Bleibt alles anders

angel-2785146_1920

Es ist Weihnachten und Zeit für mich Bilanz zu ziehen. Nach all dem Weihnachtsstress und vor der Bescherung, wenn ich langsam zur Ruhe komme, frage ich mich bin ich 2018 noch der Mensch, der ich 2017 gewesen bin? Besondere Höhepunkte waren für mich ganz klar die besuchten Feste und ganz vorne das Wacken. Aber wie sieht es um meine Persönlichkeit aus?

Nach meinem desaströs gescheiterten Referendariat hatte ich zunächst als Dozentin in der Volkshochschule gearbeitet und sogar wieder eine Stelle als Vertretungsleerkraft an der IGS angenommen. Ich habe Rückenwind von meiner letzten Stelle, habe sogar ein sehr gutes Arbeitszeugnis bekommen. Mittlerweile habe ich sogar ein Angebot in einem anderen Bundesland mein Referendariat zu Ende zu machen. Einerseits möchte ich das auf jedenfalls versuchen. Und doch habe ich Angst, dass sich der Wind dreht. Ich müsste umziehen und meine Freunde zumindest für 12 Monate verlassen. Es könnte das Auslandsjahr sein, welches ich als Studentin immer machen wollte, aber mich nie getraut habe zu machen. Und doch ist da wieder die Angst, weil ich schon einmal gescheitert bin. Denk ich an meine Stelle als Vertretungslehrkraft zurück, habe ich mich auch eher als Schutzmauer gefühlt, welche versucht hat größeren Schaden abzuwenden. Aus idealistischen Gründen wollte ich Wissenschaftlerin werden und bin gefühlt gezwungen Lehrerin zu werden. Ich habe wieder einmal den sinnbefreit nach dem Sinn gesucht. Ich habe wieder einmal gemerkt, dass ich mit meinem jetzigen Leben nicht zufrieden bin.

Was habe ich dann noch zu verlieren? Nach langer Zeit der langen Schatten war ich in einer kurzen Beziehung kurzzeitig glücklich. Mittlerweile ist meiner Exbeziehung aufgefallen, dass sie doch jemand Gefühle für jemand anders hat. Und sie wolle mich nicht wie ein Spielzeug benutzen. Aber ich sei ja trotzdem so wichtig. Ob wir nicht Freundschaft+ versuchen wollten? Und doch habe ich sie seitdem nicht wieder alleine gesehen, nur bei Treffen mit gemeinsamen Freunden, wo sie solche komischen Andeutungen gemacht hat. Ich bin definitiv ein Mensch, der sich zu viele Gedanken macht. Wahrscheinlich wollte ich diese komischen Andeutungen nur hören. Und trotzdem bin ich unglücklich. Letztes Jahr hatte ich nie verstanden, wieso sich andere Menschen ritzen. Ich würde mir so etwas niemals antun, aber in letzter Zeit habe ich manchmal das Verlangen einfach zu viel zu trinken. Kurzzeitig scheint dann die Sonne und der Tag danach ist dann noch dunkler. Ich esse dann meistens fast nichts und dann kommen die Stimmen im Kopf wieder. Und doch weiß ich gerade als Biologin, dass es ungesund ist. Ich schmecke das Gift. Ich liebe das Gift. Es ist wie Ritzen. Am nächsten Tag ist es dann der Kater, der einem sagt, dass man noch am Leben ist. Ich mache das nicht oft, aber früher hatte ich das Verlangen nie. Ich muss etwas ändern.

Im Jahr 2018 hat das Autorenkollektiv mit Twitter und diesen Blog begonnen. An dieser Stelle möchte ich michnoch einmal bei Pixabay bedanken. Dort lade ich die meisten meiner Bilder herunter. Danke.

Und doch sind es da immer diese Unterhaltungen, wo politisch anders Denkende einen persönlich angreifen. Meine Texte seien voller Grammatik -und Rechtschreibfehler. Und darum müssen sie ja auch nicht ernst genommen werden. Noch schöner sind GIFS, die kleine kopfschüttelnden Mädchen oder Tiere zeigen. Und die dann unzählige Male als gefällt mir markiert werden. Besonders als Pädagogin ist es interessant dieses Verhalten zu beobachten, aber menschlich sehe, dass unsere Demokratie in Gefahr ist. Ausgerechnet jetzt zeigt sich, dass der Autor Relotius als Hochstapler war und viele seiner Reportagen ausgedacht hat. Ausgerechnet jetzt spielt sich die AfD als letzter Hüter der Wahrheit und Kämpfer gegen die Lügenpresse auf. Dabei propagiert Höcke offen Rassismus und trotzdem hat er in seiner Partei noch großen Rückhalt. Dabei sollte sie auch wegen ihren neoliberalen Inhalten keine Alternative für den kleinen deutschen Mann sein.

