Janusköpfige Illusion vom Freigeld

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Seit den 10. März 2016 ist der europäische Leitzins auf 0,00%. Gleichzeitig liegt die Inflation jährlich etwa bei 2%. Das bedeutet, dass permanent die Sparer enteignet werden. Dabei ist die Schere zwischen Arm und Reich sehr gespannt. Deutschland ist eines der ungleichsten Länder in ganz Europa. Längst können sich die Reichen sich die passende Politik kaufen und sich als Neofeudalherren aufspielen. Es herrscht Klassenkrieg und wir werden wahrscheinlich verlieren. Der Kapitalismus nimmt seine Maske ab und zeigt seine hässliche Fratze.

Während die AfD sich versucht als Partei des kleinen Mannes ausgibt, sollten wir uns zum einen fragen, warum ihr Programm eine Alternative für Deutschland sein sollte und warum sie im Gegensatz zu den anderen Parteien tatsächlich umsetzen sollte. Während nach langem Ignorieren ihrer Herkunft entdeckt im Superwahljahr 2019 die SPD wieder ihr soziales Gewissen und fordert einen höheren Spitzensteuersatz, der allerdings unter vorher von Rotgrün gesenkten Satz liegt, und eine Grundrente nach 35 Jahren Arbeit in Vollzeit. Ist es tatsächlich Zufall, dass Nahles sich nach Olaf Scholz als Kanzlerkandidat vorstellt?

Nachdem Lindner, aus der FDP, kritisiert hatte, dass die SPD das Geld nach dem Gießkannenprinzip verteilen möchte und eine Alternative vorschlägt, wobei je nach Beitragsjahren und Einkommen Freibeträge auf die Rente bekommen soll, stellt sich die Frage, wieso überhaupt eine Arbeit bei Vollzeit, die mehrere Jahrzehnte ausgeübt wurde, überhaupt zu Altersarmut führen kann? Besonders symptomatisch ist die Geschichte von Lindner, der die Bedürftigkeit prüfen will, wenn jemand eine kleine Rente hat, da ja möglicherweise eine Erbschaft von 5 Millionen Euro gemacht worden ist. Das ganze kapitalistische System ist zu hinterfragen und dringend sollte nach Alternativen gesucht werden. Nachdem der Sozialismus in der DDR und anderen Staaten gescheitert ist, stellt sich die Frage wie könnte eine solche Alternative aussehen?

Bereits 1891 veröffentlichte Silvio Gesell, ein deutscher Kaufmann und Finanztheoretiker, eine erste Broschüre, in welcher er das Freigeld entwickelt. Hierbei handelt es sich um Geld, welches monatlich an Wert verliert. Es ist das rostende Geld. Was erst einmal nach einer wahnwitzigen Idee klingt, hat einen ernsten Hintergrund. Während Arbeitskräfte und Waren verderben, bleibt Geld über Generationen erhalten. Daher haben Menschen mit viel Geld auch keine Eile und können immer am Markt handeln, wenn es für sie gerade günstig ist. Arbeiter und Dienstleister können nicht warten. Durch den Wertverfall von Waren und Gütern, erhält Geld einen Vorteil. Daher könnten Geldbesitzer die Warenbesitzer und Arbeitskräfte preislich drücken und schließlich ausbeuten. Daraus resultiert eine immer weiter steigende Macht des Geldes. Es ist daher nur eine Frage der Gerechtigkeit, wenn Geld seinen Vorteil verliert. Dafür könnten monatlich Marken auf die Scheine geklebt werden, damit das Geld seinen Wert behält. Diese Marken kosten wieder Geld. Auch virtuelles Geld auf Konten könnten mit einem Negativzins belegt werden, sodass es für das Geld auch an Wert verliert.

In unserer jetzigen Situation haben wir tatsächlich eine Situation mit dem Leitzins bei 0,00% und der Inflation eine versteckte Form von Schwundgeld. Jedoch muss dafür genauer hingesehen werden. Jedoch führt diese ähnliche Situation nicht dazu, dass weniger Geld gespart wird. Der Geldkreislauf stockt. Das Sparen ist ein Verzicht von Konsum in der Gegenwart, sodass auch andere das Geld nicht ausgeben können, weil es ja gehortet wird. Kaufe ich mir keinen neuen Rechner, bekommt der Verkäufer kein Geld, sodass er nicht in den Urlaub fährt, wo er Essen gehen würde. Dort wird dann weniger gegessen, sodass weniger gekocht und eingekauft werden muss…

Es ist daher volkswirtschaftlich anzustreben, dass das Geld nicht gehortet, sondern ausgegeben wird und ständig frei im Fluss ist. Die Tiroler Gemeinde Wörgl führte als erste in der Wirtschaftskrise, 1932, ihr eigenes lokales Geld, das Freigeld ein, um Investitionen und damit Arbeitsplätze zu schaffen. Monatlich verlor das Geld 1% an Wert. Die Menschen nahmen das Geld an, wollten es aber sehr schnell ausgeben, weil es ja an Wert verliert. Das Geld wurde also nicht gehortet, sondern es war frei- im ständigen Fluss. Folglich wurden der Geldkreislauf und Wirtschaftstätigkeit wiederbelebt, während das übrige Land tief in der Wirtschaftskrise steckte. Der Abgabenrückstand konnte um über 60% gesenkt werden. Die Gemeinde hatte 34% mehr Steuereinnahmen. Die Investitionsausgaben der Gemeinde stiegen um 220%. Sogar die Arbeitslosenquote sank von 21% auf 15%. Als andere Gemeinden ankündigten ebenfalls lokales Geld zu drucken, schritt die österreichische Notenbank ein und untersagte weiteres Verbreiten der Lokalwährung.

