Sinnbefreit nach dem Sinn suchen

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Was ist der Sinn des Lebens? Während einige sich in Götter, Alkohol oder Völlerei fliehen, erscheint mir das wenig sinnvoll. Auch wenn ich gern mal einen hebe oder gern mal etwas leckeres esse, kann das nicht alles sein. Und Götter? Ich bin zu wissenschaftlich, um an so etwas zu glauben. Nach dem Trilemma, dass sie nicht gleichzeitig allgütig, allwissend und allmächtig sein können und die Konsequenz daraus, dass sie also entweder böse, dumm oder schwach sind, sofern sie existieren, finde ich keinen Halt in der Religion.

Es ist der Hunger nach mehr. Liebe, was ist mit Liebe? Auch wenn Liebe ein hohes Gut ist, gewöhnt man sich schnell an sie. Trotzdem möchte man etwas Besonderes erleben, auch mit dem Partner. Es ist der Hunger nach mehr. Der Hunger nach einem Sinn. Und dann noch die Gefahr, dass der Partner einem mehr Energie raubt, als er gibt. In meiner letzten siebenjährigen Beziehung haben sein Jähzorn und seine Eifersucht tiefe Wunden hinterlassen.

Es scheint alles so sinnfrei. Sinnlos. Leider ist mein Verstand zu klar, als dass es für mich einen Unterschied macht, ob etwas sinnlos oder sinnfrei ist. Es hat für mich auch keinen Einfluss ob das Glas halbvoll oder halb leer ist. Ich sehe das wissenschaftlich und es ist mit 250ml Flüssigkeit gefüllt. Hoffentlich mit etwas gutem Bier. Biologisch gesehen ist der Sinn des Lebens sich zu vermehren, um seine eigenen Gene in die Welt zu tragen. Allerdings unterscheiden sich die Gene von menschlichen Individuen nur sehr gering. Alle Menschen haben 99,5% identische Gene. Die intraspezifische Varianz liegt bei etwa 0,5%. Bei der sexuellen Fortpflanzung gibt ein jeder nur die Hälfte seines Erbgutes weiter. Das heißt wir müssen die ohnehin schon geringe Varianz durch 2 teilen.

Doch der Aufwand um meine Gene, von denen sich nur 0,5% von der Masse unterscheidet und wovon ich nur die Hälfte also 0,25% an die nächste Generation weitergeben kann, enorm hoch. Liebe macht verletzlich. Und abhängig. Es ist wieder wie eine Droge, die das Hirn mit Dopamin flutet. Dann kann ich mir doch lieber gleich allein die Substanzen in den Dosen spritzen, die ich brauche. Natürlich möchte ich nicht allein sein. Besonders weil ich auch zu Depressionen neige. Aber meine Psychologin meinte, dass ich nur einen realistischen Blick auf die Wirklichkeit habe. Und ich bin ja nicht allein. Ich habe noch meine Freunde.

Ergo scheint der Aufwand hoch und zum anderen auch nicht wirklich erheblich ob ich mich paare oder jemand anders. Zudem ist es noch schlecht für die CO2-Billanz. Jeder Deutsche hat einen ökologischen Fußabdruck von 12,5 Tonnen CO2 pro Jahr. Bei einer Lebenserwartung von 82 Jahren sind das etwa 1025 Tonnen. Zur Verdeutlichung sollten wir die Zahlen in Bezug setzen. Ein Flug von Düsseldorf nach New York und zurück fallen laut Rechner bereits 3,65 Tonnen CO2 an. Für den Erhalt der deutschen Population muss jeder zwei Kinder haben. Also statt zwei Kinder kann mein lebenslang etwa 8x pro Jahr in die USA und zurückfliegen. Alternativ kann ich in einem Diesel betreibenden Opel Corsa bei einem Ausstoß von 123 g CO2 pro Jahr 20325 km fahren, das entspricht gut 55 km pro Tag. Das Ganze scheint nun also auch nicht so sinnvoll. Sollte ich für meine Kinder CO2-Zertifikate kaufen?