Längst ist klar, dass mein unterbeschäftigtes Gehirn die Politik braucht. Es tut mir weh, dass ich so politisiert bin, aber ohne geht es nicht. Steinbach begeht gröbste Rechenfehlern in ihren Tweets und Weidel verweist immer nur auf kriminelle Flüchtlinge, während CumEx völlig unbeachtet bleiben. Aber ohne diese Auseinandersetzung überlasse ich das Feld den Populisten und sie können ihren hassbringende Wind sehen und wir müssen es ernten. Gleichzeitig ist eine gern genommene Ablenkung von meinen schwarzen Gedanken. Aber es verstärkt sie auch. Aber es ist nicht das Zellgift Ethanol.

Bin ich 2018 noch der gleiche Mensch wie 2017? Ich bin ein Jahr älter. Ich bin aber weder privat noch beruflich vorangekommen. Ich habe nicht wirklich etwas erreicht. Offiziell habe ich meine Depressionen überwunden, aber gerade zu Weihnachten fühlt es sich nicht so an. Ich bleibe ein selbstkritischer Mensch mit Zukunftsängsten. Mit dem möglichen Fortführen des Referendariats kann alles anders bleiben, oder es wird so wie es ist.

 

12 Kommentare zu „Bleibt alles anders

Gib deinen ab

  1. das mit der Anarchie hast du falsch verstanden. ich meinte, dass ich es als angenehm empfinde mal nicht über das System nachzudenken. Mal abgelenkt zu sein und eben nicht alles blöd zu finden. Es ist nicht wirklich eine Lösung, wie es Anarchie wäre, aber es ist für mich ein erreichbarer Zustand. Als Lehrerin habe ich immer versucht meinen kleinen Beitrag zur Verbesserung beizutragen und ja das System mit den Pensionen ist unfair. Ich sehe keine Lösung. Ich brauche nicht viel zum Leben. Da werde ich gleich noch einmal was zu deinem Video zu schreiben, aber im Moment fühle ich mich nur passiv und schon von den äußeren Umständen dominiert. Wenn Armut real wird, dann gehen auch die Ideale mal baden. Ich verstehe, dass du hier einen Widerspruch siehst. Und das macht mich ja auch nicht glücklich, aber es kommt leider immer zuerst das Fressen und dann die Moral.

    Nein, bei der Liebe möchte ich nichts auf die Goldwaage legen. Doch schlussendlich sollte man sich fragen, ob man stark genug ist die unbedingte Hingabe zu leisten. Hierbei meine ich es nicht finanziell sondern energetisch.

    Ja, wenn du nichts mehr machen musst, ist das ein sehr geiler Zustand. Ich sehe allerdings nicht wie ich den erreichen kann. Ich klinge möglicherweise sehr materialistisch, aber ich kann mir das finanziell nicht erlauben. Zur zeit wohne ich in einer kleinen Wohnung von etwa 22m² zur Miete. Das reicht völlig. Die im Video angesprochenen 50m² sind für mich purer Luxus. Wer möchte, kann gern darin leben. Aber bei Einnahmen von etwa 1000€ mit der ständigen Angst in HartzIV abzurutschen, suche ich nach einer Lösung, die für mich erreichbar scheint. Ich habe lange nachgedacht, was ich machen kann um den Zwängen mich zu entreißen. Aber ich sehe keinen Weg. Lehrerin zu sein macht mir manchmal sogar Spaß. Allerdings sind Schüler oft sehr undankbar, wieso ich den Beruf der Dozentin so angenehm finde, aber das ist feiberuflich und eben nur halbjährlich ohen bezahlte Ferien. In meiner jetzigen Situation spielt Geld leider eine zu große Rolle, aber ich weiß nicht wie ich dem entsagen kann. Ich fühle mich schon als Aufklärer berufen, sonst würde ich gar nicht diesen Blog mittragen. Und ich hoffe, dass ich eben das auch in der Schule kann.

    Vielen Danlk für die aufbauenden Worte. Natürlich versuche ich mutig zu bleiben, weil alles anderes sinnlos wäre. Aber meine Talente halte ich für sehr überschaubar. Ich bin wahrscheinlich zu hart zu mir selbst, aber selbst das Wissen darüber ändert das nicht.

