habe. Doch selbst wenn ich Spaß an der Arbeit hatte, schützt es mich künftig weder vor den Strapazen neuer Arbeitslosigkeit und damit verbunden der staatlichen Willkür und schon gar nicht schützt es mich vor Altersarmut. Es schützt mich auch nicht vor meinen Schatten, die mich heimsuchen, wenn ich mich unterfordert fühle.

Auch wenn ich scheinbar einen Plan B habe, ist es alternativ los: Die Wölfin muss nicht nur Zähne zeigen, sondern auch beißen. Ich könnte mir auch vorstellen Informatik zu studieren. Was mich allerdings abhält ist die Ungewissheit, ob ich damit Erfolg haben würde und ob, ich wenn ich fertig bin, dann tatsächlich noch die Nachfrage dafür noch so groß ist.

Mir gefällt es nicht, welche Rolle mir die Schüler zu schieben. Aber wenn sie die Existenz ihrer Lehrerin bedrohen, indem sie zeigen, dass sie keinen lockeren Unterricht wollen, dann muss sie handeln. Sie muss dann eben durch die Reihen gehen. Sie muss sich dann Notizen machen und sie muss dann auch Elterngespräche führen. Sie muss dann strengstens auf die Einhaltung der Regeln achten und dann auch jedes Gespräch, welches nicht auf Aufforderung folgt, sanktionieren. Sie muss.

Die Schüler haben es so gewollt. Was ich mich jetzt frage, ob mich es glücklich machen kann, eine solche Rolle zu spielen und wie überzeugend ich bin. Falls es doch alles nichts wird, dann sollte ich tatsächlich Konsequenzen ziehen und mich nach weiteren Alternativen umsehen und zur Not doch die notdürftigen Ideen Plan B und C umsetzen. Das Barometer erholt sich wieder auf 70 %.

8 Kommentare zu „Alternativlose Alternativen

Gib deinen ab

  1. Erlaube heute mal „nur“ semantisch dazwischen zu grätschen
    und dann noch so auf die Überschrift limitiert (auch wenn es dann doch in die weiteren Worte strahlt):

    Darf ich deine alternativlosen Alternativen mit

    „logische Konsequenzen “

    übersetzen (vor allem, wo es „putzigerweise“ 20 Buchstaben sind)??

    Alles Liebe,
    Raffa.

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    1. Das mit den 20 Buchstaben verstehe ich nicht. Allerdings habe ich heute tatsächlich härter durchgegriffen und es hat funktioniert. (-: Darauf habe ich mich gleich in meiner Lielingskneipe volllaufen lassen (-:

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  2. Man kann streng sein und die Schüler trotzdem mögen. Schüler schätzen und wertschätzen Lehrer, die Ruhe und Ordnung durchsetzen. Wenn man Ruhe in den Unterricht bringt, hilft man damit all denen, die lernen wollen. Bildung ist ein Menschenrecht. Man sollte nicht zulassen, dass ein paar wenige so tun, als würden sie die Mehrheit vertreten, indem sie alle anderen am Unterricht zu hindern versuchen.

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    1. Ja, du hast vollkommen recht. Dass die Klassensprecher auch meinen, dass ich interessanten Unterricht mache, bestärkt mich auch. Und als ich die Gruppe gefragt habe, was ich besser machen kann, kam ja nicht wirklich etas konstruktives, außer, dass ich mehr für Ruhe sorgen muss. Und genau das ist der Plan.

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      1. Ja, versuch um der lernwilligen und leisen Schüler willen, Ruhe durchzusetzen. Anarchie ist nur was, wo die Starken und Lauten vermeintlich profitieren von, aber man sollte das nicht zulassen. Du bist der Chef im Klassenzimmer, nicht die. Und auch, wenn die Lauten es noch nicht wissen: auch sie werden davon profitieren, wenn Du Ruhe durchsetzt, denn dann können sie später ein gutes Leben mit einem guten Beruf haben.

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        1. Ichch habe das heute mal und es hat tatsächlich ganz gut geklappt. Es ist etwas herausfordernd, aber ich würde sagen, ich habe große Fortschritte gemacht. Dazu aber mehr, in meinem nächsten Beitrag (-:

          Gefällt 1 Person

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