Zynismus mit Zyankali

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Es ist 11:55. Längst ist Greta Thunberg zu einem Promi geworden. Dabei zog sie vor etwa einem halben Jahr in den Streik fürs Klima. Sie beschloss freitags nicht mehr zur Schule zu gehen bis die Politik das Klimaabkommen von Paris umzusetzen. Längst wird Greta für die einen Menschen als Heldin, oder gar als Prophetin verehrt. Andere sehen in ihr die Personifizierung der Klimareligion.

Die AfD hat mit ihren neuesten Äußerungen zum Klimawandel, einem Quiz zum Klima sich blamiert. Darin hatten sie abermals versucht den menschlichen Einfluss klein zu rechnen. Die Hauptargumentation ist häufig, dass das Klimagas CO2 in nur so geringen Maßen in der Atmosphäre so klein ist, dass es keinen Einfluss hat. Ein Spurengas von 0,04% könne doch nicht für einen Klimawandel vorhanden sein. Wer solche abstrusen Theorien verbreitet, sollte auch immun gegen Zyankali sein. Dies ist bei einem Erwachsenen von 80 kg auch schon bei etwa 230 mg tödlich. Das entspricht einem Prozentsatz von 0,0003 %.

Aber selbst der vermeintlich Grüne, Winfried Kretschmann, äußerte sich schon dazu, dass dauerhafter ziviler Ungehorsam wie das Schwänzen der Schule kein Dauerzustand sein könne. Währenddessen haben sich Wissenschaftler positioniert, dass die Schüler Recht haben. Leider bekommt nicht jeder Recht in unserem Land, der im Recht ist.

Aber auch schulpolitisch ist der Klimastreik eine äußerst interessante Angelegenheit. Seit Jahren wurde beklagt, dass die junge Generation zu unpolitisch ist. Nun gehen sie in dem Streik fürs Klima. Gerade konservative Politiker mahnen diese Schüler an ihre Schulpflicht. Sie sollen doch lieber in ihrer Freizeit demonstrieren, anstatt zu streiken. Dabei ist der Streik das drastischste Kampfmittel von allen. Bei einem Streik wird bewusst die Arbeitskraft verweigert. Da die Schüler nichts produzieren, handelt es sich um einen symbolischen Streik. Sie verweigern dem künftigen Arbeitsmarkt ihre Bildung. Der Kapitalismus wird also in seinem Kern getroffen. Der Streik fürs Klima beinhaltet gleichzeitig auch eine Systemfrage.

Im Herbst 1976 trafen Politikdidaktikern unterschiedlicher parteipolitischer oder konfessioneller Herkunft um über die Grundsätze politischer Bildung einen Konsens zu finden. Darin wurde das Überwältigungsverbot, das Kontroversitätsgebot und die Schülerorientierung beschlossen. Demnach dürfen die Lehrer ihre Schüler nicht instrumentalisieren um ihre Interessen durchzusetzen. Allerdings steht für die meisten Wissenschaftler klar, dass der Mensch den Treibhauseffekt verstärkt. Auch das Beschäftigen verschiedener Quellen verstärkt den Verdacht, dass Klimaskeptiker sich stets die Daten heraussuchen, die ihre Weltsicht bestätigt, dass es keinen Klimawandel gibt. Im Sinne einer politischen Bildung ist es, dass auch Schüler an der Demokratie teilnehmen, um ihre Interessen in die Öffentlichkeit zu tragen. Damit ist auch die Schülerorientierung gegeben.

Selbst wenn die Klimaskeptiker Recht behalten sollten, dass der ganze Klimawandel nur erlogen sei, dann haben wir bisher nur 0,5% seit dem Jahr 2000 unseres Bruttoinlandprodukts aufgewendet für Klimaschutzmaßnahmen. Was ist allerdings, wenn die Klimaskeptiker nicht Recht haben sollten? Wenn tatsächlich unser Planet auf eine Klimakatastrophe hinsteuert? Sollen wir unseren Enkelkindern dann sagen, dass es zu teuer war? Bei all den Bemühungen sollte klar sein, dass auch der Umweltschutz durch den Klimaschutz gestärkt wird. Eine Senkung des CO2 Ausstoßes würde ebenfalls die Übersäuerung der Meere stoppen. Unser Planet wird etwa zu 2/3 von Wasser bedeckt. Wenn wir so massiv in das Ökosystem eingreifen, wird dies schwere Folgen für das aufgrund von Millionen Jahren durch Evolution geformte System haben.

5 Kommentare zu „Zynismus mit Zyankali

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