    Liken

    1. Moin Raffa,
      es ist vielleicht überraschend, aber genaue Kriterien habe ich dafür nicht. Es ist eher ein Gefühl, das Gefühl des Glücks. Zur Zeit bin ich als Tagelöhner in der VHS eingestellt und alle Ferien arbeitslos. Das führt später zu einer spärlichen Rente und wirklich Geld sparen kann ich auch nicht, weil ich immer wieder in die HartzIV Falle tappe. Und dann denke ich über so viel nach. Und auch privat fühle ich schon seit langem kein wirkliches Glück mehr. Ich hatte eine kurze Beziehung, in der glücklich war. Vielleicht hatte ich mir das alles auch nur eingebildet, weil ich meine Wünsche darein projeziert habe. Aber trotzdem bin ich jetzt nicht wirklich glücklich. Ich werde immer älter, aber wirklich etwas erreichen tu ich nicht.

      Liken

      1. Hmm, verstehe ich das jetzt richtig – du läßt dich oder ziehst du einwenig runter von undefinierten Kriterien und einem Gefühl, „eher einem Gefühl“, was dann irgendwie vage ist? Du, werte Haimart, als logisch, aufgeklärter und wissenschaftlicher Mensch.

        Hmm II.: Rente – wieviel Jahre noch bis dahin? nimm doch das ins bei der CDU ins Gerede gekommene Eintrittsalter von 80 Jahren!Hand auf´s Herz und leicht provokativ und herausfordernd: Lebst du dein Leben mit dem Fokus auf die Rente?

        1. Was ist Glück für dich? – 2. Was ist Liebe für dich? 3. Machst du dich … und dein Leben von äußeren Umständen abhängig? und wenn ja, wer ist denn dafür überhaupt zuständig? —
        Was ist in dir der Kompaß, was läßt dein Herz singen und springen, einfach so, spontan oder wie bei einem Kind?
        Was mußt du erreichen? Wer sagt das? Gibt es eine To-do- und Must-have-Liste?
        … oder schlümmert etwas in dir, was du für dich erstmal wachküssen darfst??

        Mußt du nicht alles beantworten – doch schau mal, was die Fragen mit dir machen.
        Und wie gerade schon geschrieben, Kopf hoch (nicht die Nase) und reinspüren – erstrecht, wenn du anfängst (innerlich) zu singen.

        Bis dahin,
        Raffa.

        Gefällt 2 Personen

        1. Ja, ich wäre gern noch viel wissenschaftlicher. Aber je mehr ich nachdenke und je mehr ich hinterfrage, spüre ich, dass mir etwas fehlt. Auch wenn es dir als Anarchist nicht gefällt, aber eine Arbeit kann auch ganz angenehm sein. Ich komme unter Menschen und fühle mich dann nicht mehr so allein. Ich bin ablenkt, weil mein Verstand doch so energieraubend und motivationshemmend ist.

          An die Rente glaube ich auch nicht mehr. darum wäre eine Pension als Beamte vielleicht doch der richtige Weg für mich. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Die Pension werden die Politiker, wobei die meisten selbst verbeamtet sind, nicht kürzen.

          Zu deinen Fragen:
          1. Glück ist für mich, wenn man zufrieden ist.
          2. Liebe ist für mich die unbedingte Hingabe zu einem Menschen, einer Idee oder einer Sache. Solange sie allerdings unerwidert bleibt, macht sie unglücklich. Sicherlich kann man das Erwidern nicht erzwingen, aber auf Dauer muss man sich dann als Selbstschutz doch entlieben und seinen Verstand wieder einschalten.
          3. Ich würde behaupten, dass es ein Wechselspiel ist. Die äußeren Umstände bestimmen die Inneren und umgekehrt. Man sollte daher versuchen sich eine Nische zu suchen, in der man sich glücklich fühlt und äußere Umstände ändern, sofern genügend Kraft vorhanden ist.

          Was ich erreichen möchte ist, dass ich glücklich bin. Allerdings bin ich das nicht beruflich, weil ich in den Ferien eben immer arbeitlos bin und dann beim Amt betteln muss, wenn ich meine Heimat verlasse oder Urlaub haben möchte, der mir nach meiner Meinung zu steht. Gleichzeitig kann ich nicht langfristig planen, da meine Verträge immer nur halbjährlich verlängert werden. Das schränkt mich in meiner Entscheidung schjon erheblich ein. Das hat auch Einfluss auf mein Privatleben. Ich kann jederzeit wieder in die HartzIV Mühle geraten, wo ich Arbeiten verrichten muss, auf die ich so gar keine Lust habe.
          Und wenn ich dann doch irgendwann einen Partner gefunden haben sollte, dann werde ich kein HartzIV mehr bekommen und am Haushalt gefesselt werden. Andererseits möchte ich ihn dann auch nicht ausbeuten, sondern etwas zurück geben.

