Auf Erden schon das Himmelreich errichten

Datei_The_Valkyrie's_Vigil.jpg

Während die Superreichen in Deutschland nach nur knapp vier Arbeitstagen das Durchschnittseinkommen von Bürgern bei Vollzeit erreicht haben und schon in den verdienten Urlaub gehen könnten, müssen die meisten noch bis zum Jahresende arbeiten. Alljährlich veröffentlicht Oxfam im Januar ihren Ungleichsbericht. Dabei ist Ungleichheit nicht grundlegend ungerecht, aber bei dem aktuellen Maße ist sie eine Gefährdung von Demokratie und Gesellschaft.

Spitzenverdiener konnten zwischen 1980 und 2016 pro Dollar Einkommen ihr Einkommen um 27 Cent erhöhen. Die ärmere Hälfte konnte im gleichen Zeitraum nur von 12 Cent verbuchen laut dem World Inequality Report 2018. Damit öffnet sich global die Schere zwischen Arm und Reich. Auch in Deutschland besitzt die ärmste Hälfte der Bevölkerung 2,23% des Gesamtvermögens. Das ist genauso viel wie die reichsten 45 Deutschen. Das reichste Prozent in Deutschland besitzt genau so viel wie die unteren 87 Prozent der Bevölkerung. Trotz eines wirtschaftlichen Aufschwungs mit sinkenden Arbeitslosenquoten verharrt das Ungleichsniveau in Deutschland auf einen Höchststand in ganz Europa.

Die Ungleichheit im Einkommen verfestigt sich auch in der medizinischen Versorgung. In Deutschland verkürzt die Armut das Leben um statistisch um 8-11 Jahre. Gleichzeitig wird der Mangel an Bildung an die nächste Generation weiter gegeben. Während ein Junge aus reichen Familien in Kenia die Wahrscheinlichkeit von 1:2 auf mehr Bildung als Mittelschule besitzt, hat ein Mädchen aus armen Familien nur die Chance von 1:250. Das verschwendet Potentiale und sichert somit die Armut. Gleichzeitig fördert der Klimawandel die Armut von den ohnehin schon Ärmsten. Sie haben eine schlechte Infrastruktur und können sich nicht mit Versicherungen oder Staudämmen gegen die Folgen des Klimawandels schützen. Somit treffen Dürren oder Überschwemmungen diese Menschen besonders hart, obwohl der Kohlenstoffdioxid besonders von den Reichen ausgestoßen wird. Während die reichsten 10% der Weltbevölkerung mit ihrer etwa 49% des Treibhausgases ausstoßen, produzieren die arme Hälfte nur etwa 10%. Nur die untersten 70% der Weltbevölkerung hat einen kleinen ökologischen Fußabdruck als ihm  rechnerisch bei Gleichverteilung zustehen würde.

co2nachdezilen

Es ist bedauerlich, dass besonders rechtspopulistische Parteien den humanogenen Klimawandel leugnet, ihn kleinrechnet oder sogar propagiert, dass eine erhöhte CO2 Konzentration doch zur Erhöhung der Biomasse führe.  Natürlich können einzelne Länder nicht die globalen Probleme allein lösen. Aber dafür ist der Migrationspakt geschlossen worden. Es ist nicht verwunderlich, wenn Menschen aus materieller Not oder den Folgen von Krieg oder des Klimawandels versuchen hier ein besseres Leben führen zu wollen. Es ist einfach nur höhnisch ihnen vorzuwerfen, dass sie faul sind und sich in unsere soziale Hängematte legen wollen, während sie auf seeuntauglichen Booten fliehen.

Wenn alle Menschen auf der Welt wie wir lebten, dann wären am 2. Mai (Deutschland), 7. Mai (Schweiz) und schon am 15. April in Österreich verbraucht. Wir leben also gewaltig auf Lasten der anderen Menschen. Es ist nicht wunderlich, dass die Ausgebeuteten versuchen zu fliehen. Die Augen und Grenzen zu schließen darf keine Lösung sein. Statt gegen diese Menschen zu hetzen und dem Volk vorzuspielen, dass die Flüchtlinge plündernd raubende Massen sind, die Schuld an unserer Armut sind, sollten wir uns empören, dass Großkonzerne in der Europäischen Union deutlich zu geringe Steuern zahlen und damit die Verantwortung für ihre ausbeuterischen Praktiken auf den kleinen Mann zuschieben, während das Vermögen der deutschen Milliardäre im letzten Jahr um sagenhafte 20% angestiegen ist. Es ist ein weitverbreiteter Irrglaube, dass der Reichtum von den oberen Schichten zu den unteren durchsickert. Eine Partei, welche den Spitzensteuersatz und die Erbschaftsteuer senken will und den Klimawandel leugnet, rettet nicht das Vaterland, sondern importiert weitere Armut.