Dieser scheinbar positive Ansatz, ist doch leider janusköpfig. Zwar organisieren sich die Menschen selbst und konnten sogar wirkliche Erfolge verbuchen. Allerdings war das Projekt nur auf eine kleine Gemeinde begrenzt. Wenn andere Gemeinden ähnliche Bemühungen durchgeführt hätten, hätte der Effekt vielleicht wieder verpuffen können. Die Preise für Rohstoffe wären gestiegen und damit hätte eine Inflation entfacht werden können. Statt in der kleinen Dorfgemeinschaft sich ins Private zurückzuziehen, sollte lieber eine Lösung für einen Millionenraum wie die EU gefunden werden.

Das System bietet große Anreize und Möglichkeiten um ausgetrickst zu werden. Reiche können in Güter investieren, welche nicht an Wert verlieren, wie Grundstücke, Wohnungen oder Fabriken. Das Freigeld sollte daher noch die Ungleichheit vergrößern, da Menschen mit mittleren Einkommen nicht mehr so effektiv sparen können. Für die Gerechtigkeit sollte eine andere Lösung gefunden werden, da sonst die Reichen sich die Produktionsmittel und das Land sichern und die Ausbeutung weiter auf einer anderen Stufe stattfindet.

Sinnvoller erscheint es daher die Ressource der Arbeitskraft zu verknappen damit nach der freien Marktwirtschaft der Preis dafür steigen sollte. Dies wäre umsetzbar bei einer allgemeinen Reduzierung der Wochenarbeitszeit. Die Menschen müssten weniger arbeiten und bekämen wahrscheinlich mehr Geld dafür. Mehr Lohn würde auch gleichzeitig eine höhere Rente bescheren und somit ein wirksames Mittel gegen die Altersarmut. Zusätzlich sänke die Arbeitslosenquote. Weniger Arbeit würde vermutlich auch zu mehr Zufriedenheit führen. Weniger Arbeit würde auch dazu führen, dass beide Partner quasi in Teilzeit arbeiten würden. Das sänke die Abhängigkeit des Partners mit dem geringeren Einkommen. Beide Partner könnten gleichberechtigt zur Ernährung der Familie beitragen und beide hätten mehr Zeit für die Familie. Zusätzlich sollten auch Zivilisationskrankheiten wie Depressionen und Ausbrennen durch Stress und Überforderung erheblich reduziert werden. Wir könnten mehr Sport treiben und gesünder essen und leben.

 

 

6 Kommentare zu „Janusköpfige Illusion vom Freigeld

Gib deinen ab

  1. Dein Text hört sich unterschwellig so an, daß du die AfD als die Alternative anpreist, erkennend, daß die anderen Spezialisten nur die Wahl zwischen Pest und Cholera sind. Deine inneren Widersprüche zeigen jedoch eine geführte Antipathie gegen diese neue Alternative, welche doch auch nur aus der gleichen Schmiede kommt. Ich habe dir ja schon geschrieben, daß diese vermeintliche Alternative „auch nur“ eine System-partei ist.

    Wie sprach schon Salomon im „Alten Testsament“?: „Nicht Neues unter der Sonne“,
    was unter anderem auch deine latente Kapitalismus- und Elitenkritik angeht. Leider müssen wir feststellen, daß unsere linken Heroes und Hoffnungsträger abgesägt oder weggestorben werden und das das, was sich als „Links“ verkauft ein absolut müder Abklatsch ist…

    Das wird auch immer so bleiben, wenn wir auf deren „Spielfeld“ gehen und deren Regeln annehmen…!
    Leider getrauen sich so viele nicht, NEIN zu sagen und von diesen alten Spielen und Eliten wegzugehen.
    Von meinem Narren-Hügel sehe ich zu dem und zu allem Überfluß, daß sich diese Neuzeitlichen Linken voller Vehemenz vor den faschistischen Karren spannen lassen – und gar die verbliebenen Rebellen und Freidenker in ihrer vermeintlichen besseren Gesinnung parodistischerweise als Rechtsextreme oder Verschwörungstheoretiker titulieren. Denen fällt noch nicht mal auf, daß sie die letzte Vielfalt im „bunten“ Denken des Geistes die Berechtigung absprechen. Wahrlich willfährige Erfüllungsgehilfen dieser Einheits-Faschisten im Hintergrund…

    Irgendwie habe ich das Gefühl bei dir ein: „Ja aber“ zu hören.
    Mich hat es auch Zeit gekostet und auch Überwindung, mir das eine oder andere einzugestehen – doch glaub mir, es lohnt sich, sich von der VORHERRSCHENDEN Meinung und Ideologie zu trennen…

    Trau dich, sei wahrlich ein Revoluzzer und eben kein Ja-Sager bezüglich der überall propagierten Gesinnungsmanipulation, denn das Nachplappern und Erbrechen dieser ideologischen Allgemein-Plätzchen erfordert Null Mut.

    Sei Mut, nutze dein Potenzial und schau weiter hinter die Vorhänge dieses „Schmieren“-Theaterstücks,

    viel Erfolg, alles Gute und
    alles Liebe,
    Raffa.

    Gefällt 1 Person

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