          Sicherlich wirst du jetzt sagen, dass es zu materialistishc ist, dass Liebe keine Erwartungen stellen sollte, aber ich habe die ja an mich selbst. Ich möchte meinem Partner helfen.

          Gefällt 1 Person

          1. Wer sagt hier das „Anarchisten“ nicht arbeiten (wollen) !!???
            Mal nur so ein kleiner Denkanstoß und auch Lehrsatz:
            „Arbeit ist sichtbar gemachte Liebe“!
            Der Verstand hat salopp gesprochen sein „Herrchen“ noch nicht gefunden oder akzeptiert: Das Herz!
            Rente und das St. Florians-Prinzip: „Zünd nur mein Haus nicht an“ – ich staune ein weiteres Mal über dein „Weltbild“ und die Wiedersprüche darin: So denn für Pensionen noch Geld da sein soll, möchtest du lieber auf der Seite der Beamten sein???? Wie link und menschenverachtend ist das denn? Ist das folgend aus der neoliberalen-linken Gutmenschendenke der uns übergestülpten überlegenen Ideologie???? Hey Lady, echt??

            Danke für deine Antworten und den Anblick in deine Wahrnehmung, Einstellung und deinen „Gemütszustand“.
            Ja, Glück geht Hand in Hand mit Frieden oder auch der innere Frieden ist der Nährboden für Glück.
            Zu 2: Wenn du bei deiner unbedingte Hingabe und auch Liebe noch etwas erwartest… – na, dann bist du noch auf dem Basar, du erwartest noch etwas als Gegenleistung – und „Liebe wartet“, wenn sie gewiß ist und ist dabei in keinsterweise unglücklich. — Ja, Zurückweisung, fehlende Annahme mögen nicht beglückend sein, zumal wenn wir noch etwas erwarten – anders herum, man muß sich auch nicht zu Tode warten, denn es gibt immer andere Wege, wo man auch nicht den Erst- oder Nächstbesten „Nehmen muß“… p.s.: Der Verstand baut die Baustellen ein: nach dem Motto – wenn ich dir, dann mußt du mir…etc.

            Zu 3: Nische hat was, eine Stille in die man sich zurückziehen kann, wo die Autarkie, die eigene Stärke, das eigene Erkennen, der Selbstwert wachsen kann. Gleichzeitig dazu scheint auch der Frieden zu wachsen.
            Wenn ich meinen Frieden wieder erreicht habe, dann bin ich in einem Zustand „des nicht mehr Müssen-müssens“ – eine ziemlich geile Sache – denk mal darüber nach!

            Dann suche dir einen Beruf zu dem du wahrlich berufen bist – und nicht irgendwas, um deinen Unterhalt zu generieren. Habe das Gefühl, daß du dich eher als Last für alles und jeden siehst – bedingt durch die wunderbare Konditionierung unserer Umwelt. Andersherum gebe ich dir recht – es ist in dieser wundersam freien und demokratischen Republik erstaunlich, daß die Eliten im Hintergrund ihr Ziel so flott erreicht haben: Die „Längerhierlebenden“ zu einer traumhaft schönen „Verschiebe-Masse“ und ein Volk 2. oder 3. Klasse zu machen. Na, was sollte man mit diesem wunderbaren System machen. Da kann ja selbst die von denen schlecht geredete „Anarchie“ ja locker mehr – auch materialistisch gesehen!!
            Und auch an dich mußt du keine Erwartungen haben, da die leider allzu oft von außen übergestülpt wurden. Man darf sich gerne eigene Herausforderungen gemäß seinen Talenten und Gaben suchen – die Begeisterung kommt nahezu automatisch, die Erfüllung und Berufung auch – und Dinge fügen sich, daß man es kaum glaubt, wo und welche Türen auf gehen — doch denke daran, einen Marathon läufst du auch nicht von heute auf morgen (;-)
            Bleib dran, hab Mut, finde dich selbst und vertraue dir – dann kommen auch die „passenden“ Menschen in dein Leben, und die „anderen“ kannst du dann auch schneller unter „Spreu“ verbuchen.

            Auf geht´s und Kopf hoch, nicht die Nase (;-)

            Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Create a website or blog at WordPress.com

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: