Wackenwoman versus Doc жи́рный

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Nachdem sich meine dünnhäutigen Kollegen bereits über Frau Weisshaupt beschwert haben, ist sie wieder kunstvoll in die nächste Fritteuse gesprungen. Das Immunsystem ist in den Warnstreik gegangen, weil der ganze Stress doch zu viel war. Mittlerweile geht es mir wieder besser und ich habe es tatsächlich geschafft Unterricht vorzubereiten.

Üblicherweise hat Frau Weisshaupt einen Tag in der Woche unterrichtsfrei. Für den Unwissenden mag dies die Vorurteile gegen Lehrer verstärken. Lehrer haben vormittags Recht und nachmittags frei. Die schnöden Referendare haben sogar noch einen Tag frei. Du musst es dir mal vorstellen, die müssen nur 10 Stunden pro Woche unterrichten. Dazu brauche ich ja gar nicht erwähnen, dass es sich nur um Schulstunden handelt. Nach meiner Kalkulation 10×0,75 macht 7,5 Stunden. Das arbeiten andere am Tag. Und die Frau Weisshaupt kotzt sich hier aus. Zum einen kommen zu den Unterrichtsstunden noch eine Menge Vorbereitungszeit, also etwa 150-300 Minuten pro Schulstunde und die Seminare in den beiden Fächern hinzu. Das macht 10x(0,75+2,5)+3×2,25, also 39,25 Stunden in der Woche. Für ein Studium mit 10 Semestern, also umgerechnet 5 Menschenjahre, ein Bruttogehalt von etwa 1350€ ist nicht gerade viel. Das ergibt einen Stundenlohn von 7,64€ pro Stunde, also weniger als Mindestlohn. Darum heißt es auch nicht Lohn oder Gehalt, der Verdienst wird allgemein als Unterrichtsbeihilfe betitelt. Natürlich wurden hier die Ferien nicht einberechnet. Allerdings muss in den Ferien auch Hausarbeiten angefertigt werden, welche einen erheblichen Anteil an der Note für das zweite Staatsexamen haben. Ebenfalls fehlt in der Rechnung das Einlesen in Themen, die ich nicht mehr so gut beherrsche und die Nachbesprechung mit Kollegen und Ausbildern. Dabei kommt bei mir noch hinzu, dass ich zurzeit doppelt Miete bezahlen muss, weil mich das Arbeitsamt versklavt hat. Zwar habe ich einen Widerspruch eingelegt, aber ich mache mir nicht so große Hoffnungen, dass es funktioniert.

Fettnäpfchen sind etwas für Anfänger. Ware Helden kämpfen gegen die Fritteuse, Doc жи́рный. Aufgrund meiner Krankheit ging es mir nicht gut und ich habe nicht regelmäßig meine E-Post gelesen. Meine stellvertretende Schulleitung hatte mich an meinem unterrichtsfreien Tag zur ersten Stunde eingeplant, obwohl ich noch eine Krankmeldung am vorigen Tag hatte. Sie hatte nicht versucht mich an anzurufen, sondern das elektronisch mitzuteilen, ohne eine Bestätigung zu erwarten reicht offensichtlich. Frau Weisshaupt ging also wegen ihrer Desinformation davon aus, dass sie frei hatte und ging noch einmal zum Hausarzt, um sich untersuchen zu lassen, weil die Krankheit sehr hartnäckig ist. Es wurde Blut abgenommen und EKG gemessen. Doch aus meinem Biologiestudium ist mir schon bekannt, dass Stress sich auf Immunsystem auswirkt. Die Genesung kann sich verzögern. Dabei unterscheidet der Körper nicht zwischen psychischen oder körperlichen Stress. Also bin ich noch nicht sonderlich beunruhigt, dass sich die Krankheit etwas zieht. Bärbel ist eben auch keine 18 mehr. Frau Weisshaupt war nicht zum Unterricht erschienen. Als sie vom Hausarzt wieder kam hatte sie die E-Post gelesen. Sofort malte sie sich die schlimmsten Horrorgeschichten aus. Jetzt ist das Referendariat vorbei. Inzwischen hat sie die stellvertretende Schulleitung angerufen, sich klein gemacht und sich entschuldigt.

Trotzdem frage ich mich, ob es nur allein mein Fehler war, dass ich in die Fritteuse жи́рный gesprungen bin. Ohne Rücksprache einen zur ersten Stunde einzuplanen, der noch gestern krankgeschrieben war und heute seinen unterrichtsfreien Tag hat, erscheint mir schon sonderbar, besonders wenn sie es nur elektronisch mitgeteilt bekommt. Natürlich habe ich das nicht geäußert. Ich bin klein. Ich bin der Lehrling. Die Schulleitung wolle mir keinen Strick daraus drehen, weil ich ja noch neu bin, aber gut war diese Performanz trotzdem nicht. Also noch einmal Glück gehabt?

Es beunruhigt mich dennoch. Ich bin nicht einmal zwei Monate an meiner neuen Schule und gleich zwei Mal negativ aufgefallen. Genau genommen sind es schon drei Male, weil sich ja zwei Kollegen beschwert hatten. Mir darüber den Kopf zu zerbrechen, erscheint mir nicht als sinnvoll und ich versuche das abzuschließen. Ich werde am Besten für den nächsten Diensttag eine Kleinigkeit ausgeben, das wird ja von den Neuen erwartet. Und dann werden die vielleicht nicht mehr so hart zu treten.

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