Was also bleibt? Einige rufen zum Hedonismus, zur Sinneslust, auf. Ich bin leider etwas beschränkt, aber ich habe zunächst erst einmal einen Griechen mit Wein und dicken Fleiß im Kopf. Und dann je nach sexuellen Vorlieben ein Freudenmädchen oder Lustknaben. Wie soll also dein Hedonismus aussehen? Und wo hat das alles einen Sinn?

11 Kommentare zu „Sinnbefreit nach dem Sinn suchen

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  1. Was machen wir nun mit dem freien Willen? Wieder mal Diskutieren bis die Schwarte kracht? – im Elfenbeinturm der „Wissenschaften“?

    Hast du ein paar weitere Erkenntnisse zu Geist, Bewußtsein, Gewissen…?
    Und der Ansatz Genetik und DNS ist doch auch hoch interessant, um da mal „wissenschaftlich“ reinzugehen:
    Woher kommt die darin enthaltene Information? Fangen wir mal nur bei einem kleinen Apfelkern an und bemühen Statistiker, Chemiker u.a. um zu errechnen, wieviel Jahre es braucht, in irgendwelchen Petrischalen oder auch komplexen Versuchsaufbauten, daß sich eben ein solcher Apfelkern „entwickeln“ kann – welcher ja nicht für sich alleine steht. Es gibt ja auch noch Birnen und, und,…, welche zu allem Überfluß auch noch in diversen und komplexen Verbindungen mit einander stehen.

    Ergo also heute nicht die Herausforderung: „Folge dem Geld“ – sondern: „Folge der Information.“

    Danke für deine anregenden und gehaltvollen Worte,
    alles Liebe,
    Raffa.

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  2. Hedonismus ist nun gar nicht mein Ding, zu reformiert-lutherisch sozialisiert. Sinn des Lebens – ein weites Feld, sumpfiges Gelände. Aufgewachsen bin ich mit: die Erde ist ein Jammertal. Habe ich abgelehnt. Über die Jahre allmählich gemerkt: ist was dran. Muss aber nicht. Kann man was machen. Freilich kann man sich überlegen: mache ich dies, lasse ich jenes, was tut mir gut, was bringt mich weiter und wenn ja wohin? Unklare Perspektive. Was aber, lebenslänglich, immer bleibt: man lebt unter anderen Menschen, die es sich alle auch nicht ausgesucht haben, zu leben. Die sind halt alle da. Das kann nerven, furchtbar. Oder nett sein. Besser ist, wenn es nett ist, angenehm, erfreulich, freudvoll. Peter Handke hat mal gesagt, Glück ist ein Scheiß. Auf die Freude kommt es an. So ähnlich sehe ich das. Glück wird man kaum finden, Freude geht schon. Ich versuche mich mehr und mehr darin zu üben, ein freundlicher Zeitgenosse zu sein. Die anderen nicht ärgern, Ruhe verbreiten. Gelingt nicht immer, manchmal gar nicht. Michel de Montaigne hat sich vor 500 Jahren die gleichen Fragen gestellt und ist dann auch eher zu dem Schluss gekommen: den Rhythmus finden, in den Takt kommen: https://lynxblox.wordpress.com/2018/09/22/mantra-4/
    Aber neugierig bleiben, immer. Ist für nichts gut, außer für die Selbst-Unterhaltung. Und dass man den Kindern und Enkeln was zu erzählen hat, den eigenen oder fremden, denn irgendwie sind die auch immer da.

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    1. Ich finde Hedonismus eher römisch dekadent. Lutheranisch solltest du lieber arbeiten: „Der Mensch ist zur Arbeit geboren wie der Vogel zum Fliegen.“

      Und ja, du hast Recht. Trübsal blasen ist auch nicht die Lösung. Aber stets nach Freudenmaximierung zu streben klingt für mich eher nach Kapitalismus. Ich versuche lieber stoisch mich nicht mehr aufzuregen. Und manchmal kommt dann das Glück von ganz allein. Sonst bin ich ganz bei dir: Die anderen nicht ärgern, Ruhe verbreiten. Leider erwacht manchmal der Rebell in mir und dann möchte ich aufklären und nach sozialer Gerechtigkeit rufen und dann rege ich mich wieder ab und spüre die kalte Hand des Marktes auf meiner Schulter.
      https://haimart.wordpress.com/2018/10/12/die-kalte-hand-des-marktes/

      Gefällt 1 Person

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