Ein neues Lied, ein gerechtes Lied,
O Freunde, soll es für uns schlichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Werbeanzeigen

13 Kommentare zu „Auf Erden schon das Himmelreich errichten

Gib deinen ab

  1. Noch etwas. Meine heutige positive Meinung zu Armut rührt daher, da ich seit fast zwei Jahren durch meine Freiwilligentätigkeit im Obdachlosenauffang hier in Utrecht viel mit diesen Menschen zusammen bin. Leider sind auch viele Abhängige darunter aber Du kannst Dir einfach nicht vorstellen, was für eine angenehme Atmosphäre dort herrscht. Obwohl sie in Schlafsälen übernachten müssen sind sie zufrieden damit und dankbar. Ich kann wirklich nur jedem empfehlen, sich offen diesen Menschen zu nähern.

    Gefällt 1 Person

  2. Um noch etwas zum „Reichtum teilen“ hinzuzufügen: Die Reichen sind ja nur deshalb reich, weil wir sie durch unser Kaufverhalten reich machen. Was passiert mit den oberen 13% wenn die unteren 87% nur noch das Nötigste kaufen? Wir müssen also die Reichen gar nicht davon überzeugen, ihren Reichtum aufzugeben, das passiert dann schon von alleine.

    Gefällt 1 Person

    1. Bei Luxusgütern hast du sicherlich recht. Allerdings kann auch Reichtum durch Grundnahrungsmittel erzeugt werden. Oftmals ist es den Ärmsten gar nich möglich Luxusprodukte zu kaufen. Und trotzdem mehren sie den Reichtum des Großkapitals. Das ganze geht auf Lasten der Gesundheit und Umwelt.

      Liken

  3. Ja, Du hast recht, beim nochmaligen Lesen kann ich nicht erkennen, dass Du Dich von Armut distanzierst. Wahrscheinlich ist der letzte Halbsatz bei mir hängen geblieben.
    Ich finde halt, dass wir uns nicht offen genug zur Armut bekennen, was mir vor allem auch bei linksgerichteten Parteien auffällt. Um zu erreichen, dass alle Menschen auf der Welt auf dem gleichen Niveau leben und die Erde erhalten wird, müssen wir deutlich und überzeugt sagen, wir wollen in Bescheidenheit und Armut ohne Not leben. Aber vielleicht finden wir auch ein Synonym dafür, das in unserer heutigen Gesellschaft salonfähig ist.

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, die Sprache ist schon gewaltig. Allerings ist es noch notwendiger die Menschenmassen zu überzeugen, dass ein Umdenken notwendig ist.

      Statt Armut würde ich daher Minimalismus vorschlagen. Wir brauchen keine Schlösser und Yachten, wir brauchen den Abbau von Zukunfts- und Existenzängsten.

      Liken

  4. Deinen Blog habe ich leider heute erst über Twitter entdeckt, deshalb die späte Reaktion.
    In Deinem Beitrag steckt ein Widerspruch. Du distanzierst dich vom Reichtum aber gleichzeitig auch von der Armut. Wir kommen nur aus unserer Konsumspirale heraus wenn wir die Armut nicht verurteilen. Wichtig ist, dass die Armut von Not befreit wird. Ein Leben ohne Konsum ist nicht weit von Armut entfernt. Armut ohne Not gibt auch viel Sicherheit, da man nicht viel verlieren kann. Vielleicht mangelt es nur an einem besseren Ausdruck für ein bescheidenes Leben. Ein Leben, das beispielsweise auf einem Grundeinkommen basiert, ist in materieller Hinsicht nicht sehr weit von sogenannter Armut entfernt, hat aber nichts mit der Armut der benachteiligten Familie in Kenia zu tun, die Du beschreibst.
    Zu dem Titel „Auf Erden schon das Himmelreich errichten“: Mit 16 war ich Kommunist und mit 61 habe ich begonnen, mich mit dem Leben von Christus zu beschäftigen, befreit vom Schnickschnack, den die Kirche nachträglich hinzugedichtet hat. Das einzig Gute, das die Kirche tat ist, dass sie die Überlieferung mit den Evangelien weitgehend original über fast 2000 Jahre hin erhalten hat. Und wenn man diese so interpretiert, wie es in heutiger gesellschaftlicher Hinsicht am plausibelsten erscheint, stellt man fest, dass Christus das wollte, was auch Du und Ich wollen.
    Er spricht von den Arbeitern im Weinberg. Derjenige, der 8 Stunden arbeitet bekommt genausoviel bezahlt wie der, der nur eine Stunde gearbeitet hat, und zwar soviel, wie er zum Leben braucht. Heute würde man sagen, einer arbeitet als CEO bei einem DAX-Unternehmen und der andere als Freiwilliger im Obdachlosenauffang (wie ich zum Beispiel) oder wieder ein anderer spielt vor dem Bahnhof Akkordeon, um die Reisenden zu unterhalten. Alle drei haben lediglich Anspruch auf den Lebensunterhalt und es darf keinen Neid geben.
    Oder Christus spricht von der Aussaat. Er beschreibt, dass viele Körner (unter den damaligen landwirtschaftlichen Bedingungen) auf unfruchtbaren Boden fallen und nur ein Teil neue Ernte bringt, die aber so reichlich ist, dass trotzdem alle ernährt werden. Meine Interpretation ist, dass ein Teil unserer Gesellschaft, wie Langzeitarbeitslose oder auch Obdachlose, das Leben in der Konsumspirale instinktiv ablehnt. Dies muss man anerkennen, da diese Menschen auch am wenigsten zum Ressourcenverbrauch beitragen. Man darf nicht mit Gewalt und viel Aufwand versuchen, sie zu „reintegrieren“. Man muss sie einfach mit unserem Überschuss ernähren und sie erfreuen uns dafür mit Freiwilligenarbeit, künstlerischer Tätigkeit oder nur damit, indem sie den „fleißigen“ Teil der Gesellschaft entschleunigt. Christus beschreibt das mit den Kornblumen, die zwischen den Ähren wachsen und die das eigentlich Schöne an einem Weizenfeld sind.
    Übrigens denke ich, dass das, was Greta Thunberg bei der Verleihung der Goldenen Kamera am vergangenen Samstag gesagt hat, durchaus auch Christus gesagt haben könnte. Und ich trage ein kleines bisschen dazu bei, dass die Zahl derer, die ihr zuhören, steigt.

    Gefällt 1 Person

    1. Ich finde nicht, das sich Kommunismus und tatsächlicher Religiösität so unterscheiden. Im Kommunismus wird vom Klassenkampf gesprochen und der Glaube möchte, dass du dein Reichtum teilst. Klar, ist es besser, wenn die Reichen ihren Reichtum freiwillig teilen, aber es sieht so aus, als ob sie das nicht tun werden.

      Was genau meinst du damit, dass ich mich von Reichtum und Armut distanziere?

      Liken

  5. Mit der Idee des Himmelreichs auf Erden fangen allerdings die Probleme gleich mal an. Heine konnte sein konsumistisches Lied (Zuckerschoten) noch sozusagen naiv dichten, die „Grenzen des Wachstums“ waren längst nicht erreicht, die Weltbevölkerung ungefähr ein Viertel so groß wie heute. Das Himmelreich auf Erden handelt zwar einerseits immer von Gerechtigkeit, ist aber auch allermeistens konsumistisch unterleg, weil die Leute ja schließlich schmecken wollen, wie der Himmel sich anfühlt, und zwar jetzt, sofort. Ich halte solche Ideen nicht für zielführend, eher für eine Art „Opium des Volkes“ auf andere Art. Viel wichtiger wäre die Einsicht, dass die Welt eben nicht das Himmelreich ist und dringend angewiesen ist auf Kooperation, Gemeinsinn, Verzicht und guten Willen. Eine ganz alttestamentarische oder auch buddhistische Sichtweise.

    Gefällt 2 Personen

    1. Bezüglich der Grenzen des Wachstums hast du recht. Auch in dem Artikel habe ich darauf hingewiesen, dass wir einen viel so großen Ressourchenverbrauch haben.

      Es ist richtig, dass es konsumorientiert ist. Aber auch heute werden noch viele Lebensmittel wegeworfen, während andere hungern. Mir geht es darum, dass wir jetzt sofort etwas ändern müssen als uns auf später oder auf das Leben nach dem Tod vertrösten lassen. Jeder sollte angenhme Güter haben ohne, dass sie einigen vorenthalten werden. Es werden nur Konsumgüter genannt, nicht hingegen Gold, welches Ungleichheiten noch über Generationen konserviert. Für mich steht die Gerechtigkeit im Vordergrund. Zudem ist noch zu betonen, dass diese Wünsche relativ bescheiden sind, wenn wir uns ansehen, welche mchtigen Anwesen und Ländereien die Könige haben. Diese bescheideren Wünsche können allerdings nur erreicht werden, wenn wir uns einschränken. Wohlstand basiert immer auf der Armut anderer.
      https://haimart.wordpress.com/2018/11/07/was-wurde-aus-der-schere-zwischen-arm-und-reich/

      Ich stimme dir zu, dass für eine gerechtere Welt Kooperation, Gemeinsinn, Verzicht und guten Willen benötigt wird. Wie konkret das umzusetzen ist, vermag ich auch nicht beschreiben.

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Create a website or blog at WordPress.com

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: